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weil er eenen wat jejeben hat, wat er verdient hat, bet is mir 'ne Bretzel, aber ick habe ihn ja nich gekriegt. Hinter ihm herjewesen bin ick, bet stimmt, un jeloofen bin ick, bet ick benke, ick soll Teckelbeene kriejen, aber ber infamigte Bengel konnte böller rennen, als wie ick, un dadurch is er mir benn escharpirt. — Bors.: Nun, bann wollen wir in bie Verhandlung eintreten, Sie heißen also Elise N, sind unverehelicht und 46 Jahre alt? — Angekl.: Det stimmt bis uf'n Namen un ’t Alter, un verheirath' wäre ick ooch schon längst, wenn mein seelijer Breitijam der Serschant, nich gestorben wäre. Wenn bat Alles so genau soll genommen wer'n, benn kann bet Alter ooch richtig anjejebcn wer'n, ick bin nämlich erst in't sechsunvierzigste. — Vors.: In ben Akten steht, Sie heißen Albertine Elise N. und sind am 4 April 1842 geboren. — Angekl.: „Ja, bette ooch richtig. — Vors.: Nun, bann rechnen Sie doch gefälligst mal nach, dann sind Sie ja bald 4 Monate über 46 Jahre alt. — Angekl. (nach einigem Besinnen): Mein Jotte doch, ja, Sie haben Recht, nehmen Sie't man nich for iebel. Wie doch die Zeit jetzt! Un denn nenne ick mir Albertine un nich Elise; als ick 70 als Marketenderin mit nach Frankreich jing, da hadde ick eenen Serschanten von die Maikäfer zum Breitijam un der sagde immer, det Albertine ville komilsoher klingen dhäte als Elise. — Vors.: So weit wären wir denn jetzt, reden Sie nun nicht mehr, als nöthig ist, damit wir zu Ende kommen. Sie haben eine Selterswasserbnde? — Angekl.: Jawoll, ick stehe dicht vor bie Hasenhaide. Aber et is 'n schweres Jeschäst un wenn ick keene Haare uf die Zähne hädde, dann würden Sie mir woll manchmal selbst im Ballon stecken un Erfrischungsjedränke von mir machen. Ick habe ville auszustehen von die Radaubrieder. Det is ’ne luftje Sorte, sage ick Ihnen, da muß mau immer uf 'n „vive lequi“ sind, als der Franzose sagt. Natürlich, wenn die Maikäfer in die Hafenhaide zur Schießübung jewesen sind, denn habe ick et jut, die kennen mir un ick kenne die, bet is fo meine Kulör. Vors.: Erzählen Sie uns boch nicht so viel Ueberflüssiges, sondern beginnen Sie bei dem Streit, den Sie mit dem Jungen hatten. — Angekl.: Also Sie kennen woll die berliner Jungens, Herr Jerichtshof. Als Soldaten sind sie ja jut, aber als Jungens? Ne janze Schwefelbande sage ick Ihnen, die nischt als Riedig- keiten in'n Kopp haben. Un denn, wat der is, den Schneider Heinzen seiner, der mir hier in bie Laube rinjebracht hat, ber is bet verwächste Subjeet wat ick kennen jelernt habe. — Vors.: Aber so kommen Sie nun endlich doch zur Sache. — Angekl.: Nu kommt die Schose jleich. Zuerst lernte ick ben Bengel kennen, als er an meine Bude kam unb en Jlas Wasser verlangte. Mit ober ohne? fragte ich ihn. Na, meente er, benn is bet ooch einjal, babruf kann't nich ankommen, benn jeben Sie mich mau mit ohne. Ick benke mir ba weiter nischt bei un plnmpse ihm erst for'n Sechser Himbeer in’t Jlas un benn bet
Wasser obenbruf un jeb ihm bet, un uf eenen Zug brückt er’t aus. Denn legte er en Sechser hin un will jehen. Halt stopp, saje ick, bet kostet en Jroschen, wenn Sie „mit" bunten, hier steht es laut und deutlich angeschrieben. „Laut un deitlich angeschrieben, is jut" sagte bie Range un meent, mehr als'n Sechser bhäte er nich berappen, denn er hädde „ohne mit" verlangt un ick hädde ihm mit „mit" jejeben, wo er mir noch wegen Majenverletznng anzeijen wollte, indem sein Sanitätsrath ihm alle Sißigkeiten nn Compotts m it Ausnahme von'ne saure Jurke verboten hädde. Ja, Sie lachen, meine Herren, aber det hat er jesagt. Ick besinne mir denn nu en bisken un ieberleje mir: „ohne mit", un „mit mit", un „mit ohne" un denke zuletzt: na, wat willste Dir den Kopp zerbrechen, laß ben Bengel loofen. Er grinst mir benn noch so recht nieberträchtig an un schlenkert uf seine krummen Beene ab. Da, nach unjefähr acht Daje — ick strickte mir jerabe en Paar neie Fersen an — ba steht mein Mosje Urian roieber vor bie Bube un macht en Jesicht, so ehrbar als ’ne Töpperschürze. „Junge Frau, haben Sie ooch Appelsinensaft?" fragt er nur. Ick merke bet ja woll, bet ber Bengel mir uzen will, sage aber nischt, benn ick benke, er kommt schon so bichte ran, bet ick ihm eene löschen kann. Ick nicke also blos. „Is er benn och jut?" fragte er roieber. Ick jebe ihm keene Antwort. Na, meent er, benn schenken Sie man en Glas „ohne" in. Det muß ick buhn, benn ick bin Jeschäftsfrau. Erst brinkt er en bieten von un benn setzt er bet Jlas hin un meent: „Mein Jott, wo schmeckt bet flau, Sie haben mir wohl Wasser ohne Selter jejeben, bet schäumt jarnich." So: saje ick, berf ick mal kosten? unb babci bücke ick mir so vorne iebern Disch rieber un dhue, als ob ick bet Jlas in die Hand nehmen will, habe aber bie richtige und rejelle Absicht, un will ihm eene an bie Horchlappen jeben. Als ick so mit bie Hand aushole, is die Kröte aber flinker als ick, er zuppt mit’n Kopp zurück, nimmt det halbvolle Jlas un schmeißt mir bet janze Wasser in’t Jesicht rin. Nu können Sie sich wohl benken, bet ick fuchtig wurde, un nich blos in’t Jesichte, ick sack, sack zu die Bude raus un hinter den Bengel her. Aber ben konnte ick nich inholen un bie Leite, bie mir loofen sahen, bie lachten alle un zuletzt kam een Schutzmann, der fragte, wat denn los wäre un denn haben eimje Seite denn erzählt, det ick ben Jungen barbarisch verhauen häbde un benn hat ber Schutzmann mir ufjeschrieben. — Vors.: Warum haben Sie ihm benn nicht ben Sachverhalt mitgetheilt? — Angekl.: Konnte ick benn eenen Ton rauskriejen? Ick habde mit burch ben Aerjer un bet Loofen fo aus bie Constan- tennauze jerennt, bet mir Luft un Äthern stehen jebtieben waren! — Da bie Angaben ber bieberen Dame burch bie Beweisaufnahme unterstützt werden, so erfolgt zu ihrer sichtlichen Freube ein frei- sprechendes Erkeuntniß. (Börsen-Courier.)
Redaction: i. B. Hermann Elle. -"Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


