299

Tbeilnahme meiner Untergebenen sich in schweren Tagen in der Nähe und in der Ferne nicht ver­leugnet hat. Das wünsche ich für die Zukunft auch Dir."

Der ersten militärischen Lehr- und Uebungrzeit reihte sich dann 1851 die akademische Studienzeit in Bonn mit ihrem ungezwungenen, frohen studentischen Treiben, sowie anregenden geistigen Verkehr an. Dann begann die Zeit der größeren Reisen, eröffnet durch einen längeren Aufenthalt in Rom, das mit seinen Kunstschätzen, seinen historischen Reminiscenzen, seinen glänzenden, ihm zu Ehren veranstolteten Festen den Kunstsinn des Prinzen weckte und läuterte und seinem ästhetischen Empfinden die Richtung auf das Ideale gab. In die Jahre von 1853 bis 1856 fielen die Dienstleistungen bei den einzelnen Waffen und die Unterweisung im Generalstabsdienst, sowie die militär-akademischen Studien. Um jene Zeit, 1855, trat ein Mann in nähere Beziehungen zum Prinzen Friedrich Wilhelm, deffen vielseitige Bildung und deffen hervorragende militärische Talente ihn zu einer Zierde der Armee machten. Es war der do- malige Oberst v. Moltke, der mit dem weiten Schatz von Kenntnissen, die er auf Reisen und Kriegszügen erworben, und der Genialität seiner Anschauungen belebend und anregend auf den Geist des zukünfti­gen Thronerben, an deffen Seite er gestellt worden, einwiikte.

Im Jahre 1855 machte der junge Fürst seinen ersten Besuch am englischen Hose und knüpfte bei dieser Gelegenheit die ersten Beziehungen zur engli­schen Königsfamilie an, die schon im folgenden Jahre zur Verlobung führten. Von der Werbung um die englische Königstochter zmückgekehrt, übernahm Prinz Friedrich Wilhelm im Juli 1856 die Führung des 1. Garderegimrnts, und etwas später die des 11. Infanterieregiments in Breslau und verblieb in diesem Wirkungskreise bis zum October 1857. Kurz vor diesem Zeitpunkte war die Verlobung mit der Prinzeß Royal von Großbritannien und Irland ver­kündet worden. Wohl durfte der junge fürstliche Regiments-Commandeur dis bei seiner Rückkehr nach Berlin erfolgte Ernennung zum Brigade Commandeur als ein Zeichen der Zufriedenheit mit der Regimentr- führung betrachten; es war die letzte Auszeichnung, die König Friedrich Wilhelm IV. feinem Reffen zu Theil werden ließ.

Roch in demselben Jahre, am 23. October, über­nahm der Prinz von Preußen die Stellvertretung des erkrankten Königs, und Prinz Friedrich Wilhelm wohnte der feierlichen Unterzeichnung des Erlasses bei. Zu Anfang des folgenden Jrhres eilte er nach England, um am 25. Januar mit feiner Braut, der Prinzessin Victoria, den Bund für das Leben zu schließen. Am 8. Februar erfolgte der feierliche Einzug des jungen Paares in Berlin. Die Sehn­sucht nach der Tochter führte schon im Sommer das hohe Elternpaar nach Berlin und Potsdam; der nächste Besuch der Königin von England in Berlin hat dann erst im gegenwärtigen Jahre stattgesunden,

als sie sich an das Krankenlager der Schwieger­sohnes begab.

Am 7. October 1858 übernahm der Prinz von Preußen die Regentschaft. Es war eine politisch bewegte Zeit, in welche, am 27. Januar 1859, für das prinzliche Paar die Geburt eines ersten Sohne« fiel, an deffen Wiege der Vater gelobte, ihn in echt vaterländischer Gesinnung zu erziehen.

Am 2. Januar 1861 starb König Friedrich Wil­helm IV., der Prinzregent bestieg als König Wil­helm I. den Thron, Prinz Friedrich Wilhelm war nunmehr Kronprinz. Am nächsten Geburtstage des­selben, seinem dreißigsten, erfolgte die feierliche l Krönung seines Vaters in Königsberg.

In Anerkennung seiner soldatischen Tüchligksit j hatte der Prinzregent bereits bei der Reorganisation | der Armee im Juli 1860 den 29jährigen Prinzen I zum Generallieutenant ernannt. An dem im Jahre 1864 gegen Dänemark geführten Kriege nahm der Prinz rmr al» Zuschauer Theil und wohnte den Ge« i fechten an der Büffelkoppel, der Beschießung von j Fridericia, sowie dem Sturm auf die Düppelschanzen i im Stabe de» Generals v. Wrangel bei. Zum erstenmale breiteten sich hier vor den Augen de» Thronerben die Schrecken und Leiden de» Krie­ges aus.

Bet der Rückkehr aus dem Felde erwartete ihn eine hohe militärische Auszeichnung, die Ernennung ' zum kommandirenden General de» 2. Armee-Corps, s zu weichem er bereits in feiner Eigenschaft als Statt- ! Halter der Provinz in einer gewissen Beziehung stand. I Zum erstenmale wurde dem Kronprinzen im Jahre ![ 1866, in dem Feldzug gegen Oesterreich, die Füh- ? rung einer selbstständigen Hreresabtheilung über- ! tragen. In dreitägigen Kämpfen bei Rachod, Skalitz, Schweinschädel zertrümmerte dieselbe die am besten geführten österreichischen Corp» und entschied dann durch geschickte» und festes Eingreifen da» Schicksal de» Feindes bei Königgrätz. Als siegreicher Feldherr kehrte diesmal der Thronerbe in die Heimath zurück. Seine Schläfe umwand der Kranz kriegerischen Ruh­me», seine Brust schmückte der goldne Stern mit dem Bildniß König Friedrichs, eine Auszeichnung, die besonders für ihn gestiftet worden war. Mit Ernst beteiligte er sich nach dem so kurzen und glücklichen Feldzug, die Führung seine» Armer-Corps überneh­mend, an den Arbeiten und Ausgaben de» Frieden».

(Schluß folgt.)

Wermischtes.

Johannis. Schon hat die Sonne ihren höchsten Standpunkt wiederum erreicht die Hälfte des Jahres ist just wieder zu Ende! Ehedem, als man nur 2 Sonneuwend- oder Mittsommernacht des Som­mers Mitte, ein Naturereigniß, das Anlaß zu hoher Feier gab, feierte, verehrten die alten Germanen der Ur­zeit doch das Licht und als dessen Anfang und Ende;