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Reinem Hause bequemen, wobei allerdings in den nächsten Tagen auf keine vertrauliche Erörterung zu hoffen ist. —"
„Sie könnten immerhin bei uns einen Besuch wagen, ohne von Tante Irmgard gesehen zu werden, Herr Major!" bemerkte Hedwiga etwas zögernd.
Tsllkamp sah ste nachdenklich an.
„Meinen Sie? — Nun, wir werben schon das Richtige finden, meine kleine Gnädige! — Hier meine Hand darauf, ich reite den armen Ulrich trotz aller Wachen und Spione. Er darf um keinen Preis in die Hände der Polizei fallen, da man ihn unbedingt für den Thäter halten und verurtheilen würde. BZ» wahren wir also das Gesetz vor einem Justizmord, da es schwer fallen dürfte, seine Unschuld fest- zustellen. —"
„Zumal ihn Niemand als den Sohn unseres Hauses erkannt hat", setzte Hedwiga tief aufath» mend Hinz«.
„Was uns besonders zu statten kommen soll", sprach der Major zuversichtlich, „hoffen wir da« Beste, Fräulein Hedwiga! — Und nun —"
„Werde ich mich empfehlen, bevor Ihre Damen mit dem Erwarteten eintreffen. — Ach, da sind sie schon!"
Ein Wagen hielt vor der Thür. Während der Major, nachdem er Hedwiga gebeten, zu bleiben, das Zimmer verließ," um den Heimkehrenden zu begrüßen, entfernte sich diese ebenfalls, und huschte eiligst auf einem anderen ihr bekannten Weg aus dem Hause, da es ihr zu peinlich erschien, als Fremde bei dem ersten Wiedersehen zugegen zu sein.
Es war ein gar herzlicher Empfang, welcher dem Neffen von dem Onkcl Major zu Theil wurde. Der Sohn seiner Schwester, Egon Dörner, war ein ernster, junger Mann von 28 Jahren, viel zu ernst und zu gereift für seine Jugend, wie die Frau Mama bedauernd meinte, obwohl ste voll mütterlichen Stolzes auf den schönen, von einer südlichen Zone gebräunten Sohn schaute, welcher sich bereits einen berühmten Namen in der wissenschaftlichen Welt erworben hatte.
Bor fünf'Jahren war Egon mit einer Afrika- Expedition hinausgezogen, und als kühner Forscher und Reisender bekannt und geehrt worden. Sein erstes wiffenschaftliches Werk hatte Epoche gemacht und sein Ansehen in der gelehrten Welt fest gegründet, durfte die Familie nicht stolz sein auf diesen Angehörigen?
„Ich wundere mich, daß ein berühmter Mann genau wie andere Menschenkinder aursieht", meinte seine Pflegeschwester, die hübsche blonde Magda, ihn muthwillig von allen Seiten beschauend. „Habe ich mir doch steif und fest eingebildet, daß so ein Mann, welcher jahrelang die Welt durchwandert und mit Wilden aller Art verkehrt hat, ein ganz aparte» Aussehen haben müsse, etwa —"
„Nun, etwa?" fragte Egon lächelnd, al« ste\ stockend nach dem rechten Ausdruck zu suchen schien, i
| „Ach, wie ein Häuptling mit Federnschmuck und Tätowirung", lachte Magda fröhlich auf.
„Aber Kind, welche absurde Idee!" rief die Mama entsetzt.
„O, ich finde diese Idee sehr natürlich, liebe Mama!" bemerkte Egon in seiner ruhig ernsten Weise, „in früheren Zeiten wäre sie vielleicht ver< wirklicht worden, da kein Mensch des damalige« civiliflrten Europas uns anders Glauben geschenkt \ haben würde. Wir find übrigens bei den Neger« i gewesen, kleine Magda", setzte er lächelnd hinzu, !„wo jeder Stamm seinen König besitzt, die einzige Cultur, auf welche ste Anspruch machen. Und für einen Neger könnte ich meiner Hautfarbe nach bei« I nahe schon passtren."
„Bewahre Gott, mein Junge!" lachte der Major, l sich behaglich in eine Sopha-Ecke drückend, „Du l siehst mit Deinem ernsten Broncegeficht wie ein ara> bischer Emir aus. Komm', mach' Dir's bequem, nimm die andere Ecke ein; sorge für einen guten Credenztrunk, Magda!"
„Der Frühstückstisch ist im Speisezimmer herge- I richtet, Rudolf!" bemerkte die Regierungsräthin, zu i ihrem Bruder gewendet. „Wir wollen Euch dort i erwarten."
„Gut, gut, liebe Clotilde", nickte der Major zufrieden, „laß uns einstweilen Cigarren bringen."
Im nächsten Augenblick waren die beiden Herren allein und zündeten sich eine Cigarre an. In den Sopha-Ecken zurückgelehnt, beobachteten sie mit einer f Art Andacht die kunstvollen Ringel des duftigen ! Krautes, welche langsam zur Decks emporstiegen.
Der Onkel schien dabet einen sorgenvollen Ge- f danken zu verfolgen, da sein Gesicht sich ungewöhn- z lich umwölkte.
„Du kennst doch die Familie von Jmmendorf", fragte er plötzlich so unvermittelt, daß der schweigsame Neffe erstaunt emporfuhr.
„Freilich, — freilich — so aus respektvoller Entfernung, lieber Onkel!" versetzte Egon geradezu verblüfft, weil er von der Jugendliebe desselben genug erfahren hatte, um von einer solchen Frage nicht im höchsten Grade überrascht zu werden.
„Der Freiherr ist im vorigen Jahre gestorben", \ fuhr der Major, nur mit seinen Gedanken beschäf- j tigt, rasch fort, „die Familie, ich meine diese letzte l Generation, ist von schweren Schicksalen heimgesucht worden. Vielleicht hast Du früher davon vernommen?"
„Es ist mir so, als ob sich dort vor vielen Jahren ein Drama abgespielt habe", versetzte Egon, den Onkel nachdenklich anblickend, „handelt es sich nicht um ein Duell, einen Treubruch oder dergleichen?"
„Ja, um beides", nickte der Major, „in Folge dessen die älteste Tochter des freiherrlichen Hanfes, welche gerade vermählt werden sollte, von einem Schlaganfall betroffen wurde, welcher eine lebenslängliche Lähmung zur Folge hatte."
„Jetzt erinnere ich mich, Onkel, — da» Duell fand zwischen dem Freiherrn von Jmmendorf und einem Grafen — wie nannte er sich doch?'!
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