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Verehrung für Si-, gnädiges Fräulein, thatsächlichen Ausdruck geben zu können", fügte Egon, ihre Hand an feine Lippen ziehend, hinzu.
„Ich danke Ihnen von Herzen, meine Herren I" erwiderte Ulrike, „und bitte, jetzt ohne weitere Com- plimente mir folgen |u wollen."
(Fortsetzung folgt.)
Eine Kisenöaßnreise im Zahre 1893.
(Fortsetzung.)
Ich machte mir nach dieser Anweisung die Kopfrechnung : „Leipzig - Basel ist „dritte Zone." Sieben Billets — Vergebung „Fahrscheine!" — zweiter Klaffe kosten also sieben mal zwei Mark, also 14 Mark mit dem gewöhnlichen Zuge, die doppelte Zahl Fahrscheine für den Blitzzug 28 Mark! Das heißt sieben Personen zahlen zusammen wenig mehr als die Hälfte des Fahrpreises, den Anno 1888 eine einzige Person für sich erschwingen mußte, um in dem damals viel langsamer fahrenden Schnellzug von Leipzig nach Basel zu reisen (52 Mark 30 Pfg.)!"
„Weh Dir, daß Du ein Enkel bist!" rief ich mir bei dieser Entdeckung im Stillen zu. „Wie schade, daß dieser ebenso einfache als bescheidene Tarif nicht schon seit dreißig Jahren in Geltung ist! Ich hätte viele Tausende dabei erspart, und die Eisenbahnen hätten, — wie die Erfahrung zeigt — sich auch nicht schlechter dabei gestanden. Excellenz Varus Maybach, geben Sie mir doch meine Legionen Mark wieder! Ach, das ist ein frommer Wunsch!"
„Geben Sie mir also vierzehn Fahrscheine zweiter Klasse nach der dritten Zone," sagte ich laut zum Schalterbeamten.
„Aber wollen Sie nicht lieber ersteMaffe nehmen ?" fragte mich dieser Verführer zur Verschwendung. „Die Wagen zweiter Klaffe sind nämlich nach den Vorschlägen des Eisenbahn »Evangelisten Engel bedeutend unbequemer geworden als früher. Die Wagen erster Klaffe dagegen bedeutend bequemer. Ihre Reisegesellschaft würde einen Salon oder zwei Fahr- abtheilungen erste Klaffe für sich haben. Die Sitze sind sehr bequeme, tiefe, breite Polsterstühle, verschiebbar, mit Schemel, zur Nachtfahrt als förmliche Betten auseinander zu klappen. Sie haben da schwere Teppiche auf dem Fußboden, elektrisches Licht, Wascheinrichtung mit allem Zubehör. Ein doppelter, mit dämpfender Füllung versehener Fußboden, beste Federn, holzgefüllte Wagenräder bieten alles, was bisher zur Verminderung des Fahrgeraffels und Wagen- stoßens erfunden ist. Und der Preis für diesen —"
„Hochgenuß des Jahrhunderts, wollen Sie sagen —"
„Richtig, mein Herr, beträgt von Eydtkuhnen bis Trier und von Emden bis Basel, von Verviers bis Freilassing sechs Mark im gewöhnlichen, zwölf Mark im Blitzzuge. Von Leipzig nach Basel zahlen Sie also für Ihre vierzehn Fahrscheine zum Blitzzuge wenig mehr als früher ein einziges Billet erster
Klaffe (70 Mk. 50 Pf.) auf derselben Strecke oder ein zeitraubendes „kombinirtes Rundfahrbillet" zweiter Klaffe hin und zurück (71 Mk. 60 Pf. oder 75 Mk. 50 Pf.). Sie könnten aber, wenn Sie dazu Lust hätten, für daffelbe Geld auch die doppelte Entfernung im Deutschen Reiche durchfahren, als die von Leipzig nach Basel, denn die Entfernung spielt heute nur bei Abgrenzung der drei Zonen, sonst gar keine Rolle mehr."
Der Mann hatte mich. Ich nahm 14 Fahrscheine erster Klaffe dritter Zone für 84 Mark. Sie sahen eigenthümlich aus. Auf der Vorderseite stand näm- lich nur:
Von
Leipzig, Thüringer Bahnhof
I. Klaffe I.
Dritte Zone.
6 Mark.
Umwenden!
Auf der Rückseite stand in kleinem Druck:
Dieser Fahrschein berechtigt nur zur einmaligen Fahrt nach jeder beliebigen Eisenbahnstation des Deutschen Reiches. Er ist beim Betreten des Bahnsteigs der Abgangsstation vorzuzeigen und beim Verlassen des Bahnsteigs der Endstation abzugeben.
Er hat nur Gültigkeit für drei Kalendertage. Der Benutzer einer höheren Klaffe als der, zu welcher dieser Fahrschein berechtigt, wird mit einer sofort zu entrichtenden Ordnungsstrafe von 10 Mark belegt und hat außerdem strafrechtliche Verfolgung zu gewärtigen.
Die nächste meiner Sorge war die Aufgabe des Gepäcks. Das war in den alten Tagen des Eisenbahnbetriebes, die mit 1893 zu Ende gegangen waren, in der That ein sorgenreiches Geschäft für einen Familienvater gewesen! Denn mit den 25 Kilo ,,Freigepäck", welche die alte Betriebsordnung dein norddeutschen Eisenbahnreisenden gewährte — Süddeutschland kannte überhaupt kein „Freigepäck" außer dem kleinen Handgepäck — war bei längeren Sommerreisen übel auszukommen, namentlich für Damen. Mit trübem Blick sah man damals die unbestechliche scharfe Nadelzunge der Eisenbahnwaage höher und höher schnellen, bis alle Gepäckstücke der Familie aufgeladen waren — und dann kam die bittere Eröffnung des Gepäckbeamten, daß irgend ein fabelhafter Betrag, 20, 30 Mark und darüber als „Ucberfracht" zu zahlen sei.
Wir hatten diesmal, im Vertrauen auf die Weitherzigkeit der Eisenbahnreform auch im Gepäcktarif, eine schwere Menge Gepäck eingeladen, fünf Koffer zu je 50 Kilo. Ich war sehr neugierig auf den Kostenbetrag. (Schluß folgt.)
Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr, Pietsch) in Gießen,


