Ausgabe 
2.3.1893
 
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1893.

IUL'-'

Donnerstag, den 2. März.

Dänion Gold.

Original - Roman von W. Höffer.

(Fortsetzung).

Erich richtete sich fester auf; sein Blick wurde so be- fehlend, so siegesgewiß, daß Adele ein heimliches Herzklopfen verspürte.

Fräulein Aßmann läßt Sie fragen," sagte er,ob es Ihnen räthlicher scheint, den Brief der verstorbenen Baronin Moldt in dieser Stunde freiwillig herauszugeben und zwar mir I oder ob sie diese Angelegenheit den Behörden zu wei« lerer Verfolgung überlasten wollen?"

^schrak so heftig, daß sie zusammenzuckte.Den Brief?' wiederholte sie.Ich verstehe nicht."

Dann muß ich mich deutlicher erklären. Die verstorbene Baromn hat ihre letzten Lebensstunden dazu benutzt, um Ihnen einen Abschredsbrief zu schreiben"

Wer behauptet Das?"

Ich, wie Sie sehen. Wollen Sie gutwillig diesen Brief herausgeben?"

Lächerlich! Ich besitze keinen solchen."

Dann haben Sie denselben vernichtet und werden eidlich erhärten müssen, was die nicht mehr vorhandenen Zeilen ent­hielten."

Die Gesellschafterin hatte bisher mitten im Zimmer auf- recht gestanden, jetzt zog sie einen Sessel herbei und ließ sich nieder.

_ "3ch höre Ihre Worte, ohne deren Sinn zu begreifen, Herr Wolfram- Was ist das mit einem Bries, den ich er­halten haben soll? Woher kommt Fräulein Aßmann auf diese seltsame Idee?"

Durch Erichs Seele ging ein Strom von Freude. Adele hatte den Brief wirklich empfangen.

Genug, daß Fräulein Aßmann Alles weiß," betonte er.

,Durchaus nicht genug, mein Herr, durchaus nicht. Ich bm beleidigt und fordere Rechenschaft - zunächst von Ihnen."

Ern spöttisches Lächeln kräuselte Erichs Lippen.Sie verwechseln die Situationen, mein Fräulein. Ich bin es, der als Richter vor Ihnen steht. Wollen Sie Alles hören, auch das Letzte? Fräulein Aßmann hat im Papierkorb einen an Sre gerichteten angefangenen, aber unvollendet gebliebenen Brief gefunden was sagen Sie dazu?"

Daß die Geschichte eine Fabel ist."

Erich «ahm seinen Hut.Ich sehe, wir werden uns schwerlich verständigen, Fräulein Malten. So muß denn die Polizer einschreiten."

Adele sprang heftig auf.Was? Sie wollten es wagen, mir die Gerichte auf den Hals zu hetzen?"

In einer halben Stunde bin ich bei dem Staats­anwalt, ja."

Lächerlich!"

Das klang, als wolle ein ersticktes Schluchzen gewaltsam hervorbrechen.Was Sie da verlangen, ist ohne Sinn, ohne Recht!" rief Adele.In einem Athem behaupten Sie, der Brief sei mein Eigenthum und daß Sie mich zwingen könnten, denselben herauszugeben."

Gewiß. Rur das Blatt Papier ist Ihr Eigenthum und Riemanv wird Ihnen Ihr Recht darauf streitig machen, den Inhalt dagegen hätten Sie schon im ersten Verhör sogleich zu Protocoll geben müssen."

Müssen?" wiederholte Adele.Müssen? Sind Briefe, die man mir schreibt, ohne Weiteres Gemeingut?"

Ist der Zeugeneid, den Sie geleistet haben, eine inhalt­leere Spielerei, Fräulein Malten?"

Sie zuckte zusammen.Jener Eid? Ich habe aus alle mir vorgelegten Fragen der Wahrheit gemäß geantwortet."

Das ist möglich, aber dennoch war der Eid ein falscher."

Herr Wolfram!"

Dennoch war der Eid ein falscher. Sie haben beschworen, nichts hinzuzusetzen und nichts zu verheimlichen! Es paßte Ihnen indessen, um die Angeklagte zu verdächtigen, besser, den Empfang jenes Briefes vollständig für sich zu behalten. Ist es nicht so?"

Sie wenigstens haben zu keiner Frage ein Recht, Herr Wolfram!"

Daher werde ich den Staatsanwalt sprechen lassen. Möge dieser die Angelegenheit des umgangenen Eides näher untersuchen. Ich empfehle mich Ihnen, Fräulein Malten, Sie selbst bereiten sich Ihr Schickjal."

Er wollte gehen, aber Adele streckte die Hand aus; ihr Gesicht war fahl, ihre Blicke erloschen, sie zitterte vor Auf- regung.

Ich mag mit den Gerichten nichts zu schaffen haben, Herr Wolfram. Vielleicht können wir unterhandeln."

Sie wünschen eine Abfindungssumme? Mit Vergnügen."

Jetzt glühte das eben noch so bleiche Gesicht des jungen Mädchens im tiefsten Purpur.War auch das noch keine Be­leidigung, Herr Wolfram?"

Ich glaube nicht, mein Fräulein. Das Wortunter­handeln" -"

Run, so wählen wir nach Belieben einen anderen Aus­druck. Ich verlange von Ihnen nichts, als ein Versprechen."

Gegen Auslieferung des Briefes, meinen Sie?"