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Lriterkeit und ein guter Theil Gemüthlichksit, so daß ihm Wenige böse sein konnten. Er besaß mehr Feinds als Berger, aber im Allgemeinen war auch er in der Stadt beliebt und in allen Gesellschaften ctcfßß^tt*
Sein Revier grenzte fast unmittelbar an die Stadt und seine Wohnung war kaum eine Stunde von ihr entfernt. .
Von allen jungen Mädchen, die er kennen gelernt hatte, war es Paula allein, welche einen dauernden Eindruck in ihm hervorgerufen. Er liebte leidenschaftlich, ungestüm, und so sehr er sich sonst zu beherrschen verstand, vermochte er diese Liebe doch nicht zu verbergen. Offen sprach er es aus, daß Paula die ©einige werden solle, möge es kommen, 7-wie es wolle.
Er war Paulas Herzen nicht gleichgiltig. In seiner ganzen Erscheinung lag zu viel Bestechende«. So wenig eitel ste auch war, so schmeichelte es ihr dennoch, daß sie es sei, der er sein Herz zugewendet habe, daß ste von allen Mädchen der Stadt beneidet werde. Ihr Herz allein würde sich für ihn entschieden haben. Sie kannte feine leichtfertige Vergangen- heit, seinen leicht auffahrerd-n Sinn — welches Mädchen traut sich nicht die Kraft zünden Geliebten i auf eine bessere Bahn zu lenken.
Auch Berger war ihr nicht gleichgültig, eie kannte seinen trefflichen Charakter, sie wußte, daß er Alles aufbieten werde, feine künftige Frau glück- lich zu machen, er war reich und zu seinen Gunsten sprachen die Worte ihres Vaters, die sie nicht ver- geffen hatte, die ihr wie ein heiliges Vermächtniß erschienen.
M Durch den Tod ihres Vaters war ihr für lange Zeit jeder Gedanke an Berger und Hellmann entrückt. Jetzt war fast ein Jahr feitdemzentfchwundrn, der Schmerz über ihren Verlust hatte feinen herben Charakter verloren, da» Leben trat wieder mit feiner ganzen Forderung an sie heran.
Maris weilte noch immer in der Residenz, und sie fand deshalb um so wehr Zeit, an dis früheren | Verhältnisse zurückzudenken.
Prell bot Alles auf, um sie aufzuheitern und zu zerstreuen, so war sie auch mit Berger und Hellmann in der letzten Zeit viel zusammengekommen. Sie konnte ein Gefühl der Freude nicht verbergen, daß nach so langer Zeit Beide noch mit denselben Empstndnngen gegen sie erfüllt waren.
(Fortsetzung folgt.)
Kaiserin Iriedrich
in ihrem Wirken für Kunstgewerbe und Fraueu- bildung.
Ein Gedenkblatt zum 21. November, von Otto Odrich. ^Schluß.)
Aber nicht allein das Wirken zur Hebung des Kunstgeiverbes ist das Verdienst der „Deutschen
Fürstin," sie wandte ein ganz besonderes warmes Interesse der Errichtung von Instituten zu, deren Zweck die Ausbildung des weiblichen Geschlechts nach allen Richtungen hin, sowohl in wirthschaftlicher als auch in gewerblicher Beziehung ist.
Einer theils direkten, theils indirekten Unterstützung der hohen Frau hat sich das 1869 in Berlin gegründete „Victoria-Lyceum" stets zu erfreuen gehabt und wenn im§ Institut auch nicht die Ziele erreichte, denen es züstrebte und denen es gewidmet war, so hat es doch reichen Antheil an der Verbesserung der Erziehungssysteme auf wissenschaftlichem Gebiete. Einige Zeit danach- wurde die jetzt unter der Leitung des bewährten Pädagogen, Direktor Professor Huot stehende „Victoria-Schule," eine Erziehungsanstalt allerersten Ranges eröffnet, in der durch den Einfluß der Kronprinzessin zum ersten Mal der Turnunterricht für Mädchen eingeführt wurde und mit deren Entstehen ein neues Zeitalter auf dem Gebiete des Mädchenschulwesens beginnt. Weiter sind es zwei derjenigen Institute, welche heute in voller Blüthe stehen, die ihre Existenz oder doch ihr Fortbestehen und ihre schnelle Entwickelung ihrer hohen Protek- torin verdanken: „Das Heimathshaus für Töchter höherer Stände" und „Das Lettehaus." Ersteres, mit Pensionat verbunden, hat durch seine Gewerbe- und Handelsschule Großartiges geleistet. Dem Lette- verein, seinen Grundsätzen getreu „ein Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts," hat noch keine andere ähnliche Berliner Anstalt den Rang streitig gemacht.
1868 eröffnete die Kronprinzessin die erste „Frauen- Jndustrie-Ausstellung, welche nicht unerheblich durch die ausgestellten Malereien und Handarbeiten zur Förderung des Sinnes für Kunst und Wissenschaft beitrug. Sie nahm den „Verein für Volkserziehung und Gesundheitspflege" unter ihre specielle Obhut und ist noch heute die Seele dieses wichtigen Instituts. Ferner gelten ihre eifrigen Bestrebungen der „Victoria- Fortbildungsschule für Mädchen" und dem „Pestalozzi- Fröbelhaus", an deren Thätigkeit sie stets den innigsten Antheil nimmt. Entschieden das größte Werk | der Nächstenliebe der edlen Fürstin hat in der Gründung des „Vereins für häusliche Gesundheitspflege" seine Verwirklichung gefunden. Die Früchte dieses Vereins, dem die hohe Frau stets mit Rath und That zur Seite steht, sind unter anderm die Ferien-Kolonien, die Errichtung des Seehospizes zu Norderney für Kinder unbemittelter Eltern und die Rekonvaleszentenhäuser in Blankenburg und Heinersdorf.
Möge die hohe Frau trotz der schweren und tief beugenden Schläge, die sie in ihrem letztverflossenen Lebensjahre so hart und unerbittlich trafen, nachdem sie in der Zurückgezogenheit an den Orten, wo sie ihre Kindheit verbrachte und wohin sie sich demnächst zu begeben gedenkt, Kräfte sammeln und finden, um ihr segensreiches Wirken und Schaffen lange noch zum Heile des deutschen Volkes und der deutschen Wissenschaft und Industrie weiter walten zu lassen.
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Akdartionr A. Hcheqda. — Druck und «erlag der «r Utz t'scheu Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.


