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Frau von dreißig Jahren, bis zürn UeverfluZ auch noch einen Gemahl hat. Und in dieser Liebe würde ich sogar, wie Du befürchtest, das Grab meines Ruhme» finden können! Du bist köstlich, Großmutter!"
„9Hmm nur die Sache nicht allzu sehr auf die leichte Schulter! Bi« jetzt ist ja noch keine Gefahr vorhanden, und es ist immerhin noch sehr fraglich, ob dir Frau Geheimräthin Dich jemals so weit be- rückstchtigen wird, daß sie Dich mit einer Einladung beehrt I Dein Ruhm ist noch zu jung; was sagt denn dieser eine Erfolg, den Du gehabt? Ja, wärst Du berühmter, so läge die Möglichkeit näher, da sie nun einmal Alles um sich zu versammeln liebt, was einen Namen hat. Ich habe ja auch nur den Fall gesetzt, habe hinzugefügt, daß, wenn der Ruf ihrer Koketterie begründet sei und wenn sie e» darauf anlegen sollte, Dein Herz zu entflammen, dies ihr vielleicht gelingen könnte!"
„Sicher nicht, Großmutter."
„Du sagst selbst, daß Du ein unerfahrener Jüngling seiest — nun wohl, so weißt Du auch noch nicht, was die Liebe vermag! Ich meine in diesem Augenblick auch nicht die gewöhnliche Liebe, und wenn sie noch so intensiv wäre, sondern diejenige, die zur Leidenschaft ausartet, und nur eine solche, so waren meine Gedanken, wenn eine Frau, wie die Geheimräthin, sie in Deinem Herzen zu erwecken vermöchte, könnte die vorhin erwähnten Gefahren Hervorrufen. Ich will ja gerne eingestehen, daß die allgemeine Besorgniß für Dein Wohl mich an Eventualitäten denken ließ, die gar nicht eintreten werden und können, so hoffe ich bestimmt, und deshalb will ich mich auch beruhigen und mich mit solchen Hirngespinnsten, wie der Herr Professor es nennt, nicht weiter befassen, es ist dazu immer noch Zeit, wenn, was ja noch sehr unwahrscheinlich ist, sich Dir das Hans des Gsheimrath Wolter öffnen sollte."
Einen ganz eigenthümlichm Eindruck machte es auf die drei im Zimmer Anwesenden, als in demselben Augenblick die alte Magd hereintrat und die Meldung machte, daß zwei vornehme Damen Frau Rohdenberg zu sprechen wünschten und auf die Frage, wer diese Damen seien, erwiderte:
„Eine Frau Geheimräthin ist es, das ist sicher, und eine Tochter hat sie auch bei sich, aber den Namen habe ich nicht deutlich gehört, er klang wie Walter oder Wolter."
Viertes Kapitel.
Frau Rohdenberg war einen Moment sprachlos. In demselben Augenblick, wo die Frau Geheimräthin der Gegenstand eines ernsten Gesprächs war, wurde ihr Besuch angekündigt. Erst nach einigen Seeanden war Stegfried's Großmutter im Stande, der Magd zu sagen, daß die Damen willkommen seien.
Nachdem die alte Doris sich entfernt, sagte Frau Pohdenberg:
„Ist es nicht fonderkzr, daß gerade jetzt —"
„Soll ich Dir einmal ganz genau sagen, Großmutter", unterbrach sie drr Enkel, „was eine innere Stimme in dieser Minute in Dir spricht?"
„Nun?"
„Sie ruft ganz laut: das Schicksal naht!"
„Spotte nur, Du böser Junge, man kann noch gar nicht wissen, was dieser Besuch für Folgen haben wird!"
„Hoffentlich nur gute!" erwiderte Siegfried, mit Spannung auf die Thür blickend, durch welche sogleich ein junges Mädchen eintreten sollte, dessen blaue Augen feine Phantasie in der letzten Zeit mehr beschäftigt hatten, als er wohl selbst wußte.
„Ich bin begierig " sagte'Frau Rohdenberg.
„Was dis Frau Geßeirmäthin hier will?" fiel ihr der Professor ins Wort. „Was sollte sie anders wollen, als den Friedel auffordern, in einer musikalischen Soiräe oder dergleichen mitzuwirkrn, und ich möchte, daß meins Verrnuthung zutreffend wäre, es würde Ihrem Enkel ein gewisses Relief geben, denn da es allgemein bekannt ist, daß Frau Wolter nur wirklich Künstler in ihr Haus ruft, so kann eine Einladung von ihr einer kunstgerichtlichen öffentlichen Kritik gleichgeachtet werden."
Die Thür öffnete sich und eine fürstliche, junonische Gestalt schritt über die Schwelle. Es war die Frau Gehsimiäthin Alexandra Wolter. Ihr folgte deren Stieftochter Frieda; Beide waren zwar einfach aber doch modern und mit vornehmer Eleganz gekleidet.
Frau Rohdenberg und der Professor hatten sich erhoben und Erstere ging den Ankommenden einige Schritte entgegen.
„Verzeihen Sie, Frau Rohdenberg", sagte die Geheimräkhin, sobald sie das Zimmer betreten, „wenn ich mir erlaube, in so später Stunde Ihren häuslichen Frieden zu stören, ich weiß, wie beschäftigt Sie am Tage find, und hoffte, um diese Zeit Sie am sichersten zu Hause anzutreffen."
„Seien Sie mir willkommen", erwiderte Frau Rohdenberg mit der sicheren Haltung einer gebildeten Frau.
„Guten Abend, Herr Prokessor I" rief Alexandra, eilte zu Marquardt und reichte ihm die Hand. „Ich hörte schon auf dem Flur", fuhr sie fort, „ein starkes Organ hier im Zimmer ertönen und war natürlich freudig überrascht, nachdem ich die Magd aurgeforscht und erfahren, wer der Besitzer desselben sei."
„Mein Organ verräth mich überall, habe deshalb auch niemals auf Schleichwegen mich behaupten, habe nie in einem Chor mitsingen können, weil ich wie der selige Stentor von Troja fünfzig Andere ■ überschrie, und habe in meiner Wohnung alle ge« $ wöhnltchen Fensterscheiben durch solche von starkem \ Spiegelglas ersetzen lassen, weil die Ersteren bei er- i regten Monologen vor Entsetzen sprangen."
„So schlimm bade ich es mir doch nicht vorge- . stellt", tiff die Geheimräthin lachend aus, „da ist ■ es gar auch wohl noch für andere Gegenstände


