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es fast den Eindruck machte, er spräche mit einem Halbtauben, oder wollte es weithin verkünden,die Mamsell oder welchen Titel der weibliche Wirthschaftsintendant führt, bat sie um eine Unterredung. Ich benutzte die Gelegenheit, nach meinem Taschenbuch zu suchen, muß es hier verloren haben!"

Scheinen mir Ihre Taschenbücher mit Fleiß zu verlieren," brummte der Oberst,nur um sie hinterdrein aus schönen Händen zurückzunehmen! Wollen Sie die Liebenswürdigkeit haben und mich vertreten? Mein Rheuma meldet sich eben zur ungelegenen Stunde."

Götz war sofort an Frau von Maltens Seite.

Mit einem unterdrücktenKreuzhimmeldonnerwetter" ließ sich der Oberst auf den nächsten Stuhl nieder. Er streckte das kranke Bein und bearbeitete es tüchtig, mit beiden Händen daran herunterstreichend. Schwatzende Damen näherten sich- Elsa von Toffsky war es, die trotz der bewiesenen Hebe« Anmuth keinen Begleiter gefunden hatte, mit ihrer Freundin Erna. Sie hatte mit Hans seit mehr als vierundzwanzig Stunden kein Wort gewechselt. Zur festgesetzten Zeit war sie im Salon erschienen und Minna hatte ihm sagen müssen, die gnädige Frau sei für die Gesellschaft bereit. Beim Hinaus­treten auf die Straße hatte er ihr stumm den Arm geboten. Man hatte sich das letzte Mal zu gründlich ausgesprochen, des­halb war das Schweigen am Platz. Im russischen Schlößchen hatten sie sich sofort von einander getrennt, da es in der Menge nicht auffiel, wenn sie sich mieden.

Erna bemerkte den verlassen dasitzenden Strehlen zuerst. Sie zischelte Elsa in's Ohr:Ein köstlicher Spaß, bist Du kein Spielverderber! Onkel Strehlen gott-und weltverlassen! Frägt er, ob wir seine Frau gesehen, antworte: Drüben am Teich! Erwähnt er sie nicht, bringe ich das Gespräch auf sie. Will er wissen, mit wem sie ging, sage Du: mit Herrn Werner. Er ist nämlich eifersüchtig wie ein Stint, bekanntlich das in diesem Punkt kitzlichste Geschöpf unter Gottes Sonne. Sahst Du ihn wohl im Salon, das habe ich beobachtet, er verzog das Gesicht, als fei ihm eine Spinne in's Essen gefallen, wie die FrauHerzogin", feine erlauchte Schwiegermama, vor- schlug, dem Maler noch eiligst ein Billet zu senden-"

Elsa von Toffrky war nicht schwer von Begriff und nie zur Ausführung einer kleinen Bosheit abgeneigt.

Nach kurzer Unterhaltung mit Strehlen verließen ihn die beiden Freundinnen und bogen in die krummen Linien eines Schlangenweges ein. Bei der ersten Biegung machten sie Halt, um unter Lachen zu constatiren, der Oberst habe wahrhaftig auf den Köder angebissen.

Strehlens seelischer Aufruhr siegte über sein körperliches Leiden. Sobald die Damen aus seinem Gesichtskreis verschwun­den, erhob er sich mit Hast. Der Maler war also doch ein­getroffen! Welche Tactlosigkeit, sich heimlich unter die Gäste zu mischen, ohne sich dem Hausherrn vorzustellen! Vermuthlich weil ihm seine Frau einen diesbezüglichen Wink gegeben. Da­rum hatte sie auch das Billet selbst hinausgetragen! Sie war im Etnverständniß mit ihm! Hätte er sich nicht sonst längst wieder einmal bei ihnen blicken lassen? Götz hatte ihr Weggehen mit ihm maskirt und sich zum Deckmantel dieser Zusammenkunft herabgewürdigt. O, er wußte vielleicht um mehr, als die heutige!

Sein gefoltertes Herz ersann sich Qual über Qual, wäh­rend er, so schnell er konnte, zum Teich herunterschritt. Auf dem schmalen Pfad, der am Ufer entlang führte, befand sich nur ein Paar jenseits des Wassers, eine Dame im hellen Kleid, die an der Uferseite ging und dadurch ihren Begleiter dem Auge Strehlens entzog. Ob sie es waren?

Trüge sie doch noch die Locken!" knirschte er im Zorn durch die Zähne.Daran wäre sie trotz der Dunkelheit zu erkennen! ' Er überlegte, daß sie längst über alle Berge sein konnten, bevor er bei seiner Langsamkeit den Teich umwandert hätte. Da kam ihm ein rettender Gedanke. Mit einem leisen Donnerwetter, das hätte mir gleich einfallen können!" trat er in den Kahn, löste ihn von der Kette und theilte mit raschen Ruderschlägen die Fluth. Jetzt konnten sie ihm nicht entgehen.

