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verhaftet I" , , L , m , C1.
„Verhaftet!" rief Körber aufzuckend. - „Verhaftet, sage« Sie?"
„Gestern Abend - er iß hierher gebracht - er sitzt im Gefängnisse!" erwiderte Anna. Sie vermochte die Thrämn nicht länger zmückzuhalten.
Körber fuhr mit der Hand über die Stirn. Er wollte zurückdrängen, was ihn so mächtig erfaßte er mußte ja ruhig bleiben.
„Verhaftet!" wiederholte er. „O, der Richter ist schneller gewesen, als ich vermuthet hatte! Er hat auf meine Bitte, ihn zu schonen, wenig gehört!"
„Sie haben darum gewußt?" fragte Anna.
„Ich wußte, daß der Richter Verdacht auf ihn hatte, allein ich glaubte nicht, daß er so weit gehen werde!"
„Und Sie haben ihn nicht gerettet!" rief das Mädchen vorwurfsvoll- „Sie haben dem Richter nicht gesagt, daß er unschuldig ist - Sie kennen ihn ja — Herr Kommissär — Heinrich hat mit dem Verbrechen nichts zu schaffen gehabt!"
„Ich weiß es nicht", versicherte Körber, „ich habe vergebens versucht, Alles von ihm abzuwenden - meine Macht reicht nicht so weit!"
,Ec ist unschuldig!" wiederholte Anna. Er ist unschuldig in das Gefängniß gebracht. O - dieser Schimpf wird meines armen Mutter da» Leben kosten, die Nachricht hat sie darniedergeworfen - er wird auch meines Bruders Lebensglück für immer vernichten, denn sein stolzer Sinn wird er nie überwinden 1"
geschehen!"
Nach diesem Versprechen konnte er ohne Zaudern beginnen. Ein leeres Faß wurde vor den Ladentisch gerollt, auf welches das kleine Fräulein sich setzen mußte. Der junge Künstler trat hinter den Tisch, nahm Papier und Blei, sah Mariechen noch eine Weile prüfend an und warf dann bedächtig die ersten Umrisse des Kopfes auf das Blatt.
Dame Sello hatte inzwischen schon bie zweite Tasse geleert. Eben fragte nun die gütige Wirthin, ob sie die Tasse zum dritten Male füllen könnte, als plötzlich Madame Hubermüller auf dem Schauplatz erschien. Unter einer Fluth von Entschuldigungen und Gründen, weshalb sie sich verspätet, nahm sie den Pompadour vom Arm und das Strickzeug aus der Tasche. Die gespanntesten Mienen des ganzen Kreises ruhten auf ihrem Gesicht, und jetzt ertönte - bie kleine und doch so wichtige und verhängmßvolle Frage, was Dame Hubermüller Neues wußte?
Erst stärkte sie sich mit dem lieblichen braunen Naß, senkte dann mit bedeutungsvollem Lächeln bett Blick in bie Augen der Sello, hüstelte in kurzen, ausdrucksvollen Pausen und sagte „nichts geschehen, meine Liebe?" ,, r „ . _.
„Ja freilich, das ist wahr, mich fesselt mein Geschäft an's Haus." . r., . .
„Da war es mir natürlich fehr erfreulich, daß ich wenigstens ein Bild von Ihnen bekam."
„O", machten die Damen, „Sie haben sich malen lassen ? In Oel, in Tusche ob er nur Kreidezeichnung ?"
„Wer? — Was? — Ich? ... Was bas für Scherze stnb!" Ein Wölkchen schwebte über die Stirne der Viktualienhändlerin, und ihre Finger bohr-
ausruhen konnte. Er seh sie im Geiste schon geräuschlos und dabei so thätig schaffen, fühlte, wie sie mit ihrer weichen, weißen Hand ihm über die Stirn strich, um die Falten von dort zu verwischen, wie sie beruhigend ihren Arm um seinen Nacken legte, wie sie sich lächelnd über ihn beugte, wenn er verstimmt und abgespannt dasaß — sein Herz er- zitterte bei dem Gedanken an all' die» Glück — da störte ihn ein Pochen an der Thür.
Unwillig richtete er sich empor. Sicherlich war es einer seiner Untergebenen, der ihm eine Meldung zu machen hatte. Wollte man ihm keine Ruhe gönnen? Sollte er nicht einmal mehr ungestört, nur für kurze Zeit, sich seinen Gedanken und Träumen hingeben?
„Herein!" rief er dann kurz.
Langsam wurde die Thür geöffnet — eine Frauengestalt trat ein. r,
Körber sprang überrascht empor — fein Blick war auf die Eiugetretene gerichtet — starr! Träumte er? Täuschte et sich — sie war es, und mit Freude und Schreck zugleich eilte er ihr entgegen.
„2üma — Anna! Sie sind es!" rief er.
Verlegen — enöthend stand da» Mädchen einen Augenblick lang da — dann faßte es sich schnell.
„Herr Kommissär!" sprach sie und ihre Stimme zitterte vor Aufregung — „ich komme zu Ihnen - helfen Sie — retten Sie — mein Bruder ist
Ein Taugenichts.
Die Geschichte eines Künstlers. Von Karl Reum ann-Strel«.
(Fortsetzung.)
„Aber die Frau Mutter," wandte er ein. „Wenn sie nämlich erfahren würde —"
„O," machte Marie und verzog das Mündchen, „hält Er mich für eine Plaudertasche? Ich verrathe nichts, und etwas Böses ist doch auch nicht dabei! Bitte, bitte, fange Er an. Und wenn er wünscht, daß ich das Bild nachher verbrenne, so wird es sicher
Sie barg das Gesicht in beiden Händen — sie schluchzte laut. r _ nn
Unfähig, sie zu trösten, stand Körber da. Was sollte er beginnen! Vergebens sann ee nach, ©te Verdachtsgründe gegen Hellmann mußten sich vermehrt haben, sonst hätte der Richter sicherlich nicht zu einem solchen Mitte! gegriffen.
Und dennoch blieb er fest von des Försters Unschuld überzeugt.
(Fortsetzung folgt.)


