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erfinden, aurbeutend, „Mieth ich in schlechte Gesell, schäft. Du kennst meine Offenheit und Arglosigkeit. Ich wurde die Beute einer Bande von Falschspielern, welche den Gasthof Palestro's, in welchem ich einige Wochen verweilte, unstcher machten. Sie verleiteten mich zum Spiele, wie Du weißt. In einer Nacht — kann ich es je vergessen?" — und Lowder's Stimme schien vor leidenschaftlichem Schmerz und Gewissensbissen zu beben — „verleiteten mich diese Italiener wieder, mit ihnen zu spielen, wie ich es schon früher gethan hatte. Ich ging mit ihnen auf ihr Spielzimmer in dem Wirthshause. Ich trank mit ihnen, ich spielte! Du kennst eine solche Scene nicht, Vater. Erspare mir die Beschreibung ihrer Gräulichkeit."
Er hielt schaudernd inne und bedkckie^das Gesicht mit den Händen.
„Fahre fort", befahl Sir Arthur wieder strenge.
„Ich wurde immer und immer wieder genöthigt zu trinken. Das feurige Getränk stieg wir in den Kopf. Ich spielte unbedacht. Ich verlor hundert Pfund an einen Italiener — denselben Menschen, der aus den Händen der Räuber entkommen ist. Ich spielte weiter und gewann die zweifache Summe, die ich verloren hatte. Mein Gegner sprang aus und klagte mich des Betruges an. Mein Kopf war in einem Taumel; mein Blut brannte wie Feuer. Blitzschnell riß ich einen Dolch aus dem Gürtel Palestro's, der zugegen war, und stach meinen lügneri- schen Ankläger in die Brust. Er fiel, wie ich glaubte, tövtlich verwundet."
Wieder hielt Lowder inne, scheinbar übermannt von seinen Erinnerungen, aber in Wahrheit, um die Wirkung seiner falschen Erzählung auf den Baronet zu beobachten.
Die Geschichte, wie sie der Eindringling erzählte, klang wahr. Seine schaudernde Stimme, seine reu- müthigs Miene, seine entsetzten Blicke würden selbst dem geschicktesten Schauspieler zur Ehre gereicht hoben.
„Stelle Dir meinen Schreck und mein Entsetzen vor!" begann er wieder. „Stelle Dir meine Ver. zweiflung vor! Ich eilte auf den Verwundeten zu, aber er wehrte mich mit einem Schwur unauslösch- lichen Hasses ab. Ich glaubte ein Mörder zu sein. Palestro erbot sich, mir zur Flucht zu verhelfen, wenn ich ihm eine bestimmte Summe zahlen würde, die ich ihm mit Freuden gab. Nachdem ich sein Stillschweigen erkauft hatte, floh ich nach Sardinien. Als ich dort war, erhielt ich einen Brief von Palestro, worin er mir anzeigte, daß der Bursche sich von seiner Verwundung zwar erholt hätte, aber furchtbar entstellt sei. Mehr als das: er hatte einen gräßlichm Eid geschworen, sich an mir zu rächen. Du weißt, wie rachsüchtig die heißblütigen Italiener sind. In demselben Briefe, in welchem mich Palestro von der Gefahr benachrichtigte, die mir von diesem Menschen drohte, welcher entschlossen war, mich wie ein Bluthund zu verfolgen, machte er mir gleichzeitig den Vorschlag, ihn von Räubern entführen und in
der Höhle des rothen Carvelli, welcher Palestro*« Schwager ist, gefangen halten zu lassen. Ich willigte in diesen Vorschlag des Mannes rin und tauschte meine Furcht vor de« Todfeinde für die Tyrannei Palestro's aus. Das Uebrige weißt Du."
Diese so gut erzählte Geschichte klang glaubwürdig genug. Das Benehmen und die Blicke Lowder'« thaten auch das Ihrige, um sie zu brßätigen. Alex fertig war, senkte er vor dem Baronet sein Haupt, wie ein Schuldiger, der seinen Urtheilrspruch erwartet.
Aber Sir Arthur machte keine Bemerkung.
„Ich bitte Dich nicht um Verzeihung für meine Jrrthümer, Vater", sagte der Betrüger mit gutgespielter Demuth. Du bist so edel und hochfinnig, daß ich es bi« jetzt gar nicht wagte, Dir weine Fehler zu gestehen; und ich würde bis zu meinem Tode geschwiegen haben, hättest Du nicht einen Theil der Wahrheit entdeckt. Ich habe Deine Achtung und Liebe verwirkt, und dennoch war ich derselben nie würdiger, als in diesem Augenblicke. Ich bin meinen knabenhaften Fehlern und Verirrungen entwachsen, und meine Erfahrungen haben mich nun zu einem edleren und besseren Mann gemacht. Ich weiß es, daß ich Dich enttäuscht habe. Willst Du meine Gewissens bisse noch verschärfen? Willst Du mir das Leben zur Last machen oder willst Du mir verzeihen?"
Er schaute flehend auf und spielte seine Rolle i mit solcher Vollendung, daß Sir Arthur'» Strenge i und Kälte ein wenig nachzulassen begann.
„Du hast mir die Wahrheit gesagt ... die I ganze Wahrheit?" fragte der Baronet in gebieteri- ! sch em Tone.
„Die ganze Wahrheit, Vater", sagte Lowder, fich ? zwingend, Sir Arthm's durchdringende Blicke fest ; auszuhalten. „Du kannst an Palestro schreiben, wenn ! Du mir nicht glaubst. Du kannst einen Kundschafter - nach Neapel schicken. Ich werde vor keiner Probe zurückschrecken, auf die Du mich stellen willst."
Der Baronet stieß einen tiefen Seufzer au».
„Sage nichts mehr, Guy", sagte er. „Laß die Vergangenheit bei den Todten ruhen. Wenn Deine Reue für Deine Fehler aufrichtig ist, will ich Dich nicht mit Vorwürfen überhäufen. Da Du jetzt die ganze Last von Deiner Seele geworfen, hoffe ich Dich mit der Zeit wieder so zu sehen, wie Du einst warst. Oder wenn Deine Offenherzigkeit und Dein unschuldiger Frohsinn für alle Zukunft dahin find, so sei mir wenigstens ein Sohn, welchen ich achten kann."
Er standen Thränen in Sir Arthm's braunen Augen, al« er diese Worte sprach. Lowder reichte ihm seine Hand zum Zeichen vollständiger Versöhnung. Der Baronet faßte fie, aber ohne Herzlichkeit und Wärme.
Lowder verweilte noch einige Minuten, um den Eindruck, den er gemacht hatte» zu vertiefen, dann stand er auf, zog fich zurück und ging auf sein Zimmer.


