122

Das wirst Du nicht wage«, denn Du kennst mich."

Ja, ich kenne Dichl" rief Franziska schmerzlich aus und bedeckte mit beiden Händen das Gesicht.

Da Du mich kennst, so weißt Du auch, daß ich meine Drohungen ausführen werde, wenn Du mir nicht gehorchst."

Ich bin in Deiner Hand, ja, noch bin ich es, aber sieh Dich vor, daß ich die Bande nicht zerreiße!"

Du wirst Dich hüten."

Daß ich Schauspi lerin war, wird den Onkel nicht allzusehr verstimmen, zumal wenn er erfährt, daß ich eine Künstlerin war, in deren Salons Männer der höchsten Aristokratie verkehrten. Würdest Du ihm aber ein Geheimniß erzählen, das Du, Gott mag wissen, durch welche Mittel entdeckt hast, dann würde ich wohl nicht länger Gnade vor seinen Augen finden. O, dies unglückselige Geheimniß, das mich willenlos in Deine Gewalt giebt! Alles Elend, was über mich hereinbrach, Dir habe ich es zu verdanken. Du hast mich gewisiermaßen an den Fürsten, trotzdem Du wußtest, daß ich den Grafen Tonjef liebte, verkauft für die Auslieferung eines politischen Geheimnisses an Dich!"

Bist Du wahnfinnig!" rief Felix mit lauter Stimme.

O, ich weiß mehr als Du glaubst, und könnte ich nur Beweise erbringen für das, was ich weiß, fo solltest Du so sicher Dich zu meinen Füßen winden, wie ich es jetzt vor Dir muß!"

Ich wiederhole, Du bist von Sinnen!"

Und solltest Du nicht auch Deine Hand dabei iw Spiel gehabt haben, als man plötzlich den Grafen Tonjes verhaftete, weil man .ihn beschuldigte, mit Nihilisten in Kontact zu stehen? Ich lasse es mir nicht ausredsn, daß es da» Werk des Fürsten war, und dann warst Du sein Helfershelfer!"

Franzika! Wage das nicht noch einmal zu be­haupten!"

Der Fürst war bis zur Leidenschaft in mich verliebt und eifersüchtig wir ein Othello. Der Graf war ihm im Wege. Aber wenn ich an etwas mit teuflischer Freude zurückdrnke, so ist es der Triumph» daß Euch Beide schon in kurzer Zeit die Nemesis ereilte. Der Fürst starb innerhalb weniger Tage und als man unter seinen hinterlassenen Papieren Briefe fand, die Dich compromittirten, da wurde Dir der Boden unter den Füßen plötzlich zu heiß, Du mußtest St. Petersburg schleunigst verlassen und gingst nach Paris."

Das ist erlogen", rief Felix heftig aus.Aus ganz anderen Gründen verließ ich Rußland, um nach Frankreich überzustedeln."

Ich habe ja keine Beweise, aber wahr ist es doch! Und hüte Dich", fuhr sie mit erhobener Stimme fort,noch schwebt der Prozeß gegen den Grafen Tonjes, aber alle Aussichten sind vorhanden, daß schon bald seine Freisprechung erfolgt. Ich habe unter der Hand Nachricht von ihm, er liebt mich mit der gleichen Gluth wie früher, seine Ehe­

scheidung ist während s iner Haft perfect geworden, und isi er erst frei, so wird er kommen, um mich zu holen. Ich habe früher gezittert, daß er das Geheimniß meiner Irgend erfahren könnte, aber jetzt werde ich es ihm selbst sagen, und weil er mich liebt, wird er nicht den Stab über mich brechen, daß ich, fast noch ein Kind, in einer schwachen Stunde dem Schicksal erlag. Und dann, dann ist Deine Macht, die Du über mich hast und die Du so schonungslos gebrauchst, für immer gebrochen!"

Meinst Du?" erwiderte Felix mit einem spöttischen, sardonischen Lächeln.Glaubst Du, wenn ich seiner stolzen Schwester es unterbreite, daß die ehemalige Schauspielerin weder eine adelige Ge­borene, noch eine adelig Vermählte ist, daß sie über­haupt gar nicht vermählt ist, sondern daß sie den Namen Frau von Barsen nur willkürlich angenommen hat, um sich in der Eigenschaft einer jungen Wittwe mit einem interessanten Lüstre zu umgeben, und wenn ich dann noch die Mittheilung von dem be­wußten Geheimniß hinzufüge glaubst Du, daß dann die Gräfin Romanos und mit ihr die ganze übrige hocharistokratische Verwandtschaft nicht alle Hebel in Bewegung setzen werden, den Grafen Tonjes von seiner Absicht, Dich zu heirathen, zurückzu- bringen? Und sei versichert, ich kenne den Grafen so gut wie Du ihn kennst, er ist viel zu haltlos und unselbstständig, um sich nicht überreden zu lassen und um nicht, nachdem er erst soeben in der Gesell' schäft rehabilitirt ist, einen Sturm in der Miß­achtung heraufzubeschwören und sich an der Seite einer Frau mit Antecedenzien unmöglich zu machen."

Und Du könntest, Du würdest seiner Schwester verrathen, daß"

Ich kann und werde e», wenn Du Dich weigerst, mir beizustehen in dem, was ich unter allen Um­ständen erreichen will."

Franziska sank wie gebrochen auf einen Stuhl nieder, sie fing an zu schluchzen und Thränen rannen über ihre Wanzen.

Du machst ein Aufhebens", sagte Felix in ärgerlichem Tone,als wenn ich an Dich das Ver­langen gestellt, mir bei einem Morde oder Diebstahl zu helfen. Die Sache ist doch so einfach und was Du dabei zu thun hast, so leicht und geringfügig. Ich liebe Frieda Wolter und sie muß die Meine werden. Was sagt denn diese Backfischschwärmerei für den Musiker? Eine solche macht ihr Herz nur empfänglicher für die darauf folgende wirkliche Liebe. Mag der Herr Rohdenberg noch so gut seine Geige spielen, das berechtigt ihn noch nicht, um die Tochter eines Millionärs zu freien, und niemals werden Frieda'» Eltern ihr einziges Kind einem Manne geben, der nichts ist und nichts besitzt als fein bischen Talent. Die Tändelei muß also ss wie so über kurz oder lang aufhören. Da» Ende derselben zu beschleunigen, den Riß de» Pcobepfeils so bald wie möglich zur Heilung zu bringen, um da» Herz für meine Liebe zu präpariren, da» ist die Aufgabe, die ich mir gestellt und die hoffentlich nicht schwer