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Wal [?rt diesen Wirbel hineingeriffen werde, dem meine Verstandeskräfte nicht mehr gewachsen sein würden."

Frau Rohdenberg machte eine kleine Pause, strich sich das volle, natürlich gelockte, aber schnee­weiße Haar mit der rechten Hand hinter dar Ohr und sagte darauf:

Ist Ihnen, Herr Profesior, die Geschichte unseres westlichen Nachbarlandes, dar früher ein ein­faches Herzogtum war, bekannt?"

Einigermaßen glaube ich darin bewandert zu sein", erwiderte der Profesior Marqaart.

So werden Sie sich auch erinnern, was sich unter der Regierung des Herzogs Ernst Ludwig zu- getragen hat!"

Ernst Ludwig? Ganz recht! War es nicht während seiner Regierung, daß eine zweite Pompa, dour die Wohlfahrt des Landes untergrub und es gänzlich ruinirte?"

Sie nennen sie eine zweite Pompadour, die Bezeichnung mag zutreffend fein, nur mit dem Unter- schiede, daß die Rerchsgräfin Fichtenberg, die ge­schiedene Frau des Musikdirektors Grunert, die recht­mäßige, wenn auch nur morganatisch angetrante Gemahlin des Herzogs war."

Sie hielt ihm ein kleines, auf Elfenbein gemaltes Portrait hm, welches zwischen den Papieren gelegen hatte, und sagte:

Sehen Sie das ist sie."

Der Professor führte sein Pincenez vor die Augen, nahm das Bild in dis Hand, und nachdem er nur einen flüchtigen Blick darauf geworfen, rief er erstaunt aus:

Aber das sind ja Sie, Frau Rohdenberg, so müssen Sie in Ihrer Jugend aurgesehen haben, das sind auch zugleich Siegfrieds so hübsch- wie edle Züge!"

Die ehemalige Frau Musikdirektor Grunert, die spätere Gräfin Fichtenberg, Gemahlin des Herzogs Ernst Ludwig, war meine Urgroßmutter.

Die große, breite Figur des Professors sank vor Überraschung auf seinen Stuhl zurück, in seinen kolossalen, wenn auch nicht schönen, so doch sehr intelligenten Gesichtrzügen zuckte es eigenartig auf, gerade so, als wenn auf dem Konservatorium, dessen Direktor er war, eine musikalische Dissonanz sein Ohr peinlich berührte, und mit seiner gewaltigen Baßstimme, die er für gewöhnlich sehr zu mäßigen verstand, sagte er in einem dröhnenden Tone:

Das frappirt mich! Also diese berüch, ich wollte sagen, diese bekannte Gräfin Fichtenberg war Ihre Urgroßmutter?"

Gebrauchen Sie immerhin den Ausdruck be­rüchtigt, Herr Professor, er ist gerechtfertigt, denn ihre Zeitgenossen haben sie verachtet und die Welt­

geschichte hat sie gerichtet. Vis zu dem Augenblick, wo ich düse Papiere erhielt, hübe ich es nicht ge- mußt, daß dis Frau die Mutter meiner lieben und hochverehrten Großmutter war. Und meine Groß­mutter frlbst hat es erst von ihrem Vater, kurz vor dessen Tode erfahren. Er ist doch eigenthümlich, daß wohl die Meisten, die ein wichtiges Familien- geheimniß zu bewahren haben und aus weifen Gründen dasselbe ihren Angehörigen verschweigen, plötzlich, wenn sie den Tod nahen sehen, anderen Sinnes werden, und nicht von hinnen scheiden können, ohne es irgend Einem mitzutheilen; sie be­trachten es gewissermaßen als ihrs Pflicht, das, was sie allein wissen, nicht mit in die Ewigkeit zu nehmen: So erging es meinem Urgroßvater, als er meiner Großmutter es mittheilte, so erging es Letzterer, als sie diese Schriften an mich adressicte, so ergeht es mir in diesem Augenblick, wo ich im Begriff steh--/ Sie damit vertraut zu machen, damit es meinem Enkel nicht absolut verloren gehe, damit ich ihm nicht für immer etwas entziehe, worauf er doch vielleicht ein gutes Recht hat."

Frau Rohdenberg deutete mit dem Finger auf eins der Papiere und fuhr fort:

Dieses umfangreichste, zu einem Buch geheftete Manuskript ist der Brief oder vielmehr sind die in Briefform gemachten Aufzeichnungen meiner Groß- mutter, und diese beiden Episteln sind von der Gräfin Fichtenberg eigenhändig geschrieben. Aber ich sehe ein, daß unsere Zeit nicht ausreicht, um Ihnen das Alles vorzulesen, es ist auch nicht nothwendig, so Manches ist darin, was für Sie gar kein Interesse habe,: kann, und das Wissenswerthe kann ich Ihnen aus dem Gedächtniß reproduciren. So müssen Sie denn, Herr Professor, mit mir um mehr als hundert Jahre in die Vergangenheit zurückwandern.

(Fortsetzung folgt.)

Aer Schnupfen.

Leicht und klein nennen wir die Gesundheit^, störung, welche nicht unmittelbar das Leben bedroht, aber lästig ist sie deshalb nicht minder; an einem Nadelstichs stirbt man nicht, aber häufige Nadelstiche verbittern doch das Leben. Zu den kleinen, ade- häufig wiednkchrenden und lästigen Störungen zählt auch der Nafenkatarrh, schlechtwegSchnupfen" ge­nannt. W:r kann sich rühmen, von ihm gänzlich verschont geblieben zu sein, und wer kennt nicht seine Unannehmlichkeiten? Die Disposition zu dem Schnupfen ist wohl bei den verschiedenen Personen ungleich, und zarte, schwächliche Individuen werden häufiger befallen, als kräftige und muskulöse, aber von der Kindheit bis zum Greisenalter erkranken wir Alle und öfter daran. Meist ist der Schnupfen Folge von Erkältung der äußeren Haut, insbesondere der Füße, doch können auch örtlich einwirkende Schäo-