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Deutsche Kaiser in Korn.
Em zeitgemäßer Rückblick von Dr. Adolf Frank.
(Schluß.)
Was aber ging damit an deutscher Kraft unter?'. Ein Jahr später setzte ein früher Tod seinen ehrgeizigen Plänen ein frühes Ende. —• Der Welfenkaiser Otto IV, ließ sich 1209 in Rom von Jnnocenz III. krönen. Derselbe Papst schloß drei Jahr später mit dem Gegenkaiser Otto's, Friedrich II., in Rom einen Pakt. Aber erst im Jahre 1220 konnte sich Friedrich in Rom krönen lassen. Von Deutschland blieb Friedrich lange abwesend, da sein Kreuzzug und seine italischen Besitzungen' es bewirkten, daß er erst 1234 wieder jenseits der Alpen erschien. Dagegen erblicken wir ihn 1236 wieder auf lombardischem Boden, wenn auch nur für kurze Zeit. Von Wien aus, wo er 1237 weilte, erschien er gegen Ende 1238 vor Brescia, das er vergebens belagerte, und vom Unglück verfolgt, mit dem Bann belegt, in Deutschland ntü einem Gegenkaiser in Fehde, brachte er es doch dahin, daß er den Papst 1241 in Rom belagerte. Dies war jedoch sein letzter Erfolg im Felde — zehn Jahre später starb er auf italischem Boden, wie er auch in Italien geboren ward. Der letzte Hohenstaufensproß Konradin machte 1267 seine erste und letzte Romfahrt — 1268 büßte er auf dem Schaffst das Wagniß, ohne zureichende Kräfte den Zug über die Alpen unternommen zu haben. So ging das deut- fcheste Kaiserhaus durch den falschen Gedanken unter, daß das römische Kaiserthum über dem deutschen König- thum stehe — dieser Gedanke verschuldet den politischen Rückgang Deutschlands bis in die neuere Zeit.
Erst um's Jahr 1310 erschien ein deutscher König, Heinrich VI., der Lützelburger, in Italien, 5000 Reiter waren um ihn; er mußte erst den Trotz der lombardischen Städte brechen und zu Rom, in welches er am 7. Mai 1312 einzog, kam es zu hartnäckigen Kämpfen mit den Einwohnern, in denen die Deutschen fast unterlagen. Auch er starb in Italien. Sein Nachfolger, Ludwig — der Baier — ward nach voraufgegangenen Kämpfen mit dem Papstthum, von den Römern 1328 mit großem Jubel empfangen — aber P/2 Jahr später mußte er in Folge vieler politischer Fehler und des Begünstigens eines Gegenpapstes, der wenig zur Geltung kam, aus Rom und um 1339 sogar aus Italien fliehen!
Karl IV., der Nachfolger Ludwigs, betrat im Jahr 1355 zum ersten Mal die Stadt Rom und sein Aufenthalt währte nur so lange, als seine Krönung Zeit erforderte. Dem Papst hatte er zugesagt, bevor er nach Rom kam, sofort nach vollbrachter Krönung die Stadt zu verlassen und er hielt sein Wort getreulich. Als er 1368 zum zweiten Male Rom besuchte, war er dem hl. Vater wie ehedem ein getreuer, frommer Sohn — er hielt ihm den Steigbügel, führte den Zelter, auf dem der Papst ritt und wenn er auch demselben mehr Unterwürfigkeit bezeigte, als es für den Kaiser der Deutschen wohl schicklich, so kam er mit dieser versöhnlichen Politik
weiter, als die Hohenstaufen mit ihrer agressiven Staatskunst und war das Beste — er schonte die Kraft seines Volkes.
Unter seinen Söhnen Wenzel und Sigismund gerieth das Reich in tiefen Verfall, innere Zwistigkeiten, der Kampf der Städte gegen die Fürsten mußten den Kaistr bald hier, bald dort Partei ergreifen lassen und auf diese Weise verlor die Kaiserliche Macht im Staate ihr durch Jahrhunderte lang begründetes Ansehen. Erst Sigismund ging nach den Hussitenkriegen 1431 nach Rom, wo er aber erst im Jahr nachher, nach vielen Feindseligkeiten seitens des Papstes Eugen IV. gekrönt wurde. Sein Nachfolger Albrecht II. regierte so kurze Zeit, daß er nicht die Zeit während seiner dornenvollen Regierung sand, um nach Rom zu gehen, wogegen der 1439 zur Regierung gelangende Friedrich III. nach Beendigung eines heftigen Kampfes mit der Hierarchie März 1452 von dem Papst Nicolaus V. zum Kaiser gekrönt wurde; vorerst hatte er jedoch dem Papst den Eid des Gehorsams und der Ergebenheit geleistet.
Das Zeitalter der Reformation wirft seine Schatten voraus — Maximilian I. denkt schon nicht mehr daran, nach Rom zu gehen, denn in ihm entsteht sogar der Plan, die päpstliche Krone sich selbst auf's Haupt zu setzen. Karl V. benutzte feinen kurzen Aufenthalt in Italien, um sich vom Papste Clemens VII. in Bologna krönen zu lassen — Rom hatte ja bereits die Bedeutung, die einzige Stadt zu sein, wo die Kaiserkrone entgegengenommen werden konnte, verloren. Im September des Jahres 1556 dankte Karl V. als Kaiser ab, nachdem er bereits im Anfang desselben Jahres Spanien und vordem noch Italien und die Niederlande an seinen Sohn Philipp abgetreten hatte. In einem Schreiben an die Kurfürsten erklärte er, daß er die Kaiserwürde feinem Bruder Ferdinand überlaste und dieser ward auch 1558 von den Fürsten zum Kaiser erwählt. Dieser sowie sein Nachfolger, der edle und bedeutend jener Zeit vorangeschrittene Maximilian II. gingen nicht nach Rom, der Letztere entschied italienische innere Zwistigkeiten von Deutschland aus und wurde auch ohne jeden Kampf von den Italienern seine Oberherrschaft anerkannt.
Die Kaiser aus dem Hause Habsburg unternahmen keine Römerzüge mehr, der Kaiserkrone wegen, wohl fochten oft genug noch deutsche Truppen auf dem blutgetränkten Boden jenseits der Alpen, aber sie selbst residirten zu Wien und ließen ihre Feldherren um die Siegespalme ringen. Die Aufklärung hatte dem Papst die größte Waffe genommen, die ihm gegen die feindlichen Kaiser zu Gebote stand: den Bannstrahl. Die Drohung mit dieser früher so verderblichen Maßregel vermochte keine Wirkung mehr zu erzielen und als der Papst Clemens IX. den Kaiser Joseph I. (1705—1711), dennoch hiermit versuchte, sandte ihm dieser seinen General Daun auf den Hals, so daß der Papst schleunigst den Wünschen des Kaisers uachkam. (riWj *”"*
Redaction: A. Schetzda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


