Ausgabe 
19.5.1888
 
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Line hohe Ehr« fein würde! Nun aber hieß es nm jeden Preis sich einen Landsitz in größter Elle zu verschaffen, der Königs Wunsch mußte ihm Befehl sein! Stolz erhob sich bald, inmitten eines schönen Parks mit vielen Obstbäumen, das wie durch Feen- Hände mit Hilfe des Goldes aufbebaute Schloß des Herrn Bouret, vollständig im Geschmacks Ludwig XV. gehalten. Wo aber blieb die Hauptperson, der König? Jahr und Tag war schon vergangen und »och immer war der König nicht erschienen. Da faßte endlich der neugebackene Schloßherr sich ein Herz und versuchte abermalige Audienz beim König zu erlangen. Als ihm dies gelungen war, erinnerte er ehrfurchtsvoll den König an sein Vec- sprechen, ihn auf feinem Landsitz zu beuchen. Der König nahm ihn abermals sehr huldreich auf und versprach, das Versäumte sehr bald nachzuholen; da die Jagdzeit ja vor der Thüre sei, so wolle er im Forst des Herrn Bouret jagen. Nun besaß frei­lich Herr Bouret jetzt nebst seinem .Schloß auch einen Forst, aber es gehörte noch gar mancherlei dazu, um denselben der Ehre würdig zu machen, daß ein Ludwig XV. darin jagen konnte. Es blieb also nichts anderes übrig, als nun für einen Marstall mit herrlichen Rosien, für Jäger, Treiber und Jagd­hunde, sowie für allerlei edles Wild zu sorgen. Als mit enormen Kosten Alles in Stand gesetzt war, erwartete Herr Bouret auf's Neue den Besuch des Königs, dessen Status er in Bronze zur besonderen Huldigung für denselben hatte unfertigen lassen. Und wieder kam der König nicht, um großen Kum­mer des Schloßherrn, welcher endlich nichts Besseres zu thun wußte, als nochmals bis zum Könige sich zu drängen. Ludwig XV. aber war leidend, alternd, von der Gicht geplagt, seine Aerzte hatten ihm die Jagd verboten und größere Ausflüge waren sür ihn mit mancher Schwierigkeit verbunden. Trotzdem versprach er möglichst bald zu kommen und ließ in­zwischen der Madame Bouret seine Gewogenheit ver­sichern. Leider aber gab es gar keine Madame Bouret, da Herr Bouret noch unvermählt war. Der König aber erwartete eine Hausfrau im Schlosir zu finden er durfte also nicht enttäuscht werden! Schleunigst schaute der unermüdliche Höfling sich unter des Landes Töchtern um, um in kurzer Zeit der glückliche Gatte einer jungen Frau zu sein, schön und hochstehend genug, um als würdige Schloßherrin den Besuch des Königs zu empfangen, der indesien wieder ausblteb, denn Ludwig XV. konnte knae Besuche mehr machen, er starb, ohne sein Versprechen erfüllt zu haben und ohne daß Herr Bouret ihn wiedir sah, denn der kranke König konnte ihn nicht mehr empfangen.

Trotzdem hatte der unverbesserliche Höfling mehr Glück als Verstand gehabt bei seiner Handlungk» weise, denn, im Besitze eines herrlichen Landsitzes, schönen Forstes und einer vortresflichen Frau, fühlte er sich dem König stets zu innigem Danke ver­pflichtet- K. R>

vermischtes.

Selbstbereitung von Brausepulver. Mit leichter Mühe kann man sich Brausepulver selbst bereiten und kommt hierbei jedenfalls um fünfzig Procent billiger weg, als wenn man es sich in bet Apotheke oder beim Droguisten kauft. Bekanntlich ist nicht die Kohlensäure, sondern das Laugensalz (Alkali) der wirksame Bestandtheil im Brausepulver. Eine zweckmäßige Mischung desselben besteht aus 5 Theilen doppelkohlensauerm Natron und drei Theilen Weinsteinsäure, wodurch es alkalinisch wird. Ein solches Brausepulver bewahrt man am besten aus wenn man es in eine Pappschachtel thut oder bet freien Luft aussetzt; auch hält es sich noch einigen maßen gut in einem mit Papier überbundenen Glase, am wenigsten aber in luftdichtverschlossenen Gefäßen. Diese Regeln können auffallend erscheinen, so lange man von der vorgefaßten Meinung ausgeht, daß die Bestandtheile dieses Pulvers durch die Feuchtigkeit bet Atmosphäre zur Zersetzung veranlaßt werden, sie sind aber erklärlich, wenn man annimmt, daß umgekehrt die Luft das Pulver trocken hält.

Einfluß des Klimas aus die menschliche Lebensdauer. Viele Menschen sind der Ansicht, heiße Länder seien Einwanderern aus kalten Klimaten gefährlich und umgekehrt, in kälteren Zonen könnten Personen, die unter den Tropen geboren seien, nicht lange leben. Diese Ansicht scheint indessen auf irr- thümlichen Voraussetzungen zu beruhen. Die Erfah­rung lehrt vielmehr, daß Menschen, welche aus kälteren Gegenden nach heißen Zonen verschlagen wurden, ein ungewöhnlich hohes Alter erreichten. Der Verlänge­rung der Lebensdauer scheint besonders das Klima der Insel Jamaica günstig zu sein, vor allem wirkt es in dieser Beziehung auf die Neger ein. Dort starb im Jahre 1868 ein Neger, der mindestens 190 Jahre alt sein mußte, denn er konnte sich noch auf Begebenheiten aus dem Jahre 1708 besinnen. Ferner gab es um dieselbe Zeit auf Jamaica einige Neger, die in einem Alter von 107 bis 140 Jahren standen und sich dabei einer ausgezeichneten Gesundheit erfreu­ten, so daß sie möglicher Weise heute noch leben. Endlich lebte Ausgangs der 50er Jahre in Kingstown, der Hauptstadt Jamaicas, ein Mulatte, dessen Alter auf ca. 180 Jahre geschätzt wurde. Auf solche fern- hafte Naturen paßt das Bibelwort, nach dem des Men­schen Leben siebzig, und wenn es hoch kommt, achtzig Jahre währen soll, jedenfalls nicht, und nur den Nach­satz, daß es nur Mühe und Arbeit gewesen, würden jene hochbejahrten Neger ebenfalls haben unterschreiben können.

Verschnappt. Eine junge Frau läßt sich von ihrem Kammermädchen auskleiden. Die Unterhaltung nimmt dabei einen ziemlich zwanglosen Charakter an.Die gnädige Frau ist wohl sehr glücklich" - bemerkt das Kammermädchen.O gewiß, meine Liebe, bin ich das."Der gnädige Herr ist ein so schöner Mann und so lieb."Findest Du?" - Ach ja, gnädige Frau, und wie er küssen kann!"

Druckern (Fr. Ehr, Pikt ich) in Gicßm.

KchgNisn: K. Eche yda, Druck und Verlag der Brühl'schm

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