dem Gasthof zum weißen Roß, wohin ich mich jetzt begebe, zu schicken?" \

Recht gern", nickte der Ober-Aufseher, mit dem ; Detectiv in's Gebäude zurückkehrend.

Hier logirt Ihr Schutzbefohlener", fuhr er leise j fort, als Re jetzt durch einen andern Gang schritten. Wollen Sie Abschied von ihm nehmen?"

Warum nicht? Möchte mich überzeugen, daß er sicher untergrbracht ist, da ich für den Bur­schen hafte."

Ist er so schlimm?"

Das nicht, weiß nicht, was man von dem Jam­mermann zu fürchten hat. Der arme Teufel wird sich freuen, ein bekanntes Gesicht zu sehen, obwohl ich just nicht sanft mit ihm umgesprungen bin."

Der Ober-Aufseher öffnete die Zelle und ließ den Detectiv eintreten.

Ra, Walter, wie geht's?" rief jener dem Ge­fangenen zu,habt ja ein recht gemüthliches Logis, j Wollte Abschied von Euch nehmen."

Dank', Herr!" brummte Walter, sich von der s Pritsche erhebend,wünsche Euch und Euresgleichen nicht wiederzusehen."

Seid ein netter, dankbarer Junge", lachte I Thorsen, seine Rechte aussireckend.Ra, wollt mir l nicht einmal die Hand zum Abschied geben?"

Walter gab ihm mürrisch die Hand, welche der I Detectiv kräftig schüttelte und dann die Zelle ver­ließ. Draußen stand der Ober-Aufseher, lachte spöttisch und verschloß die Zelle.

Der sitzt sicher genug", meinte Thorsen, sich dem Ausgange des Gefängnisses zuwendsnd.

Gewiß, der Stadtgraben stößt an die Mauer und ist dort unergründlich. Ist ja auch kein Mör­der, da wir sonst dort Wachen postiren."

Das war's, was der Detectiv wissen wollte. Er drückte dem Ober-Aufseher zum Abschied die Hand und eilte nach dem weißen Roß, um hier zu speisen, den Schutzmann zu erwarten und mit dem nächsten Zuge wieder heimzufahren.

Zur rechten Zeit stellte sein Begleiter sich ein, und bald befanden sie sich auf dem Heimwege. Nach der Ankunft in X. begab sich Thorsen sofort zu dem Polizei>Director, um diesem Bericht zu erstatten und die richtige Ablieferung des Gefangenen zu melden.

Habe bereits telegraphische Mittheilnng darüber erhalten", lächelte der Polizeiherr zufrieden. Se. Durchlaucht waren in der Residenz nicht anwesend?" setzte er mit einem fragenden Blick hinzu.

So viel ich hörte, waren Durchlaucht auf die Jagd gefahren."

Na, der Bursche wird doch sicher genug unter­gebracht sein, wie?"

22.

Es war am Spätabend desselben Tages, gegen 11 Uhr, als ein eleganter Herr, dis Reisemütze tief in die Stirn gedrückt, den Kragen seines Hebet# ziehers hoch emporaszogen, in gebückter Haltung sich ein B llet zweiter Classs bis zur Residenz nahm und hüstelnd in ein Coupü stieg, das er bis an sein Reiseziel ganz ollein brhielt.

Die Nacht war sehr dunkel und stürmisch, es regnete und hagelte durcheinander, ein Wetter, das sich am behaglichsten im traulichen Zimmer oder im warmen Bett ertragen läßt.

Der elegante, hüstelnde Herr hatte sein Coups verlassen und war unbeachtet in der Dunkelheit ver­schwunden. Jetzt schritt er eiligst dem Thore der Residenz zu, wo er, anstatt dasselbe zu durchschreiten, recht« abbog und dem Stadtgraben entlang sich hielt. Er schien sichere OrtSkenntniß zu besitzen und mit seinen Augen dir Dunkelheit durchdringen zu können, denn plötzlich bog er sich über dm Stadtgraben, wo ein Gegenstand hin- und herschaukelte. Er war ein Boot, ein altes, morsches Gerümpel, das hier seit mehreren Wochen lag, um gelben Sand zum Mörtel für einen Neubau hinüber zu schaffen. Das Boot war nur lose gekettet und sehr leicht frei zu machen.

Der elegante Herr löste das Boot mit großer Geschicklichkeit, schwang sich dann vorsichtig hinein, ergriff das darin liegende Ruder und ließ das Fahr­zeug geräuschlos mir dem Stroms abwärts gleiten, wobei sein scharf beobachtender Blick, der sich jetzt völlig an die Dunkelheit gewöhnt hatte und j-drn Gegenstand zu erkennen vermochte, das^dem Stadt­graben zugekehrte Terrain musterte, während seine kräftige Hand das Ruder leise handhabte, um einen Anprall zu vermeiden.

Jetzt traten nach der Stadtseike zu die brnten Umrisse eines großen Gebäudes in der Dunkelheit hervor. Es war das Gefangenenhau».

Das Boot glitt geräuschlos gegen dis Mauer desselben, der Führer stemmte das Ruder zwischen zwei hervorragende Steine und hielt das Fahrzeug mit einem Ruck fest. Dann ließ er ein täuschend ähnliches Raben-Gekrächz ertönen und horchte ange­strengt. Von oben herab antwortete ein kurzer Eulen- schrei, worauf im nächsten Augenblick etwas heravstel.

Der Herr im Boot griff hastig darnach, es war das Ende einer Strickleiter, welch« er jetzt, wäh­rend feine Brust fich gegen das Ruder stemmte, mit beiden Händen straff angezogen, festhielt.

Eine geschmeidige Gestalt stieg nun leicht und sicher auf der gefährlichen Leiter herab und sprang in's Boot, das von dem plötzlichen Ruck ein Stück fortgeschnellt wurde und dann, von dem Rader diri-

Er sitzt, zu großer Heberfüllung halber, in der Armensünder-Zelle", lachte Thorsen,meiner Ansicht nach ganz behaglich und sicher."

Der Polizei-Director entließ ihn mit zufriedenem Lächeln, und leise pfeifend schritt der Detectiv nach seiner Wohnung. z

girt, an's jenseitige Hfer anprallte.

Die beiden Insassen sprangen und kletterten die Böschung hinauf und verschwanden in der Dunkel­heit. Das Ganze hatte sich wie ein nächtliches Spuk­bild in wenigen Minuten abgespielt.

Es war 6 Hhr Morgens, als zwei Herren den