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Kreisen, welche Fürst Friedrich besuchte, heimisch und $ beliebt war. Ob jene tolle Zeit mir größere Ehre | gemacht als die spätere, ist die Frage, genug, daß rs mir eines Tags vergönnt war, dem Fürsten, der mich gern hatte, einen nicht unwesentlichen Dienst zu leisten, welcher mir diese Schmarre eintrug I"
Ulrich strich bei diesen Worten das lockige Haar von der Stirn zurück, wo eine tiefe Narbe sichtbar wurde.
„Man wollte dem deutschen Fürsten die Goldfeder amrupfen, er war zufällig in schlechte Gesellschaft gerathen, weshalb sein Begleiter mich zum Schutzs hsrbeirief. Das Ende vom Liede waren einige Schüsse und Hiebe, von denen einer mir, dem Unverletzlichen, diesen Denkzettel einirug. Fürst Friedrich schwur mir ewige Freundschaft und so weiter, wovon ich natürlich bis zur Stunde keinen Gebrauch gemacht. In der letzten Nacht aber, als jene Stimme mir das Schwert des Damoklcs zu drohend zeigte, erfaßte mich plötzlich der Gedanke an diese Narbe und reiste als letzter Rettungsanker zum unerschütterlichen Entschluß."
„Den hoffentlich kein Kopfschütteln mehr umzustoßen vermag", rief Egon, triumphirend auf den Onkel blickend.
„Wahrscheinlich nicht", versetzte dieser lächelnd, „und ich füge ebenfalls ein „hoffentlich nicht" hinzu, weiser Cato I Uebrigens wundert es mich, daß unser Freund Ulrich bei solcher Unerschütterlichkeit unsere Rathschläge in Anspruch nehmen wollte."
„Weil ich es für heilige Pflicht hielt, meine besten Freunde davon in Kenntniß zu setzen", sprach Ulrich bewegt, glauben Sie aber nicht, daß dieser Entschluß mir so leicht geworden, könnte ich auf andere Weise meine Ehre aus dieser unseligen Ver- Wickelung retten, ich würde Alles lieber thun, al» auf eine That zmückzugreifen, deren Andenken an betreffender Stelle vielleicht längst erloschen, jedenfalls aber als peinliche Erinnerung verpönt worden ist." t _
„Glauben Sie das nicht, lieber Jmmendorfl" erwiderte der Major voll herzlicher Theilnahme, „der junge Fürst gleicht stimm verstorbenen Vater, mit dem ich in früheren Jahren häufig in nähere Beziehungen getreten bin, und dessen hervorragendste Eigenschaft die Dankbarkeit war, welche er stets al» eine heilige Schuld betrachtete. Der junge Fürst ist mir freilich persönlich weniger bekannt, doch legt ihm das Gerücht dieselbe Eigenschaft in einem hohen Grade bei. Du kennst ihn, Egon?"
„Ich wurde ihm vor unserer letzten Expedition Borgestellt."
„Das ist sehr günstig", nickt« der Major, „ergrei-
fett wir die Gelegenheit also ohne Zaudern beim Scbopf. Er hat sich bekanntlich jetzt zum zweiten Mole vermählt, wie ich höre, eine Herzensneigung. D;e erste Gemahlin zwang die Convenienz ihm auf, die Ehe blieb kinderlos, der Fürst wurde schon nach wenigen Jahren Wittwer. Jetzt wird er sich glücklich fühl« n an dcr Seite einer geliebten Gattin und
deshalb in jeder Weise bereit sein, Glück zu spenden Also, mein Rath ist der, noch heute die Stadt, wo Ihnen nur Gefahr droht, zu verlassen und in Egon'» Begleitung sich zu dem Fürsten zu begeben. Er weilt heute, wie ich vorhin gelesen, in W."
„Bravo, Onkel Major, der Rath ist wahrhaft gut und vernünftig", rief E^on ganz begeistert, „wann geht der nächste Zug in jener Richtung?"
Tellkamp blickte auf seine Uhr.
„In einer Stunde, glaubt Är bis dahin fertig zu werden?"
„Mit Leichtigkeit, nicht wahr, Freund Ulrich?"
„Gewiß, je eher aus dieser Mausefalle, desto eher zum Frieden. Tausend Dank, meine Freunde! — Ich eile nach Hause, um das Nöthige einzu- packen. Meins beste Empfehlung Ihren Damen! Ah!"
Er hatte sich der Thür zugewandt und blickte auf Magda, welche geräuschlos eingetreten war und sich jetzt bei Ulrichs Anblick verwirrt zurückziehen wollte.
„Sich' da, eine Uebsrrumpelung!" lachte der Major, „jetzt hilft kein Rückzug mehr, Kleine! vor« wärt« in's Gefecht!"
Magda lachte nun ebenfalls und reichte dem Gaste erröthend die Hand, welche er mit einem strahlenden Blick an die Lippen führte.
„Ihr Gruß soll mich begleiten, Fräulein Magda", sprach er leise, „als glückliches Omen meiner Zu- kunft mich ermuthigen, — darf ich denselben als ein solche» mit mir nehmen?"
Sie blickte ihn verwirrt an und fragte mit stockender Stimme: „Sie wollen doch nicht wieder fortgehen? — Die Heimath auf'» Neue verlassen?"
„O doch, Kleine, er geht mit mir nach Afrika", rief Egon rasch, „diesmal aber machen wir nm einen kleinen Ausflug, der keinen sentimentalen Ab« schied verdient. Allons, Freund Jmmendorf, wik haben keine Minute zu verlieren."
Ulrich küßte noch einmal das Händchen, welche« er nicht losgelaffen, tauschte einen innigen Blick mit ihr und verließ das Zimmer.
„Kannst mir einige Garderobestücke einpacke« helfen, Magda!" schreckte Egon sie etwas rauf empor, „muß in einer halben Stunde fort; komm, Kleine!" setzte er lächelnd hinzu, „siehst ja au« role eine egyptische Sphinx, grüße Deine holde Freund!« i von mir, welche sich die Abreise ihres Bruders hoffentlich nicht so sehr zu Herzen nehmen wird."
Ec ergriff ihre Hand und zog sie mit sich fort in's Nebenzimmer, während der Major, hastig auf' und abschreitend, nichts davon bemerkt zu habe« schien.
„War habt Ihr vor, Egon?" flüsterte Magda jetzt angstvoll, „Herr von Jmmendorf'« Benehme« schien auf eine große Gefahr hinzudeuten." ,
„Unsinn, Kind", lachte Egon, „er ist verlick daher seine Sentimentalität."
„Dann bist Du r« also nicht?" forschte Magda, deren rügende» Antlitz sich in Gluth getaucht hatte-