Er wollte Gewißheit haben, ob sie ihn betrog, Gewißheit um jeden Preis! Wehe ihr und ihm, fand er sie schuldig.

Das lustwandelnde Paar war durch das Aufschlagen der Ruder aufmerksam geworden und blieb stehen. Sie gingen nicht Arm in Arm und der Herr war nicht Werner; denn er trug Uniform, Strehlen sah es, lange ehe der Kahn anstieß. Er wollte bei den Wartenden an's Ufer steigen, obwohl es eine schlechte Landungsstelle war. Indem er es mit dem gesunden Fuß betrat, blieb er mit dem andern in der am Schnabel des Kahnes sich kreuzenden Guirlande hängen. Das leichte Fahr­zeug glitt ab und Strehlen schlug rückwärts kopfüber in's Wasser. Mit ersticktem Aufschrei stürzte die Dame herzu. Es war Leonore. Der Offizier, Hans von Malten, folgte eilends. Strehlen war schon wieder an der Oberfläche aufgetaucht und kam mit ihrer Hilfe leicht an's Land. Er wollte von dem läppischen kleinen Unfall kein Aufsehens gemacht wissen. Dar Fest solle darum in keiner Weise unterbrochen und sein Ver­lauf nicht gestört werden. Leonore redete, bat und zürnte, er solle sich sofort zu Bett begeben, um einer etwaigen Erkältung vorzubeugen. Sie fprach in den Wind.

Er habe sich nicht erkältet, polterte er, er wolle nur schnell in's Haus, den nassen Anzug los werden. Und ein Glas starken Grogs brauchte er, sonst nichts. Er ließ sich von Franz mit dem englischen Trockentuch warm reiben und legte anderes Zeug an; dann kehrte er mit seiner Frau zu seinen Gästen zurück, die sich schon ain verabredeten Punkt sammelten. Eine Frage hatte er an Leonore gestellt, ehe er in ihrer Gesellschaft das Haus verließ, die, ob der Dialer die Einladung ihrer Mama beantwortet habe.

Nein, Ludwig, aus dem einfachen Grund, weil sie nicht in seine Hände gelangte," erwiderte sie sanft-Siehst Du, hier ist Mamas Billet! ' Sie zog es aus der Tasche hervor und reichte es ihm hin-Ich hatte es nur zum Schein hinaus­getragen."

In seinen Augen blinkte es eigenthümlich. Man hätte glauben können, eine Thräne schimmerte darin. Wortlos zog er sein Weib an die Brust.,

Das Tanzen dauerte bis tief in die Nacht hinein. Der Oberst war der liebenswürdigste Wirth, den man sich denken konnte und erschöpfte sich in Aufmerksamkeiten für seine Gäste. Er entdeckte Erna an einem Tisch bet älteren Damen sitzend, als die Musik eben einen Walzer intonirte. Mit der verbind­lichsten Miene von der Welt forderte er sie auf, um ihr nach dem Tanz zuzuraunen, sie würde gut thun, bei der Damen­wahl nachher nicht auf Hans, sondern auf den Maler zu reflec- tiren; von der Seite würde sie sich wenigstens nicht der Ge­fahr aussetzen, sich einen Korb zu holen.

Erna war vor Wuth über diese Grobheit wie auf den Mund geschlagen. Das hatte ihr gerade noch zu dem Aerger gefehlt, den ihr das frohe, glückliche Aussehen ihres Mannes verursachte. Er schien nicht blos vergnügt, er war es wirk­lich! Kein Zweifel darüber: ein Comödiant macht dem andern nicht so leicht ein X für ein U. Sie ließ ihn nicht aus den Augen, um hinter das Räthsel zu kommen und spürte auch richtig heraus, daß die Veranlassung zu seiner veränderten Stimmung Leonore war. Er wechselte mit seiner Cousine ge­legentlich Blicke und ihre sprechenden Augen blinkten ihm ver- ständnißvoll und zuversichtlich zu. Erna hatte nicht Unrecht: es war ein stummes, aber darum nicht minder beredtes Frage« und Antworten. Leonore hatte ihrem Vetter versprochen, am nächsten Vormittag Tante Anna aufzusuchen und sich zu seinen Gunsten bei ihr zu verwenden. Sie hoffte zuversichtlich, durch ihre Bitten und Vorstellungen das Herz des wunderlichen alten Fräuleins, welches sich allem Umgang ihrer Verwandten ver­schloß, zu rühren. Sie wollte ihr mit beweglichen Worten schildern, in welcher traurigen Lage sich der Neffe befände und wie er viel zu stolz sei, als daß er seine reiche, auf ihr Geld pochende Frau zur Tilgung einer, durch unerhörte Wucherzinsen ausgewachsenen Schuld aus seiner Junggesellenzeit veranlassen möchte. So hatte ihr Hans nämlich die Sache vorgestellt.

(Fortsetzung folgt.)