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Mit Mitleid blickte Körber auf den einst so lebenslustigen Mann herab.
"Ja, Körber", fuhr der Förster fort. „Diese Zeit hier hat gewaltig an meinem Leben gerüttelt. Ich begriff früher nicht, wie man de« Lebens über« drüsstg werden und den Tod herbeisehnen könne — jetzt begreife ich es! Wie oft bin ich Nachts in wilder Verzweiflung aufgesprungen, habe an den Eisenstäben des Fensters gerüttelt und bin mit dem Kopf gegen die Wand gerannt, um al' den Q aalen mit einem Male ein Ende zu machen! Körber, Sir haben keine Ahnung von den Qualen, zu wissen, daß man unschuldig ist und hier zu sitzen wie ein Verbrecher — des Mordes angeklaget l"
Kraftlos sank der Förster zusammen. Körber ’ legte die Hand auf seine Schulter.
„Hellmann, halten Sie aus — nur noch kurze l Zeit — ich habe Ihrer Schwester geschworen, Ihnen \ die Freiheit zu erringen und ich werde Wort halten. ; Schon habe ich die erste Spur de» Mörders I entdeckt....!'
"Wer ist es?" rief Hellmann aufspringend. - „Durch wessen Schuld sitze ich seit Monaten hier?"
„Ich weiß es noch nicht — aber ich befreie f Sie. Nicht auf den Criminalrichter werfen Sie Ihren I Haß — er ist im Jrrthum, allein er kann kaum - anders — er ist nie feindlich gegen Sie gesinnt ! gewesen!"
Der Förster schwieg. In Gedanken versunken \ stand er da. — ?
„Körber", sprach er endlich. „Sind Sie seit ! jenem Tage mit Paula zusammengekommen?"
„Nein."
„Glaubt auch sie, daß ich Bergers Mörder bin?" Z „Ich weiß es nicht."
„O — gewiß wird sie es glauben! Sie wird j mich hassen, als den Mörder Ihres Geliebten! Auch ‘ das — auch das noch!" f
„Hellmann — Sie lieben Paula noch!" fragte ! der Commissär.
„3a, ich liebe sie noch!" rief der Förster, sich i emporrichtend. Dies eine Wort schien ihm seine volle Kraft zurückzugeben. „Ich liebe sie noch 'm - werde sie immer lieben, auch wenn sie mich haßt. I Oft wenn ich hier in dumpfer, brütender Verzweiflung ! sitze, wenn ich dir Hände ringe vor Schmerz, dann \ ist es mir, als ob ich ihr 58.1b dort an der Mauer - langsam emporsteigea sehe — sie steht dort — ich ; sehe ihre dunkeln Augen, ihr Lächeln, es ist, als ob sie mir die Hand entgegen fictden wollte, und wenn ! ich dann, Alles vergessend, aufspringe und zu ihr | eile, dann ist nur die kalte graue Wand vor mir \ und starrt mir höhnend entgegen! — Körber — - Sie sind mein Freund gewesen — o — ich glaube, \ daß Sie es noch sind — sind der Verlobte meiner 1 Schwester — dm einen Wunsch erfüllen Sie mir, l die eine Bitte, wenn Sie Paula treffen — nein, gehen Sie zu ihr und sagen Sie ihr, daß Sie hier - gewesen seien, daß ich unschuldig fei und Berger j nicht erschossen habe. Sie solle mich nicht hassen — ?
denn nicht ich — nicht ich hatte ihrem Herzen dm Schmerz zugsfügt; — Körber — wollen Sie ihr das sagen? Versprechen Sie es mir!"
„Ich will es ihr sagen", erwiderte Körber, ihm die Hand entgsgenstreckend, „und, Freund, wenn mich nicht Alles im Stich läßt, dann, dann sollen Sie selbst ihr bald sagen können, daß Sie unschuldig sind!"
Noch einmal schüttelte er dem Freunde warm die Hand, dann verließ er das Gsfängniß.
Dies war also der kräftige, lebensfrische Mann, der noch vor wenigen Monaten so lustig und ent« schloffen in das Leben hineingeblickt hatte. Dahin hatte ihn der Bubenstreich eines Anderen oder eine unheilvolle Verkettung von Zufälligkeiten gebracht. Und wenn er wieder frei wurde, wenn feine U-r- schuld von dem Gerichte mit den lautesten Worten ausgerufen wurde — wer konnte die Zeit aus seiner Erinnerung verwischen, die er im Gefängniß zuge« bracht hatte, wer war im Stande, ihm die Schmerzen zu vergelten, die er unschuldig erduldet und die sein Leben vielleicht um Jahre verkürzt hatte?
In dem Hause des Doktor Prell ging es still zu. Marie war noch immer in der R-stdenz. Ver« gebens hatte sie im Anfänge in mehreren Briefen ihren Vater gebeten, ihr die Rückkehr zu gestalten, sie fühle sich fremd in der großen Stadt. Prell hatte ihr die Bitten abgeschlagen und ihr in strengem Tone geschrieben, sie werde so lange bleiben, bis er sie selbst wieder zurückhole, als ihm seine Schwester geschrieben habe, daß Alles an ihrer Erziehung und Ausbildung, was es verlangt habe, nachgeholt sei.
Jetzt schrieb sie nur noch selten. Sie hatte sich an das geräuschvollere Lebe t in der Residenz ge- wöhnt, ja, es sogar lieb gewonnen.
Auch mit P iula stand sie nur in seltener brieflicher Verbindung. Ihr Vater wünschte diesen Briefwechsel nicht und ihre Tante trat demselben, so viel ihr möglich war, hindernd entgegen.
Paula lebte in dem großen Hause still und ein- gezogen. Der so grausame Tod Bergers, nachdem sie kaum wenige Stunden mit ihm verlobt gewesen war, hatte einen tiefen, erschütternden Eindruck in ihr hinterlassen. Das Glück ihres Lebens schien ihr vernichtet. Und der hatte ihren Geliebten ermordet, dem ihr Herz gleichfalls zugeneigt gewesen war, der Förster, dessen Worten sie so gern gelauscht!
Anfänglich hatte sie e» für unmöglich gehalten, daß Hellmann die That begangen habe — der Doktor hatte sie indeß längst überzeugt, daß Jener Berger« Mörder sei.
Vergebens war Prell bemüht gewesen, sie zu zer« streuen, sie hatte jede Zerstreuung zurückgewiesen. Auf ihrem Zimmer saß sie allein und am Abend in der Stube Prell« mit diesem zusammen, der Alle« aufbot, sie zu unterhalten und mehr und mehr vergessen zu lassen, war so schwer in ihr Glück einge« griffen hatte.
Selten verließ Prell am Abend da» Hau«, nur um Paula nicht allein zu lassen. Allen Vergnügungen


