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die goldene Sonne! — Jetzt noch heißt der wichtige Tag, der 24 Juni, in Wandern „Sommertag", und in England und Schweden „Mittsommertag", bei uns zu Land aber „Johannis!" — weil das Christen- thum das Fest Johannis des Täufers, als „Leuchte der Menschheit" für den Sommerwendtag bestimmte. Dadurch verbanden sich altheidnischer Brauch mit christlicher Sitte, um schließlich in Eins sich zu verschmelzen, wovon besonders Zeugniß ablegen: Johannisbad und Johannisfeuer! — Ein einzig Bad, in der Johannisnacht genommen, soll nämlich — heißt es — mehr Kur- und Heilerfolg besitzen! als neun gewöhnliche Bäder zusammen. Deshalb geschah es auch in früherer Zeit mit Vorliebe, daß man gerade in dieser Nacht ein Mineral- oder Wasserbad aufsuchte, und noch jetzt meint frommer Volksglaube, daß der erste Eimer Wasser, geschöpft am Abend vor dem Johannisfeste, das Fieber heilt. — Ueberhaupt ist kein Tag und keine Nacht im ganzen Jahr wohl so überreich an sagenhafter Geisterkraft! — Schätze und wundersame Kräuter sprießen und erblühen — sagt man — überall, Träume in der Johannisnacht sollen prophetische Bedeutung in Liebesangelegenheiten haben, und allerlei Schutz gegen Krankheit wird erwartet von den üblichen Sonnenwendfeuern, die am Johannisabend lodern, während man um die Flammen herumsingt und tanzt oder darüber fortspringt. — Einst brannten sie in manchen Dörfern 8 Tage lang, und hohe Herrschaften verherrlichten sogar früher durch ihre Gegenwart und Theilnahme den Reigen; das Feuer aber zündete zuweilen ein schönes Mädchen an. — Eine hochwichtige Rolle spielte auch das „Johanniskraut", das — gepflückt in der Sonnenwendnacht — das ganze Jahr das Haus beschützen soll; — am allerwichtigsten und werthvollsten aber ist zweifellos die geheimnißvolle Wünschelruthe, die man ja oft -- ganz abgesehen von der Schatzgräberei — so nöthig brauchen könnte, und die man in der Sonnenwendnacht schneiden muß. — Wenn man sich nur nicht dabei — schneidet! —
Kirschen! Welch' ein Zauberwort für alle Kinder und welch' eine wohlschmeckende erfrischende Labung auch für uns Erwachsene reist jetzt, die kleine Frucht, welche zuerst von all den leckern Baumfrüchten den Markt bereichert. Der Kirschbaum ist in der Pflanzenwelt etwa für den Menschen das, was das Schaf im Thierreich. Es ist bekannt, daß von dem sanftmüthigen Wolleträger so ziemlich alles nützliche' Verwendung findet: Wolle, Haut, Fleifch, Därme — am Kirschbaum erleben wir Aehnliches. Die süße Frucht giebt frisch genossen ein köstliches Dessert, sie wird eingemacht und für spätere Zeit als Compot auf die Tafel gebracht, wir verdanken ihr einen trefflichen Liqueur und genießen ihren ungegorenen Saft flüssig oder als Gelee. Das Holz des Kirsch- baunies wird — wie allgemein bekannt — in der Möbeltischlerei gern und viel gebraucht, gilt aber
im klebrigen seiner Härte wegen auch als ein vortreffliches Brennmaterial; das Harz liefert Gummi, die Blätter eignen sich zum Einmachen beispielsweise von Gurken! Ein nützlicher Baum also! Uebrigens ist an ihm, dem Liebling der Kinderwelt, die Sage nicht vorübergegangen. Das Kirschenfest von Naumburg leitet bekanntlich seinen Ursprung von einem Ereigniß her, welches aber trotz des schönen Liedes: „Die Hussiten zogen vor Naumburg" historisch nicht beglaubigt ist. Nach jener Sage soll Procopius mit 40 000 Hussiten vor Naumburg gezogen sein und die Stadt sah sich dem Mächtigen gegenüber in schrecklicher Bedrängniß. Gerhard von Goch, der Bischof Naumburgs, hatte auf der Synode zu Kostnitz für die Verbrennung des Huß gestinimt und dieses Votum wollte der Hussiten-General die ganze Stadt fürchterlich büßen lassen. Umsonst war ihm von den geängstigten Stadthäuptern vorgestellt worden, wie unschuldig Naumburg an jenes Bischofs Abstimmung gewesen, daß dieser Bischof längst tobt, sein Nachfolger vor den Hussiten geflohen sei, Procopius wollte seine» Truppen ein furchtbares Fest der Plünderung bereiten. Da in höchster Noth nahten in weiße Sterbegewänder gekleidet, grüne Zweige in ihren Händen, 559 Kinder und baten auf den Knieen um ihrer Eltern Leben. Auch der rauhe Kriegsmann fühlte sich ergriffen von dem Stammeln der Unmündigen, er gewährte Gnade und statt der Bürger Blut floß das rothwangiger Kirschen. Der schlachtenkundige Feldherr lud die jugendlichen Bittsteller zum Kirschenschmaus und zog seine Straße ohne Naumburg l zu plündern. Die Geschichte ist wie gesagt unbeglau- l bigt, sie wird auch von Naumburg a. Queis und s von Mühlhausen erzählt, aber ihr weiht sich noch \ heut eine Volksfeier, das Kirschenfest genannt, und i verwob die wohlschmeckende Frucht mit den blutigen \ Kämpfen der Weltgeschichte.
Auflösung des Diamant-Räthsels in Nummer 73.
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Nedactiou: A. Scheyda. — Druck und Vertag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr, Pietsch) in Gießen.


