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üus Goldblech, bie den Jagdzug der Diana dar- stellen. Das Schloß daran ist aber so kunstvoll, daß nur Derjenige es öffnen kann, der mit dem Ge- heimniß des Mechanismus vollständig vertraut ist; denselben zu beschreiben ist unmöglich, dah-r muß der Kasten, wenn er in Deinem Besitz ist, geopfert und gewalts m gesprengt werden. Der Inhalt hat einen Werth von mehr als einer Million Tbaler. Der Kasten mit dem, was er enthält, ist nicht leicht, aber doch auch nicht so schwer, daß nicht ein Ein elner ihn forttragen könnte. Nun richtete ich alle meine Gedanken darauf, auf welche Weise der Schatz in Deine Hand gelangen könne, ohne daß eine mensch­liche Seele davon Kenntniß erhielte. Nur Einer ist hier, den ich für treu und ergeben halte, es ist der Kastellan des Schlosses, und wenn ich ihm auch nimmermehr anvertrauen möchte, daß es sich um einen so werthvollen Schatz. handelt, so schafft er mir doch die Mittel herbei, die ich zur Ausführung meines Vorhabens brauche. In einem Wandschrank, der verschlossen war, zu dem kein Schlüssel paßte und den ich öffnen ließ, fand ich eine Menge alter Papiere. Ein Heft war darunter, das chronikartige Aufzeichnungen enthielt. Ich las dieselben durch, sie stammten aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges und waren von dem damaligen Besitzer der Schlangen« bürg niedergeschrieben. An einer Stelle beschrieb er eingehend, wie er seine Schätze vor den wilden Schaaren Tilly's gerettet. Er wußte, daß Tilly seine Horden rauben und morden ließ, so viel sie wollten, daß sie aber daneben strenge ihre religiösen Pflichten erfüllen mußten. Nun befand sich unten am Schloßwege in einer tiefen Nische auf einem SoSel eine hölzerne Madonna und der Schloßherr hoffte, daß die Habgier der Plünderer davor Halt machen würde. Er ließ Sockel und Bild fortnehmen, ! reiste damit in dis Stadt, wo ein berühmter Kupfer- \ schmied wohnte, bestellte einen ebensolchen Sockel und : eine ebensolche Madonna von Kupfer, befahl aber ' beide Theile hohl anzufertigen. Damit die Vorbe« ! Teilungen von Keinem gesehen würden, hatte er eine \ große Thür vor der Nische machen lassen, die er verschloß. Aus dem Sockel ragten drei Spitzen hervor, die mit drei Röhren oder Scheiden inner« hals der Figur correspondirten. Schob man die Scheiden über die Spitzen, so stand die Figur auf dem Sockel unverrückbar fest und mit Leichtigkeit konnte man erstere wieder abheben. Hier verbarg er den größten Thril seiner Schätze und er behielt nur einen kleinen Theil zurück, denn es hätte Auf. sehen erregt, wenn die Krieger nichts im Schlosse vorgefunden hätten. Und er hatte recht gerechnet.

Als nach kurzer Zeit sich die rohen Schaaren über das Land ergoßen, füchten sie auch die Schlangen« bürg heim, raubten, was ihren Augen gefiel, und zertrümmerten, was sie nicht mitnehmen konnten; I nur das Muttergottes bild blieb unberührt.

Als ich die alte vergilbte Chronik durchgelesrn, ' stand es sogleich in mir fest, daß auch ich den Kasten an demselben Ort verbergen wollte. Als

eines Tage« mein Gkheimftkretär nach der Residenz zum Erbherzog befohlen war und in Holzendorf ein Volksfest stattfand, das mitzumachen ich fast meiner ganzen Dienerschaft erlaubt hatte, da schlich ich leise aus der Burg, um vorerst zu untersuchen, ob es mir möglich sein würde, die Madonna von ihrem Postamente zu entfernen. Ich war überrascht, mit welcher Leichtigkeit ich die hohle Puppe herabheben konnte. Ich fühlte in der Dunkelheit, daß eine lose Platte den Hohlraum im Sockel bedeckte und daß die Oeffnung groß genug sei, um den Kasten hindurchzuschieben. Nicht so leicht gerade gelang es mir, das Bild wieder an seine Stelle zu bringen.

Noch in derselben Nacht schleppte ich den Kasten von Ebenholz den Berg hinunter. Er war schwer, fast zu schwer für meine Kräfte, denn ich bin krank und erschöpft, und mehrmals mußte ich ihn nieder« fetzen, um mich auszuruhen. Aber mein nächtliches Werk wurde ausgeführt, der Schatz ruht jetzt in dem Postamente des Muttergottesbildes und Niemand wird ihn dort suchen. Am anderen Tage begann ich mit dem Punktirrn der Buchstaben im Jesus Sirach; morgen reist ein Mann, dessen Vertrauen ich mir erkauft, mit der Bibel und einem langen Brief an Dich von hier ab, und einige Tags später geht von hier ein Zigeunerweib mit einem zweiten Brief, worin Du weiter nichts findest, als den Schlüssel zu dem Geheimniß, welches in der Bibel enthalten. Sobald sie Dir den Brief übergeben, muß Dein Gemahl sich sofort auf .den Weg machen und zwar in Be reitung eines Vertrauten. Ich wiederhole, daß die Madonna mit Leichtigkeit herab« zuheben ist und daß es auch keiner besondern An« strengung bedarf, um die weiten Scheiden auf die eisernen Stäbe wieder hinabzusühren, und ich bitte darum, das Bild wieder auf seinen Standpunkt zu­rückzubringen, damit Aufsehen vermieden wird. Und so will ich denn von ganzem Herzen wünschen, daß die kostbaren Juwelen, die ich mit Stolz getragen, die Goldstücke, die ich erspart, in Deinen Besitz ge­langen, damit sie Dich erfreuen und Dein Leben verschönern. Grüße Deinen Gemahl, grüße auch Deinen Vater, den ich bitte mir zu verzeihen, was ich ihm anthun mußte, Dir aber, meine geliebte Tochter, wünsche ich aus tiefster Seele alles Glück dieser Erde und ein langes, von keiner Sorge ge­trübtes Leben. Leb wohl, Dich grüßt Deins von aller Qual bald erlöste Mutter."

Als Langenbach mit dem Vorlesen seiner Notizen fertig war, trat eine lange Pause ein.

Endlich hob Siegfried den Kopf und sagte: Und wann wollen wir das Geheimniß lösen?', Wann? Morgen Abend natürlich. Ich habe mir schon Alles zurecht gelegt. Als meine Schwieger­tante mir vor einigen Tagen die Bibel schickte, er­hielt ich zugleich einen Brief von ihr, worin sie mir schrieb, daß sie nicht auf der Schlangenburg selbst wohne, sondern mitten im Park in dem sogenannten Jägerhäuschen, damit die Kranke die kräftige Wald«