gesetzt, daß die unvermeidliche Anwesenheit des Neffen ihm nicht drückend und besorgnißerregend werden würde. So gern er nun auch sein erstes Begegnen mit Letzterem hinter sich gehabt hätte, so sühlte er sich doch etwas erleichtert, als er hörte, daß Felix erst zum Diner zurückerwartet würde und er in diesem Augenblick vor dessen forschenden Augen ge­sichert war. Von Seiten des Generals schien er nichts zu befürchten zu haben, er hatte noch bis jetzt nicht bemerkt, daß er ihn besonder« angesehen habe.

Excellenz", nahm Alexandra das Wort,ver- zeihen Sie, wenn ich Sie bitte, uns einige von den Fabeln zu erzählen, die sich um den Schwarzen See breiten."

Sehr gern. Zunächst sieht da« ungebildete Volk etwas Unnatürliches darin, daß kein Fisch in dem Wasier existirt, daß nie ein Waffervogel darauf ge. seh-n wird und daß der See, selbst im stärksten Wrntrr, sich nicht mit Eis bedeckt. Das Alles ist wahr, aber durchaus nichts Uebernatürliche«, sondern hat seinen Grund in der hohen Temperatur des Wassers, die selbstverständlich aus warmen Quellen in der Tiefe herrührt. Nun hat aber die Phantasie diesen Umstand in die Hand genommen und ein ganzes Märchen daraus geschaffen. Nach diesen Märchen haust in einer Höhle unter dem Boden des als bodenlos verschrieenen Sees ein Nix und unterhält in derselben, wahrscheinlich, weil er nichts Anderes zu thun hat und dies sein besonderes Privat, vergnügen ist, ein beständiges Feuer, wodurch er das Wasser des, Schwarzen Sees erwärmt. Und nun kommt das Tollste. Von diesem See soll ein unter­irdischer Kanal nach dem Rhein führen und mit diesem in Verbindung strhev."

Wie, mit dem entfernte« Rhein?" rief Alexandra lachend aus. (Fortsetzung folgt.)

Die vertauschten Schlittschuhe.

Er war ihr höchst unsympathisch, der Herr R-ftrendar Albert M. Aber was sollte sie thun? Kaum, daß er sie aus der Eisbahn erblickte, nahm er auch direkt feinen Cours auf sie, sie, die von der gesammtm he'.rathssähigen und noch nicht ganz hei- rathrsähigen jungen Männerwelt unserer Stadt um- schwärmten schönen Klara. Doch sür alle diese war ja dann kein Raum mehr.Ah! da läuft sie ja mit dem Herrn Referendar!" sagte ein jeder und hielt sich fern. Silben wurde ihr dadurch noch unsympaihischer. Sir behandelte ihn mit einer Kälte, welche eine ver- zweifelte Aehnlichkeit mit der Kälte de« von ihnen durchzogenen glatten Terrains hatte. Aber unser Held schien bei seiner eigenen Gluth nichts von jenem eisigen Hauch zu spüren. Er blieb an ihrer Seite, er erschöpfte sich tu allen erdenklichen Auf­merksamkeiten und war sogar so aufmerksam, ihr

die Schlittschuhe nach Hause zu tragen. Aber trotz­dem halte sie ihn noch niemals anfgefordert, ihren Eltern einen Besuch abzustatten. Wie seufzte er nach dieser Erlaubniß aus ihrem Munde. Doch dieser Mund sprach an des Hauses Schwelle nur ein kurzer:Ich danke, Herr Referendar!" und so schien es bleiben zu sollen bis in alle Ewigkeit, bis der Schlittschuh eine Rtminircenz an schöne Winter­tage bedeutet und nichts weiier. Aber das Schicksal ntemte es mit unserem angehenden Justizminister besser, als er selbst glaubte. Wieder war Klara aus dem Eise erschienen, Albert war auf sie zugeeilt und wieder ärgerte sie sich, wie immer, über den

|schrecklichen Menschen". Doch eine sichtbare 93er- | leg.nheit drückte sich schon in seinem Gruße aus. I'Mein Fräulein", sagte er dann zagend und schüchtern und krampfhaft zu Boden blickend:Mein Fräulein, als ich vorgestern das Glück hatte, Sie nach Haus zu begleiten und Ihre Schlittschuhe tragen zu dürfen,

l muß eine kleine Verwechslung vorgegangen sein!" Eine Verwechslung!" fragte Klara erstaunt.Ja"^

X entgegnete Albert und das zarte Roth f iner Wangen I nahm eine dunkle Färbung an,denn wie ich im Bc- \ ginn des Laufens sogleich bemerkte, habe ich fremde l unv höchst wahrscheinlich Ihre Schlittschuhe, mein I Fräulein, an, während Sie" Er vollendete nicht, | denn ein Blick a f Klara sagte ihm zur Genüge, s in welcher Verwirrung das schöne Mädchen sich be- | fand. Sie hatte seine Schlittschuhe an den Füßen, - und diese waren ihr nicht zu groß gewesen? Ent- setzlich! Hätte da« Eis nur an einer Stelle sich ge- I öffnet unv sie in die kalten Fluthen hinabgezogen. So dachte sie in dem ersten Moment ihrer verletzten i E tel kett. Aber bald bedeckte sie ein anderer Ge- I danke.Welch einen kleinen, zierlichen Fuß muß - dieser Referendar haben", dachte sie,wenn mein 1 Schlittschuh ihm gepaßt." Und als sie erst so auf ! einen körperlichen Vorzug Alberts aufmerksam ge> 1 worden war, da ward sie es auch auf feine ganze Persönlichkeit, der sie vorher nur eine höchst flüchtige i Beachtung geschenkt hatte. Und da fand sie denn, ä daß der Herr Referendar gar nicht so übel aus» I sähe, daß er sogar einrecht hübscher Mensch" sei > und diesmal, als sie das entdeckte, und er sie wieder i nach Hau« geleitet, da sagte sie an der Schwelle ] nicht das kurze:Ich danke, Herr Referendar", da sprach sie:Vielleicht machen Sie uns einmal das Vergnügen. Meine Eltern würden sich aufrichtig freuen." Und Albert machte sich das Vergnügen und die Eltern freuten sichaufrichtig". Wie er aber an diesem Sonntag wieder kam, da freute sich eine am aufrichtigsten und das war Klara, um deren

Hand am Tage zuvor Albert in aller Form bei den Eltern angehalten hatte. Im Herbst dieses Jahres macht Albert den Assessor und wenn im nächsten Jahre des Eises Rinde geschmolzen ist, dann soll die Hochzeit jener Zwei stattfiaden, deren Liebes- und Leidensgeschichte sich betitelt:Die vertauschten Schlittschuhe."

Redaktion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.