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DoppekschrauSm - Schnelldampfer.
(Fortsetzung.)
Es kann daher nur mit Freude und Genugthuung begrüßt werden, daß die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft damit vorgegangen ift, zunächst zwei große Dampfer nach dem Zweischrauben- System für die Fahrt zwischen Hamburg und New- York in Bau zu geben.
Diese beiden Schiffe, von denen bekanntlich eines bei der Stettiner Maschinenbau -Actien- Gesellschaft „Vulcan" und ein anderes bei Laird Bros in Birkenhead erbaut wird, stehen in ihren Hauptdimenstonen den allergrößten englischen Dampfern nur wenig nach. Ihre Länge beträgt 460 Fuß englisch, ihre Breite 56 Fuß und die Tiefe vom Kiel bis zum Oberdeck 38 Fuß. Um einen Vergleich mit einigen anderen renommirten Dampfern der nordatlantischen Fahrt zu ermöglichen, soll die folgende kleine Zusammenstellung dienen:
Länge: Breite: „City of Rome" 560,2 Fuß 52,3 Fuß
„City of Newyork" 527,6 „ 63,2 „
„Umbria" und „Etruria" 501,6 „ 57,2 „
„Servia" 515,0 „ 52,1 ,,
„Alaska" 500,0 „ 50,0 „
„Lahn" 448,4 „ 49,0 ,,
„Aller" 438,0 „ 48,1 „
„Ems" 430,5 ,, 47,0 „
Die Hauptgesichtspunkte, welche bei dem Entwurf der oben erwähnten Zweischrauben-Dampfer m's Auge gefaßt wurden, waren in erster Linie die Sicherheit und dann die Erzielung einer möglichst großen Geschwindigkeit, soweit sich letztere Bedingung mit der Sicherheit in Einklang bringen ließ. Man entschied sich deshalb zunächst für das Zweischrauben-System, um gegen die Folge eines Maschinenbruches gestchert zu sein. Um aber auch den Gefahren einer Colliston möglichst vorzubeugen, entschloß man sich, abweichend von der bisher üblichen Bauweise, das Schiff durch wasserdichte Querschotte in so viele Einzelräume zu theilen, daß dasselbe auch in dem Falle noch nicht sinkt, daß sich zwei benachbarte Abtheilungen mit Wasser füllen, eine Eventualität, die dann eintreten könnte, wenn das Schiff gerade an der Stelle eines seiner Schotte angerannt wird; ja, man stellte sich sogar die Aufgabe, selbst unter diesen Umständen die Reise noch fortsetzen zu können. Die Erfüllung dieser Bedingung ist besonders schwierig und erfordert zunächst, daß die Kessel in drei durch Schotte vollständig von einander getrennten Räumen aufgestellt sein müssen. Sollte in Folge von Collision das zwischen zwei Kesselräumen liegende Schott verletzt werden, so würde bei einer derartigen Anordnung also immer noch ein Keffelraum unversehrt bleiben und das Schiff noch mit einem Drittel seiner Keffelkraft weiterdampfen können. Aber auch die beiden neben einander liegenden Maschinen sind durch ein wafferdichtes Längsschott
von einander getrennt,; so daß im Falle einer den Maschinenraum beschädigenden Collision immer noch eine Maschine betriebsfähig bleibt.
Um diesen hohen Anforderungen genügen zu können, sah man sich genöthigt, dem Schiffe im Ganzen 11 wasserdichte Querschotte und ein Längsschott zu geben, bei welchen die sonst üblichen wasserdichten Thüren unterhalb des Hauptdecks gänzlich vermieden sind. Von jedem einzelnen durch die Schotte gebildeten Raume führen bequeme Treppen nach dem Oberdeck.
Ein sich über den größten Theil der Schiffslänge erstreckender Doppelboden vervollständigt noch die constructiven Sicherheitsmaßregeln und verhindert das' Leckwerden des Schiffes felbst, wenn bei event. Grundstoß der äußere Schiffsboden beschädigt werden sollte.
Es sind demnach alle Mittel, welche die moderne Technik uns an die Hand giebt, um das Schiff „unsinkbar" zu machen, in so vollständiger Wekse zur Anwendung gelangt, wie das bis jetzt nur noch bei dem jüngst in Fahrt gesetzten Dampfer „City of Rew- Aork" geschehen ist. Die neuen Dampfer der Hamburg - Amerikanischen Packekfahrt - Actien - Gesellschaft werden also hinsichtlich ihrer Sicherheit als die vollkommensten Schiffe der Gegenwart zu betrachten sein.
Außerdem hat man diese Dampfer auch noch mit mächtigen Dampfpumpen ausgerüstet, welche pro Minute das ganz enorme Quantum von 36 Tonnen bezw. 360 Hektoliter Wasser fördern können. Die Pumpen würden daher im Stande sein, das Schiff, wenn es sich überhaupt jemals ganz mit Wasser füllen könnte, innerhalb Stunden wieder leer zu pumpen.
Die Einrichtung der Schiffe wird felbstverständlich in jeder Beziehung denen der Concurrenz-Gesellschaften nicht nur gleichkommen, sondern dieselbe in vielen Punkten noch übertreffen.
Die unter Deck befindlichen Passagierkammern werden durchgehends hell, luftig und geräumig sein, und es wird außerdem eine größere Anzahl Räume vorhanden sein, welche als drawing-rooms mit anstoßendem Schlafcabinet eingerichtet sind und die einen angenehmen Aufenthalt gewähren, falls die betreffenden Passagiere sich von der übrigen Gesellschaft zurückzuziehen wünschen. Der große Salon befindet sich im Vordertheil des großen Deckshauses, welches sich über den größten Theil der Schiffslänge auf dem Oberdeck erstreckt und über welchem sich das Promenadendeck ununterbrochen in einer Länge von 320 Fuß ausdehnt. Der Salon für die Passagiere II. Classe befindet sich im Hinteren Theile dieses Deckshauses, welches außer einer Reihe von Passagierkammern noch die erforderlichen Räume für die Officiere enthält. Auf dem Promenadendeck sind in besonderen Häusern noch der Damensalon, das Musikzimmer, der Rauchsalon I. und II. Classe, der Damensalon II. Classe und einige Passagierkammern untergebracht. Ein kleiner und besonders elegant ausgestatteter Salon I. Claffe ist im Vordertheile des Hauptdeckes angeordnet.
(Schluß folgt.)
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