M
Are Krdöeere.
Von H. Salchow.
(Schluß.)
Am besten gedeiht die Erdbeere auf sandigem Lehmboden, der lief gegraben werden muß, weil die Erdbeere, sofern er ihr irgend möglich, 2-3 Fuß tief mit der Wurzel geht. Um reichlich zu tragen, sagt ein Fachmann im „Schlesischen Landwirth", bedarf die Erdbeere viel Nahrungr stoss, weshalb eine starke Düngung sich nothwendig erweist. Die beste Methode, Erdbreren zu bauen, ist auf Beeten, jeder etwa mit drei ca. 35 Centimeter von einander entfernten Reihen, in welche die einzelnen Pflanzen 30-35 Centimeter von einander entfernt gepflanzt werden. Indem jede» Beet genügend von dem an. dern durch einen breiten Weg getrennt ist, kann man bei der Ernte, ohne zwischen den Reihen herumzu- treten, was von großer Bedeutung ist, jede Beere leicht erlangen. Für die beste Pflanzzeit gilt in England der April, indeß kann das während dec Monate April bis Sep'ember erfolgen, nur werden die später gepflanzten Beete im nächsten Jahr wrni- ger reichlich tragen. Zweckmäßig ist er, die Beete alle 2—3 Jahre zu ermuern und zu verlegen, weil die jungen Pflanzen leichter tragen und schönere Früchte liefern, als die älteren.
Um viele und gute Erdbeeren zu haben, ist es nothwendig, die Berte rein zu halten, mindesten» bis zur Reisezeit hin darf das Unkraut nicht aufkommen. Ist zur Zeit des Fruchtansatzes die Witterung trocken, so empfiehlt sich das Begießen sehr, doch darf dies nicht ein öftere« Besprengen sein, sondern es muß ordentlich den Boden anfeuchten, wenn es dann auch nur seltener geschieht. Ebenso wenig ist es zu versäumen, bis zur Reifezeit alle Ausläufer zu ent. fernen, weil durch solche der fruchttragenden Pflanze zu viel Kraft entzogen wird, und selbst später nach der Ernt« ist es zweckmäßig, diese Buüäufer abzu- lösen, da bei solcher Behandlung viele Arten noch eine zweite Ernte bei günstiger Witterung liefern. Das Pflücken der Erdbeeren sollte nur geschehen, wenn st« nicht von Thau oder Regea feucht sind, ober auch nickt bet brennendem Sonnenschein. Bei trockenem Wetter ist das Aroma am schönsten; schon bei einem leichten Regenschauer wird es bedeutend abgeschwächt. Die Vermehrung der Ecdbrerpflanzen geschieht fast immer und sehr leicht durch die Ausläufer, und nur um neue Sorten zu erzielen, werden von Handels» gärtnern und Liebhabern Pflanzen aus Samen ge. zogen. Auch in Töpfen gezogen ist die Erdbeere sehr dankbar und eignen sich hierzu besonders die großsrüchtigen Sorten. L
Den alten Griechen und Römern scheint die Ecd» beere als Gartensrucht unbekannt gewesen zu sein;
wenigstens wird ihrer von keinem Schriftsteller der j Alten Erwähnung gethan. In Deutschland ist sie ?
als Walderdbeere offenbar schon sehr lange in Be. Nutzung, als Kulturpflanze finden sich über sie jedoch weit später Spuren al« in England. Dort muß sie bereits seit vielen Jahrhunderten cultivirt worden sein; schon in einer Urkunde au« der Zeit Hein» rich« VI. (1422-1461) wird ihrer als einer hochgepflegten Frucht gedacht. Ebenso war der Garten de« Bischofs von Ely zu Halborn schon im Jahre 1483 wegen der ausgezeichneten Erdbeeren so bekannt, daß Shakespeare in einem seiner Dramen anspielen konnte. Johannes Popp sagt in seinem obenerwähnten Buche, daß das aus den Erdbeeren destilirte Woffer das Herz stärke, die Brust reinige, den Menschen von der Geelsucht abhelfe und ein frisch Gemüth mache. Als Wafchwaffer wird cs noch hcutzutage häufig verwendet, besonders zur Ber» trribung von Sommersprossen. Ein Erdbeerbrei, auf Füße , und Finger im Sommer aufgelegt, soll gegen da» Erfrieren derselben im Winter schützen. Ltm.ö befreite sich durch massenhaften Genuß von Erdbeeren vom Podagra, doch verursacht ein solcher bei manchen Personen den Nesselautschlag. Auch bei nüchternem Magen genossen, sollen die Erdbeeren keine gute Wirkung haben, ebenso bei Wassersüch- tigen. In welcher Weise, ob frisch gepflückt, oder mit Milch, Sahne, Wein oder Zucker zubereitet, Erdbeeren am besten munden, ist natürlich Geschmackssache; im Sommer ist Erdbeerkaltschale jedenfalls ein sehr erquickendes Getränk.
Wie hoch die rothe Frucht von jeher geschätzt worden ist, beweist ein altes Sprichwort, welche« sagt: „Wegen einer Erdbeere sollte ein Mann neun Mal vom Pferde steigend
Ein schweizerisches Kinder-Räthsel lautet;
Es etSt ebbes ufem r81e, h6t nu ß bei« und » roth kröpfle ?
was auf hochdeutsch heißt: Er steht etwa« auf dem Rain, hat nur ein Bein und ein rothe» Köpfchen? — Besondere Liebhaber der süßen Frucht sind die Kröte und die Ameisen, und sie machen so dem Menschen den Genuß der Erdbeere streitig, welche derselbe in zahlreichen Gedichten gefeiert hat. Ein» der hübschesten ist wohl da» de» Tyroler Poeten Hermann von Gilm, welcher singt:
Munter, gleich den jungen Schwalben, Gingen wir auf Erdbeerleese, Lilien in weißen Alben Hielten uns die Katechese: „Walderdbeeren müßt ihr ohne Zucker, ohne Zimmt genießen, Nicht den Essig der Citrone, Nicht Burgunder daran gießen.
Laßt sie in der süßen Schale Rother Lippen halb zerdrücken, Um sie dann zum zweiten Male Noch mit einem Kuß zu pflücken!" ,
Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen.


