Ausgabe 
17.11.1888
 
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Lcllkamp'schen gemüthlichen Heim, wie in dem alten, vornehmen Hause Jmmendorf, wo rin anderer Geist jetzt eingezogen war, wie Johann zu seiner alte» Küchen-Collegin schmunzelnd bemerkte, es war eine Lust jetzt, im Hause Jmmendorf zu dienen.

Freilich", nickte die alte Rike nachdenklich,ein fröhlicher, lebenslustiger Geist ist eingezogen, hat aber den vornehm-adligen vertrieben, scheint mir!"

Dm hat die Gnädige mit sich genommen, Gott sei Dank!" lachte Johann vergnügt,man fühlt sich ordentlich jung wieder, besonders wenn die Frau Profesior mit ihrem Erstgeborenen kommt."

Frau Profesior!" seufzte Rike,wenn das die Gnädige erlebt hätte!"

Wär' ja ganz unmöglich gewesen", belehrte sie Johann,ist unser gnädiges Fräulein doch das leben« dige Beispiel davon. Weshalb sie ihn nun nicht heirathst"

Still, Johann, dar thut sie nicht, weil sie zu stolz ist, um sich lächerlich zu machen."

Johann wollte das nicht einsehen, obwohl die Alte sich's nun und nimmer ausreden ließ.

Und endlich söhnten sich auch Ulrike und der Major mit der späten Enttäuschung au». Al» treue Freunde, die Glück und Leid mit einander theilten, begegneten sie sich in der gemeinsamen Aufgabe, ihre Kinder", wofür sie die jungen Gatten auf Ulrichs- hsim, so hatte der Freiherr sein Gut genannt, und Professors erklärten, mit Rath und That zu unter« stützen und die kleine Heranwachsende Generation zu erziehe», während Großmama Dörner und der gute Baron Lerchenheim das Verziehen hinlänglich be- sorgten.

Professor Egon Dörner ist ein hochberühmter, glücklicher Mann, der seine schöne, aristokratische Gattin anbetet, während Ulrich als tüchtiger Land- wirth und kerngesunder Edelmann jetzt die harten Lehrjahre, welche ihm zur Selbsterkenntniß und Läu­terung gedient, im Stillen segnet, obwohl er er für eine durchaus selbstverständliche Sache hält, daß seine kleine Magda in demüthiger Bewunderung für ihn gänzlich aufgeht.

Natürlich", meinte Tante Ulrike,wie dürfte im Hause Jmmendorf auch wohl die Selbstsucht aussterben I"

fünften

Erzählung von Friedrich Friedrich.

Der St-uerrath Braun lag seit Wochen krank darnieder.

Es war Nacht. In dem Zimmer, in welchem der Kranke sich befand, herrschte ein matte», gebroche­nes Licht. Vor dem Nachtlichts stand noch ein Schirm, um jeden Hellen Schimmer abzuhalten.

Der Eindruck, den das Zimmer machte, würde ein gemüthlicher, fast eleganter gewesen sein, wenn cd nicht zugleich den Charakter der Krankenstube ge­tragen hätte.

Dir schweren wollenen Vorhänge waren dicht zusammengezogen, um jeden Luftzug durch die offenen Fenster fern zu halten. Ein Teppich bedeckte den ganzen Fußboden und machte jeden Tritt unhörbar. Aus einem Tische neben dem Bette standen eine An­zahl Fläschchen mit Medicin. Dir Luft in dem Zimmer war warm, fast brückend.

Neben dem Ofen, in einem Lehnstuhl, saß ein junges Mädchen. Es war die Tochter des Steuer­raths. Sie schlief. Die durchwachten Nächte an dem Bette ihres Vater» schienen sie erschöpft zu haben, denn ihre Wangen waren bleich.

Es lag ein eigenthümlicher, wunderbarer Reiz in den Zügen der Mädchens. Die Augen waren geschloffen, allein das dunkle Haar, die dunkeln, scharf gezeichneten Brauen verriethen, daß auch die Auge« diese Farbe trugen. Das Profil des Gesichts hatte einen südlichen, fast orientalischen Charakter, der Mund war klein, fein geschnitten. E4 konnte auffallen, daß ihre Lippen fest geschlossen waren, denn der Schlaf hat ja die Eigenthümltchkeit, die­selben etwa» zu öffnen. ;5Da6 Gesicht erhielt dadurch um den Mund herum einen etwas scharfen Ausdruck.

Der Kranke hatte sich mehrere Male im Betts empargerichtet und blickte im Zimmer umher. Er sah seine Tochter schlafen. Daß sie der Schlaf über­rascht hatte, bewies ihm, wie erschöpft sie sein mußte, denn unermüdlich hatte sie seit Wochen bei ihm gewacht. Er gönnte ihr diese Ruhe. Mit Schmerzen hatte er gesehen, wie während seiner Krankheit die Farbe der Jugend und Frische mehr und mehr von ihren Wangen gewichen war, wie selbst ihr dunkle» Haar einen Theil seines Glanze» verloren hatte.

Sie war sein einzige« Kind und er hing an ihr mit aller Liebe und Zärtlichkeit. Seitdem schon vor Jahren seine Frau gestorben war, hatke er sich das Glück des Mädchens zur einzigen Lebensaufgabe gemacht.

Wieder hatte er sich langsam, mühevoll empor­gerichtet, um zu sehen, ob seine Tochter noch schlief. Er sah sie regungslos da sitzen. Erschöpft sank er zurück. Eine innere Angst befiel ihn. Er kannte die Ursachen derselben nur zu gut. Seit Tagen hatte er diesem Zustande entgegengesehen, er war darauf vorbereitet, gefaßt es war der nahende Tod.

Er wußte, daß ihm keine Hoffnung auf Ge- nesung blieb, er glaubte die Schmerzen des Sterbens, de» Abschiede» von seinem Kinde innerlich schon überwunden zu haben, er glaubte völlig ruhig blei­ben zu können diese innere Angst und Beklom­menheit scheuchte jede Ruhe von ihm.

Er mußte die Schlafende stören er konnte nicht von ihr scheiden, während sie schlief noch einmal mußte er ihr in die Augen schauen, den Druck ihrer Hand erwidern, ihre Lippen auf seiner Stirn fühlen.

Er wollte mit der Hand über die Stirn fahren, al» könnte er dadurch die Angst von sich scheuchen

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