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HtnstHtlich der Pflege des Haares ist als oberster Grundsatz. hinzustellen, daß jede andauernde über» «tägige Rchm'g der Kopfhaut durch allzufestes Binden und zerrende Frisuren, durch zu starkes Bürsten und häufiges Brennen, durch zu schwere (Helme) oder schlechtsitzende Kopfbedeckungen, durch kalte Duschen auf den Kopf und dergleichen, dem Haarboden außerordentlich leicht schadet und deshalb durchaus unterbleiben soll. Auch zu starke Wärme- entwickelung durch Pelzmützen, sowie zu schneller Wechsel zwischen Wärme und Kälte find dem Haar- leben höchst gefährlich.
Hebet den Einfluß des Verschneidens der Haare auf die Ernährung des Haarkeime« find die Mein- ungen der Aerzte getheilt. Verfasser läßt stch regel« mäßig jeden Monat, auch im Winter, aber nur bei zunehmendem Monde das Haar kurz schneiden und ist durch dieses Verfshren dem früher rapid bestehenden Ausfallen der Haare Einhalt gsthan worden und die vor ca. 8 Jahren beginnende Glatze wieder verschwunden. Erwähnt möge noch sein, daß Ver« fasier niemals Haarfette oder Haarfärbemittel an- wendet.
Das Ergraue« der Haare ist eine Erscheinung, welche meist mit dem Aller eintritt und ebenso mit dem Erlöschen der Lebenrthätigkeit zusammenhängt, wie die Abnahme der Ernährung aller anderen Organs im Alter.
Bei besonders heftigen Gemüthrdewegungen kann aber das Ergrauen des Haares auch über Nacht stat« finden, wie dies bei Marie Antoinette, Thomas Morus, Ludwig von Bayern u. a. der Fall ge- westn ist.
Schönes Haupt« und Barihaar aber gilt schon von altersher sU ein natürlicher Schmuck. Und so hat der Verlust, ganz besonders des Haupthaares zum Handel mit Menschenhaaren geführt.
Heute, wo der Sklavenhandel zu den überwundenen Krankheiten der Menschheit gehört und der Mensch nicht mehr als „Maare" aus den Markt1 gebracht werden kann, ist das Haar als der einzige verkaufsfäh'.ge Artikel des menschlichen Körpers zu betrachten.
Schon in früher Zeit trugen alle jene, welchen aus irgend einem Grunde der HaarHmuck in der Mengs oder brr Beschaffenheit nicht genügte, falsche Haare; z. B. die eitlen Römerinnen, die stch gern mit den blonden Zöpfen germanischer Jungfrauen schmückten. Für die Gegenwart giebt das „Chignon" wohl den besten Beweis.
Aber nicht nur zu Perrücken und Zöpfen wird dar Haar verarbeitet, auch Bänder, Ringe, Uhrketten, ja sogar Fußsohlen weiß die Industrie der Gegenwart daraus zu fertigen, und es ist daher begreiflich, daß der Handel mit Menschenhaaren in großer Blüthe steht.
Unter den Ländern nun, welche Menschenhaare auf den Markt bringen, stehen Frankreich, Italien und Norddeutschland oben an, während Belgien, Oesterreich und Rußland weniger, dagegen England nur verschwindend wenig zu diesem Handelszweige beiträgt. Die feinsten Haare liefert Frankreich, während als gröbstes und hartes Haar das der Inder und Chinesen genannt wird. Das blonde, flachsfarbtge Haar entstammt meist dem Norden und Deutschland, Holland, vor allem aber Schweden und Norwegen machen damit gute Geschäfte. Die langen dunklen und schwarzglänzenden Haare entstammen meist Italien und Spanien. Die rothen Haare find die seltensten und werden von den sachkundigen Haarhändler am theuersten bezahlt.
Der eigentliche Haupthandelsplatz für Menschenhaare ist Marseille, wo die Einfuhr aus Italien, Spanien und den französtschen Provinzen erfolgt. Auf den Marseiller Markt kommen nach Dr. von Scherzet jährlich mehr als 25 000 Kilo.
Der Preis, wie ihn Friseure und Petrücken- macher bezahlen, richtet sich stets nach Güte, Länge und Farbe des Haares und steigt pro Kilo von 8—30 Mark; besondere rothe Farben werden b.s 100 Mark pro Kilo bezahlt. In England schwankt der Preis von 2-15 ah pro Kilo für Mittel- Qualitäten, erreicht aber für ausgezeichnete Maare in rohem Zustande die Höhe von 40 sh. In Amerika ist bet Preis 6 Cents pro Unze, yn Frankreich wird beim Ankäufe gewöhnlich je nach dem Gewichte und der Schönheit des Haares einer Person 1—6 Franken bezahlt. Hier werden jährlich gegen 100 000 Kilo Menschenhaare auf den Markt gebracht. England verbrauchte im Jahre 1860 für ca. 19 000 Lstrl. Haare. Das mittlere Gewicht des fravsöstschen Haarzopfes beträgt 15, das eines italienischen 18, und das eines deutschen 30 Neu- loth. Das deutsche Haar kommt selten rein auf den Markt, sondern meist vermischt, um die geringere Qualität zu verdecken. Das Stirnhaar ist, weil überhaupt minderwerthig, fast ganz vom Handel ausgeschloffen.
Ganz besonders schweren Stand haben nun die Haarhändler beim Einkäufe; das Prüfen und Sortieren der einzelnen Flechten erfordert ganz eminente Kenntnisse und Fertigkeit. Unterscheidet doch ein routintUer Haarhändler franzöfische und deutsche Haare schon durch den Geruch. Erwähnt sei noch, daß der Preis des zubereiteten Haares 4-5000/g thsurer ist, als rohe Maare. Daher ist es leicht erklärlich, daß die „Zopfabschneider" häufig pro Zopf nur 1 — 3 Mark zahlen, während die „Dame vom Stande" 20 und 30 und bis 100 Mark dafür ausgeben muß. Egon W.
Aedaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


