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KUS seinem Kleiderschrank, sowie eire schäbige Pelzmütze, durch welche Prachtstücke sich Walter unkennt- , ltch machen sollte. Er lehrte ihn, wie er die Mütze ü über die Augen ziehen und mit dem Mantelkragen das übrige Gesicht mit dem auffälligen Bart verdecken müsse, zeigte ihm, wie er sich auf einen Krück- stock zu stützen und einen gebrechlichen Greis zu spielen habe und befahl ihm, sich in diesen Künsten recht fleißig bis zu seiner Rückkehr zu üben.
Dann ging Thoisen fort und ließ seinen geheim, nißvollen Schützling allein, der ihm mit spöttischem Lächeln eine Rauchwolke nachwirbelte und nach dem Zeitungsblatt griff.
Wieder und wieder las er die ihn sö hoch interesflrende Aufforderung durch, bi« er vollständig darüber im Klaren und mit sich selber über irgend einen Entschluß einig zu sein schien.
Mit sichtlichem Vergnügen zog er jetzt die Kleidungsstücke an, nahm den Krückstock in die Hand und übte vor dem Spiegel die Komödie ein.
„Wird seine Freude an mir haben, der Herr Detectiv", lachte er laut auf, „wie der Fuchs mich zu überlisten gedachte, — ja, ja, er soll mich noch bewundern."
So trieb John Walter er stundenlang, bis es dunkelte und Thorsen zurückkehrte. Als dieser Licht anzündete, um sich seinen Mann zu betrachten, prallte er überrascht zurück und rieb sich dann zufrieden die Hände.
„Gut, sehr gut", sagte er schmunzelnd, „Sie sind ja ein ganz vortrefflicher Komödiant. Nun hören Sie genau Ihre Instruction. Wir verlaffen zusammen das Haus, nehmen aber keine Notiz von einander und gehen nach verschiedenen Seiten, Sie links direct nach dem Bahnhofe, ich rechts, um auf einem kleinen Umwege dort mit Ihnen zusammen- zutrrffen. Ich nehme zwei Billets dritter Klaffe für uns nach Berlin, wo unser Adam Sturm augenblicklich noch weilt, um mit den übrigen hervorragen, den Häuptern der Expedition, unter Anderm auch einem gewissen Doktor Dörner, mit welchem Musje Adam eng befreundet ist, dem Kaiser vorgestellt zu werden."
John Walter, der mit gespannter Aufmerksamkeit zugehört, zuckte bei dem Namen Dörner jäh zusammen, faßte sich aber sogleich und meinte spöttisch, daß sie in diesem Falle keine Zeit zu verlieren hätten, um wie eine Bombe zwischen die berühmte Gesellschaft hineinzuplatzen.
„Nein, wir haben keine Minute zu verlieren", rief Thorsen, „Sie find reisefertig und gerüstet, vorwärts denn, da Sie es nicht vergessen dürfen, daß ich Sie jedenfalls bis Berlin etngefangen haben muß." —
Beide lachten über den famosen Witz und verließen die Wohnung, welche der Detectiv vorfichtig verschloß.
Draußen war e» düster und grau, der Regen rieselte eintönig herab, was Thorsen für das herrlichste Wetter von der Welt erklärte.
Vor der Hausthür trennten ste sich, Walter eilte links, der Detectiv rechts weiter, und obwohl der letztere einen Umweg machte, so erwartete er doch seinen Begleiter schon am Bahnhof.
„Sir schienen auf Mephistos Mantel zu reiten", meinte Walter, einen Fluch unterdrückend.
„Möglich", lachte Thorsen wohlgefällig, „doch jetzt die alte Marke vor und keinen Augenblick Ihre Rolle vergessen. Ich weiß, daß man hier den ganzen Tag auf Ste vigilirt hat."
Erschreckt schrumpfte Walters kräftige Gestalt blitzschnell zusammen und keuchend wankte er an seinem Stock dem Wartezimmer dritter Klaffe zu.
Niemand beachtete den alten, schäbigen Mann, von dessen Gestcht fast nichts zu sehen war, und der nach wenigen Minuten mühsam in ein Coups dritter Klasse stteg, während Thorsen, der sich leise mit einem College» unterhielt, nicht die geringste Notiz von ihm nahm.
Da brauste der Zug davon, und beide rieben sich vergnügt die Hände, da außer ihnen nur ein altes, bäuerliches Paar noch im Coups faß.
Sie konnten sich also ganz ungenirt unterhalten. Walter ging anscheinend begierig auf seines Gönners Pläne ein und freute sich auf das Gelingen derselben, so daß der Detectiv in eine sehr rosige Laune gerieth und auf einer Hauptstation, wo ein längerer Aufenthalt geboten war, sogar die Einladung Walters, mit ihm ein Abendessen zu theilen, gnädig annahm.
Sie soupirten in einem kleinen Separat-Zimmer und wurden sehr aufgeräumt. Als Thorsen, durch einen Lärm in der Halle aufgeschreckt, hinausging, um die Ursache desselben zu erforschen, zog Walter blitzschnell aus seiner Westentasche jenes Pulverpapier und schüttete den Inhalt desselben in den Wein des Delectivr, worauf er das Papier wieder verbarg und eifrig mit Essen und Trinken beschäftigt schien, als jener zurückkehrte.
„Dürfen der Flasche nicht zu sehr zusprechen", bemerkt Thorsen, einen besorgten Blick auf das Gesicht seines Begleiters werfend.
„Noch ein Glas", sagte dieser, „auf unsere Freundschaft, Herr Thorsen! Verdammt will ich sein, wenn ich Ihnen das vergesse, was Sie für mich gewagt und gethan."
Der Detectiv drehte spöttisch lächelnd seinen hübschen Schnurbart und meinte dann, sein Glas ergreifend und mit ihm anstoßend, daß er sich keine Schwachheiten einbilden solle, da er, Thorsen, bei Allem, war er wage und thue, nur da« eigene Interesse im Auge habe.
Er trank das Glas bis auf den letzten Tropfen aus und winkte dann gebieterisch, ihm zu folgen.
„In der alten Marke, verstanden?" setzte er kurz hinzu, worauf er hinausschrttt, von Walter, der kläglich hinterdrein humpelte, gefolgt.
Nach wenigen Minuten brauste der Zug wieder mit ihnen durch die Nacht dahin. Sie hatten ein Coups ganz allein inne und wollten die Zeit


