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deinem Zimmer heraus kommen hörte! Ich hatte nur Zeit, mich in der Nische hinter dem bronzenen Kreuzritter zu verbergen, in der Nähe meiner Thürs, als ein Mann aus dem Zimmer heraurkam! Er hatte den Schlüssel zur Kasse in der Hand!"

Sir Arthur betrachtete Blanche mit brennenden Augen.

Das Mädchen fuhr mit gebrochener Stimme fort:

Der Mann setzte fich in der Halle auf einen Stuhl nieder! Ich kauerte in der dunklen Nische. Plötzlich ging er in Guy's Zimmer und kam mit einem Licht heraus. Er ging über die Treppe hinab in das Bibliothekzimmer! Und ich ging ihm nach, denn ich glaubte, daß er nachtwandle! Aber er war voll­kommen wach! Er ging zur Kasse hin und öffnete fiel Er nahm den SaS mit dem Golds heraus, versperrte die Kasse und warf den Schlüssel auf die Erde. Dann öffnete er das Fenster und schlich mit seinem gestohlenen Gelds auf die Terrasse hinaus!"

Hast Du sein Gestcht gesehen?" fragte der Baro­net mit einer sonderbaren Ruhe.

Ja, lieber Vormund!"

Und Du kanntest diesen Mann?"

Ja, Onkelchen I O, ich kannte ihn!"

Nun, wer war es? Wer war dieser mitter­nächtliche Räuber?"

Es erfolgte ein kurzes, schreckliches Stillschweigen. Dann sagte das Mädchen in gebrochenem Tone:

Es es war Guy!"

Siebenunddreißigstes Kapitel.

Ein ungesehener Zeuge.

Die Enthüllung Blanche's, daß Lowder der mit- ternächtliche Dieb fei, der Sir Arthur beraubt hatte, machte auf den Baronet, wie das junge Mädchen gssürchtet hatte, einen tief erschütternden Eindruck. Trotz Blanche's Weigerung zu sprechen, hatte Sir Arthur die volle Wahrheit nicht geahnt.

Jetzt wendete er sein Gesicht von ihr ab und be- deckte es mit den Händen.

Das Mädchen rückte näher zu ihm heran, um­klammerte seins Hände in stummer Theilnahme, sagte aber kein Wort.

Es herrschte ein kurzes Stillschweigen zwischen dem Paare, dann sagte Sir Arthur in gebrochenem Tone:

O, mein Sohn, mein Sohn! Mein einziger Sohn. Ich hielt ihn für die verkörperte Ehrenhaf- tigkeit. Wie ich ihn geliebt habe! Ich wäre für ihn gestorben! Und was ist er? Ein Lügner! Ein Dieb!" 0

Ach, Onkel!" rief das junge Mädchen schaudernd.

Sir Arthur schaute sein Mündel an. Sein schönes Gesicht war finster und bleich. Aus seinen großen, dunklen Augen schaute rin Ausdruck von Verzweiflung und Schmerz.

Meine arme, kleine Blanche", sagte Sir Arthur, seine Hand liebkosend auf ihre blonden Zöpfe legend, $ ,/Und Du liebst ihn noch immer? Es ist ein seltsam '

Ding um die Frauenliebe! Sie überdauert Ächtung» Verehrung, Alles."

Blanche machte eine Geberde der Verneinung, aber ihr Vormund beachtete sie nicht. Hätte er richtig in ihrem Herzen gelesen, so hätte er erkannt, daß ihr ganzer Schmerz nur ihn und nicht ihre eigene Enttäuschung betraf. Hätte er sie besser ge­kannt, so würde er verstanden haben, daß Blanche nie einen Mann lieben konnte, den sie zu achten auf­gehört hatte.

Diese Erfahrung ist ebenso traurig für Dich, als für mich, Blanche", fuhr ihr Vormund in trübem, schmerzlichem Tone fort, den Kummer des jungen Mädchens selbst in seinem eigenen Schmerze noch mitfühlend.Guy ist nicht mehr, was er war. Er hatte einen großmüthigen und edlen Charakter, dessen Mittelpunkt die Wahrheitsliebe war. Er haßte jede Lüge. Bis zu seiner kürzlichen Rückkehr aus dem Auslands hätte ich mein Leben für seine Ehrenhaftig­keit und Aufrichtigkeit eingesetzt."

Blanche antwortete nicht, sondern streichelte nur leise die Hand, welche sie umschlossen hielt.

Hätte ihn ein Anderer gesehen, Blanche, als er diesen Raub beging", sagte ihr Vormund langsam, würde ich mich geweigert haben, es zu glauben. Und dennoch habe ich ihn unwahr, geheimnißvoll und verschlossen gefunden. Die Geschichte mit dem Fremden gestern war etwas sonderbar und auffallend. Mein Sohn ist mir ein verschlossenes Buch. Er war heute Morgen bei mir in der Bibliothek, al» ich meinen Verlust entdeckte; und er bemühte sich, meinen Argwohn auf Purmton und Paxter zu lenken, die treuesten Diener, die je ein Mann gehabt hat. Er hätte sich die Gemeinheit ersparen können, Schuld­lose anzuklagen!"

Was! Er wollte sie seines eigenen Verbrechens anklagen!" rief Blanche aus, entsetzt über die boden­lose Schlechtigkeit ihres Verlobten, den sie noch vor Kurzem für so gut und edel gehalten hatte.O, Sir Arthur!" '

Ich hätte Dir da» nicht sagen sollen, Blanche. Du hattest ohne dies schon genug zu tragen", sagte der Baronet thetlnahmrvoll.Das Geld war ihm in anderer Form bestimmt. Was konnte ihn ver­anlassen, den Raub zu vollziehen? Wieso konnte er zweitausend Pfund so dringend benöthigen? Und wenn er Geld brauchte, warum hat er sich nicht an mich darum gewendet? Offenbar hat er sich ge- fürchtet, daß ich ihn fragen werde, wozu er es brauche."

Habt Ihr gestern bemerkt, Sir Arthur, daß Guy erschrocken, ja entsetzt war, als er den Brief von dem Fremden erhielt, von welchem er behaup­tete, daß es ein Bettelbrief fei? Vielleicht hat er den Fremden früher gekannt und vielleicht war der Brief eine Mahnung?"

Blanche, ich glaube, Du hast Recht", rief Sir Arthur in raschem, erschrockenem Tone. , Aber wie konnte er dem Menschen eine so bedeutende Summe schuldig sein?"