Ich weiß es", warf Körber ein,auch ich | kenne ihn ja! Ich werde feine Unschuld darthun! Aber eins ncch, Anna, es ist Deines Bruders wegen, \ verrathe noch gegen Niemand den Bund unserer i Herzen, es soll, es darf noch Niemand wissen, in welchem Verhältnisse ich jetzt zu Dir und Hein» rich stehs."

Anna versprach es. Er trieb sie zurück zu ihrer Mutter, welche durch die Nachricht von der Verhaft tung ihres Sohnes mächtig darniedergeworfen war.

Körber war wieder allein. Er hätte ausjabeln mögen, sein Herz war des Glückes voll, und doch mochte er sich nicht die Zeit gönnen, dies Glück zu genießen. Unruhig mit hastigen Schritten ging er im Zimmer auf und ab. Es drängte ihn, schon jetzt das Versprechen zu lösen, welches er Anna ge­geben hatte, den Schmerz und die Angst von ihr zu nehmen, H-llmann zu befreien.

Vergebens strengte er seinen Verstand an, diesen Weg zu finden, allein jede Muthlosigkeit war jetzt von ihm gewichen, selbst an das Unmögliche wäre er entschloffen herangetreten. Von dem Criminal- g lichter mußte er das Nähere über Hellmann erfahren und zu ihm begab er sich. Ec traf ihn nicht zu Haus; als er indeß um die Mittagszeit zum zweiten Male zu ihm ging, fand er Pintus in seinem Zimmer.

Er trat ihm mit einem Lächeln entgegen.

Es ist gut, Herr Commifiär, daß ich Ihren Versicherungen von Hellmanns Unschuld keinen Glau- den geschenkt habe", sprach er,sondern daß ich meiner eigenen Ueberzeugung gefolgt bin, sie hat mich doch auf die richtige Spur geleitet!"

Unmöglich!" warf Körber ein.Der Förster kann nicht schuldig sein!"

Er ist es", entgegnete ihm der Richter ruhig, und thkiltc ihm das Nähere seines Verhörs und die Erfolge seiner Untersuchung mit.

Schweigend hörte ihm Körber zu. Jedes Roth war von seinen Wangen gewichen. Er erkannte die Schwere ,der Beweise, die gegen den Förster sprachen, mit aller Macht wollte er die Ueberzeugung, daß derselbe unschuldig sei, in sich festhalten, allein mehr und mehr fühlte er sie schwanken und schwinden.

Er hatte ja keine Ahnung davon gehabt, daß Hellmann mit Berger an demselben Tage auf dem Wege zufammengetroffen war. All' die Hoffnungen, welche so schnell und freudig in ihm ausgewachsen waren, sah er zertrümmert er dachte an Anna an ihre Mutter an Hellmann.

Nun", fügte der Criminalrtchter hinzu,glau­ben Sie jetzt noch an Hellmanns Unschuld?"

3a, ich glaube auch jetzt noch daran!" rief Körber. Er tief es laut, als wolle er dadurch seine eigenen Zweifel übertönen.

Sie find schwer zu überzeugen", warf der Richter lächelnd ein,doch hören Sie weiter. Ich habe Ihnen erst die Resultate, welche ich gestern gewonnen habe, mitgetheilt und bin noch nicht zu Ende."

Körber wollte aufspringen und ihn bitten, inne

zu halten. Da« Herz schlug ihm laut, ängstlich. Schweißtropfen traten auf seine Stirn. Noch mehr Beweise I Die ihm genannten reichten ja hin, einen Menschen zu verderben.

Er bezwang sich. Regungslos blieb er sitzen.

Sehen Sie", fuhr Pintus fort,dies Brief- cousert, welches an Hugo Berger gerichtet ist und auf der einen Säte Notizen trägt, zeigt den Post­stempel von demselben Tage, an welchem Berger erschaffen ist. Ich war heute Morgen bei seinem Vater, er erinnert sich noch genau, daß sein Sohn an dem Tage einen Brief, den dies Couvert um­schloß. erhalten, daß er sich Geschäfts-Notizen darauf gezeichnet und es in seiner Brieftasche geborgen habe. Ich habe den Alten noch nicht verhört, allein er erklärt sich bereit, seine Aussage zu beschwören. Wie kommt das Blatt hinter des Försters Laube?"

Körber antwortete nicht. Er konnte auch keine Antwort geben.

Und nun weiter", fuhr der Richter fort.Ich war auch bei Paula Braun mit dieser Schleife. Sie sagte mir freilich, sie könne es nicht bestimmt behaupten, daß sie diese Schleife dem jungen Berger auf dem Balle gegeben habe; allein diejenige, welche er von ihr empfangen, habe ebenso ausgesehen dieselbe Größe, dieselbe Farbe."

Die Ballschleifen, welche die Damen verschenken, haben meist dieselbe Größe", warf der Commifiär ein.Auch die Farbe kann zufällig dieselbe sein. Ich sehe keinen Beweis darin"

In diesem Falle ist es ein Beweis", entgegnete der. Richter,allein ich würde hierauf nicht ein so großes Gewicht legen, wenn dieser Beweis, den Sie Zufälligkeit nennen, nicht mit dem Uebrigen zusam- menfiele. Und noch einen letzten Beweis habe ich, Herr Commifiär. Sehen Sie, dies ist die Kugel, mit der Berger erfchofien ist, eine kleine Spttzkugel, und dies sind die Kugeln zu dieser Büchse, welche Hellmann,, wie er selbst eingeüanden hat, an dem Tage getragen, Es find auch kleine Spitzkugeln. Die erste ist freilich breit gedrückt, ihre Form läßt sich nicht mehr genau vergleichen, allein geben Sie Acht, das Gewicht beider Kugeln ist daffelbe."

Er nahm aus dem Secretär eine Goldwage und wog beide Kugeln ihr Gewicht war gleich. Körber schwieg. Schwer lag es auf seiner Brust. Schon wagte sich der Gedanke an ihn heran: Sollte Hell­mann dennoch Berger erschaffen haben? Mit Ge­walt drängte et ihn von sich. Es konnte nicht sein Annas wegen und auch für sein eigenes Glück nicht.

Ich wäre vielleicht nicht auf den Gedanken ge­kommen, die Kugel zu wiegen", gestand der Richter offen,wenn mich nicht Prell sogleich darauf auf­merksam gemacht hätte, sobald er die Kugel fand!"

Prell?" fragte Körber. Ein Gedanke zuckte in ihm auf.

Ja wohl, sogleich bei der Untersuchung des Tobten", versicherte Pintus.

!Wie konnte er damals schon ahnen, daß dies