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oder zu schreiben."

Ö, königliche Hoheit", erwiederte die Dame, das thut mir herzlich leid, und ich werde dafür sorgen, daß der Prinz zu uns ins Lazareth geschafft wird und wir die wunden Finger wieder heilen können."

Armee; sie hatte die Schlachten bei Gravelotte und Sedan mitgemacht und übernahm als Vorsteherin die Pflege der Kranken im Schlosse zu Versailles. Die vielen, nicht transportablen Schwerkranken, die sie zu pflegen hatte, erfreuten sich oft des Besuches der höchsten Herrschaften. Ein besonderer Beschützer ihrer Lage war der jetzige Fürst zu Hohenzollern- Sigmaringen, der damalige Prinz Leopold, welcher die spanische Krone erhalten sollte. Dieser Prinz hatte schon in seiner frühesten Jugend die jetzige Vor­steherin kennen gelernt, indem der Vater derselben bei dem 26. Regiment als Offizier gestanden und nach dem badischen Feldzuge die Fürstenthümer mit besetzt hatte. So war sie denn auch die Gespielin seiner Geschwister, der verstorbenen Königin von Portugal und der jetzt noch lebenden Gräfin von Flandern gewesen. Der Prinz hatte das von ihr erfah­ren und besuchte, nachdem er die Verwundeten be­grüßt , auch diese Dame, ließ sich in dem Zimmer, wo die Verbandszeuge für dieselben vorbereitet wurden, nieder und unterhielt sich mit ihr und den andern Damen, die dort beschäftigt waren. Eines Tages, als derselbe wiederum in dem Wäschemagazin weilte, sagte jene Dame scherzhaft zu ihnr:Aber königliche Hoheit, das geht wirklich nicht an, daß Sie täglich hier bei uns weilen und durch Ihre Unterhaltung meine Damen von der Arbeit abhalten."

Aber was foll ich denn machen?" fragte der Prinz.

Auch arbeiten," gab sie ihm zur Antwort; freilich giebt es hier nichts zu regieren, sondern nur Charpie zu zupfeu und Binden zu bestechen."

Nun", erwiderte jener,wenn Sie durchaus verlangen, daß ich arbeiten soll, dann werde ich eine Binde bestechen, denn Charpie zu zupfen ist doch etwas zu langweilig."

mit Kinderschritten."

Redaction: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schm Dmckcrci (Fr. Chr. Pietsch) m Gießen.

nehlnen."

Nein," erwiderte die Dame,das gestatte ich nicht; ich habe sie mir zum Andenkeil aufgehoben und werde sie nicht fortgeben."

Aber wenn ich Ihnen verspreche, Fräulein, daß Sie sie wieder zurück erhalten, würden Sie selbe mir dann nicht anvertrauen?"

Dann gewiß, königliche Hoheit."

Hierauf hüllte der Prinz die Binde wieder ein, steckte sie in die Tasche seines Mantels und entfernte sich. Tags darauf kam ein königlicher Lakai und überbrachte der Dame ein Packet. Als sie es öffnete, enthielt dasselbe die Binde, und als sie diese aus­einander rollte, war sie reich mit Geld gefullü Der Prinz hatte dieselbe an der kaiserlichen -vafet gezeigt und die beiliegende Summe für die Verwun- beten von den Tischgästen eingesammelt.--

Zu jener Zeit besuchte auch unser verstorbener Kaiser Wilhelm regelmäßig in der Schloßkirche daseldsi den Militärgottesdienst. Auch die gen. Dame wohnte regelmäßig demselben bei und setzte sich auf die letzte Bank. Eines Tages trat Kaiser Wilhelm wiederum ein und sein Sohn, der verstorbene Kaiser, folgte ihm. Derselbe ging zu nahe hinter seinem Vater, Prinz Karl bemerkte dies, hielt den Kronprinzen an der Schärpe fest und sagte:Fritz, warte! Man darf nur immer 8 Schritt hinter dem Kaifer gehen. Lächelnd wandte sich der Kronprinz um und erwie­derte :Gewiß, lieber Onkel, 8 Schritte hinter dem Kaiser, aber Du.mußt auch wissen, ich messe

Nun", erwiderte der Prinz,so schlimm wird es denn wohl nicht sein. Aber bitte, zeigen Sie mal, was er denn eigentlich geviacht hat. Ich glaube nicht, daß er zu nähen versteht."

Gewiß, königliche Hoheit" er hat seine Arbeit sehr schön gefertigt und deßhalb wird dieselbe nur gezeigt, wenn königliche Hoheit etwas in meine schwarze Büchse für meine'Verwundeten hineinwirft. Unent­geltlich werde ich solche Kostbarkeit nicht zeigen."

Wieviel muß ich denn geben, Fräulein", fragte der Prinz.

Nun, wenigstens doch 5 Silbergroschen."

O", erwiderte jener lachend,Glauben L>ie denn, ich als sparsamer Familienvater, bin ein solcher Verschwender, daß ich um die Knudelei des Prinzen zu sehen, 50 Pfennig ausgebe?"

Ja, wenn königl. Hoheit zu sparsam ist", er­widerte die Dame,dann natürlich muß ich Vhnen unentgeltlich diese Arbeit zeigen."

Hierauf holte sie die gefertigte Binde, enthüllte sie und übergab sie dem Prinzen.

Dieser versetzte, nachdem er die Arbeit betrachtet: Das hätte ich nicht geglaubt, daß der Erbprinz : Leopold so geschickt ist. Ich werde die Binde nnt-

Die junge Dame riß ein Stück alte Leinwand in Streifen, fädelte ihm eine Nadel ein, zeigte ihm, ;vie er zu arbeiten habe, und der Prinz fetzte sich j dann auch wirklich hin, nähte scherzweise eine Binde fertig und verließ darauf das Lokal. Die junge Dame, da der Prinz die Binde gefertigt, hüllte dieselbe in Pavier, um sie als ein Andenken aufzu­bewahren. Am anderen Tage kam Kaiser Friedrich, damals Kronprinz, ebenfalls in das Schloß, um die Verwundeten zu besuchen. Als er die junge Dame beschäftigt sah, begrüßte er auch diese und sagte: Fräulein Hedwig, wie ich vernommen, ist gestern der Erbprinz von Hohenzollern-Sigmaringen hier gewesen. Sie haben den armen Prinzen gezwungen, zu nähen und haben ihm nicht einmal einen Finger­hut gegeben. Jetzt sind seine Finger so zerstochen, daß er nicht im Stande ist, eine Zeitung zu halten