Ausgabe 
31.7.1888
 
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führte sie in das Speisez'mmer hinüber, wo ein runder Tisch für zwei Personen gedeckt war.

Die Mahlzeit war, trotzdem sie in aller Eile her- gerichtet, dennoch sehr sorgfältig bereitet und es fehlte nicht an Leckerbissen und feinen Weinen.

Popley und Frau Ripps Enkel, ein stämmiger, junger Burfche, der aber ungemein schüchtern war, bedienten bei Tische.

Zum Dessert wurde feines Obst und schwarzer Kaffee hereingebracht. Sir Windham und Olla, welche nun allein waren, sprachen lange und ernst­haft mit einander und letztere erzählte ihm ihre ganze Geschichte ihre Hoffnungen, Befürchtungen und Gefahren und der geschickte Wundarzt hörte ihr mit gespanntem Interesse zu.

Ihr haltet es für möglich, daß Herr Gower nicht wisse, daß Bleak-Top Euer Eigenthum ist?" fragte Sir Windham.

Er hat nie davon gesprochen, Sir Windham. Er hat keine eigentliche Aufsicht über meine Güter, da ich unter der Vormundschaft einer Dame stand jener Dame, die nachmals seine Gattin wurde. Sie hat mich seiner Sorgfalt und Obhut übergeben. Die zu Bleak-Top gehörenden Grundstücke waren seit vielen Jahren verpachtet. Da» Haus konnte nicht vermiedet werden und wurde der Aufsicht Frau Ripps übergeben. Ich bin überzeugt, daß Herr Gower von der Existenz Bleak-Top» gar nicht« weiß."

Es wird ihm leicht fein, sich einen Ausweis über Eure Besitzungen zu verschaffen", bemerkte der Wundarzt gedankenvoll.Das schlechte Wetter wird ein Schutz für Euch sein für den Fall, daß er auf Eure Spur kommen sollte. Ich glaube, daß Ihr einstweilen hier in Sicherheit seid. Ihr könnt auf meine Freundschaft und meinen Beistand rechnen, solltet Ihr derselben bedürfen» Fräulein Olla. Sollte Herr Gower hier erscheinen und sich unterstehen, Euch zu belästigen, so schickt augenblicklich nach Aln- wick und telegraphirt. Ich will auf Euer» Ruf kommen. Ich werde morgen in die Stadt zurück- kehren, einen unserer ersten Advokaten zu Rathe ziehen und sehen, welche Schritte zu machen sind, um Euch au» Herrn Gower'» Vormundschaft zu befreien."

Olla dankte Sir Windham warm und sie be- fprachen diese Angelegenheit noch weiter. Etwa» später ging der Doktor zu seinem Patienten hinauf, welcher in Popley's Obhut zurückgeblieben war. Tressilian lag noch immer in derselben Betäubung, feine Augen waren geschlossen und seine Athemzüge leise und unregelmäßig. E» schien, als ob fein Lebenslämpchen sehr schwach brenne. Sir Windham sühlte seinen Puls. Er schlug matt und un­regelmäßig.

Der Wundarzt erteilte Popley einige Unterwei­sungen und dieser schloß die Fensterläden, zündete Licht an und nahm dann vorsichtig den Verband von Tressilian'» Wunde herab.

Schließt die Thür, wir müffen gleich an die Arbeit gehen", sagte Sir Windham kurz.

Popley beeilte sich zu gehorchen.

Olla hörte in ihrem Zimmer drüben das Vor­schieben des Riegels und erblaßte. Sie erkannte, daß die Stunde gekommen sei, welche Über Tressi- lian'S Geschick entscheiden sollte, ob er leben dürfe oder sterben sollte, ob er blödsinnig bleiben müsse oder wieder in vollen Besitz seines Verstandes kom­men sollte. Sie warf einen warmen Shaw! über den Kopf, verließ ihr warmes Zimmer und schlich in die kalte, zugige Halle hinaus, wo fie sich in der Nähe von Tressilian'« Thiire niederfetzte, während ihre Seele von unerträglicher Angst zermartert war.

Wie langsam die Minuten vergingen I Sie konnte hie und da die leisen Worte des Wundarztes hören, die er an Popley richtete. Von Zeit zu Zeit hörte fie ein Geräusch, als ob Popley durch das Zimmer gehe. Aber außerdem herrschte tiefe, tödtliche Stille.

Die Minuten dehnten sich zu Stunden. Der kurze Decembertag neigte sich zu Ende. Der Wind stürmte um da« einsame Hau« von Bleak-Top und fuhr ächzend und heulend durch die Bäume. Ein eisiger Luftstrom zog durch die Hallen und Gänge des freistehenden Hauses. Das Feuer in Olla's An­kleidezimmer warf einen röthlichen Schein durch die offene Thür in den Hausgang hinaus, wo da« Mädchen regungslos wie eine Statue in bangem Lauschen dasaß.

Er wurde immer dunkler in der einsamen Halle und es war schon beinahe ganz dämmerhaft, al« au» dem Krankenzimmer ein Ton herausdrang, welcher der jungen Lauscherin schier da» Blut in den Adern erstarren machte.

E» war ein halbersticktes, aber furchtbar schmerz­liches Stöhnen wie von Jemandem, der unsäg­liche körperliche Schmerzen leidet.

Ec stirbt", hauchte da» Mädchen in angstvollem Flüstern vor sich hin.Erstirbt! O barmherziger Gott, hilf ihm!"

(Fortsetzung folgt.)

Die sächsische Serpentin steinindustrie.

(Nachdruck verboten.)

Der Serpentin ist eine Felsart, die meist dunkel­grün in Körnern mit eingesprengten, schwarzen und braunen Flecken erscheint. Er tritt mit Gneiß-, Glimmer- und Thonschiefer, mit jungem Graniten und einigen neuen Gesteinen aus. sticht selten liegt er an dem äußeren Raume der Gebirge; er scheint vulkanische Erde zn sein und kommt besonders im sächsischen Erzgebirge bei Zöblitz, in Graubünden, in Frankreich bei Limoges vor. Der Serpentin ist grün, mit verschiedenen Abstufungen und braun, undurchsichtig, unschmelzbar, fettglänzig, glatt mit feinkörnigem Bruche, findet sich derb, als ganze Fel­sen. Man unterscheidet edeln Serpentin (Ophit)