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ben Monatlichen Zuschuß zu Deiner LierrtenaNt-'aagZ durch mich aurzahlen ließ. In Wahrheit verhält sich die Sache ganz anders. Deins Mutter ist allerdings längst aus dem Leben gefchirdrn, aber Dein Vater lebt."
Mein Vater lebt?" rief Thalheim aufs Höchste überrascht. „Wo lebt er? Und Wenn er lebt, warum verbirgt er sich mir? Mein Gott, Onkel, Du machst mich besorgt, — er lebt doch nicht in Verhältnissen
„Unbesorgt, er lebt in den besten, den angesehensten Verhältnissen."
„Aber warum hat man mir aus seinem Leben ein Gehrimmß gemacht? Onkel, hier ist nicht Alles in Ordnung!"
„Höre mich nur erst Zweiter an! Dein Vater war in Deinen Jahren, als er sich in ein junges, hübsches Mädchen verliebte und den thörichten Streich beging, ftch, was bei den damaligen, weniger ge. ordneten standesamtlichen Verhältnissen noch möglich war, heimlich mit ihr zu vermählen. Seine Eltern waren schon tobt, aber vor seinen Vorgesetzten mußte er die Ehe aus's Sorgfältigste verbergen» weil es ihm, wenn sie es erfahren, den Dienst gekostet haben würde, da er ohne deren Konsens sich verheirathet hatte. Nach einem Jahr wurdest Du geboren, aber Deine Geburt kostete Deiner Mutter das Leben. Hatte Dein Vater bis dahin feine Ehe verleugnen müssen, so mußte er auch die Existenz eines Sohnes verleugnen, denn die feine blieb gefährdet, wenn noch nachträglich bekannt geworden, was er gegen die Gesetze seines Standes gefehlt. Er hatte früher ein Mal bei uns gewohnt, und so kam es, daß er uns ins Vertrauen zog und das Kind uns übergab. Seine damaligen pccuniären Verhältnisse waren nicht glänzend, dennoch wußte er von seinen geringen Einnahmen das Kostgeld zu erübrigen. Jetzt bekleidet er eine angesehene Stellung und bezieht ein größeres Gehalt. Ob es je seine Absicht gewesen, Dich noch einmal öffentlich anzuerkennen und bas Gehöimniß zu lüsten, wer kann e§ wissen. Jetzt aber, ich kann es Dir nicht verschweigen, hat er das Band zerrissen, das Euch verknüpft, er sagt sich für alle Zeiten von Dir los. Er hat mir vier- l hundert Thaler eingehändigt, die ich Dir für die Reise, nicht in seinem, aber in meinem Namen übergeben soll, und damit will er jede Gemeinschaft mit Dir als aufgehoben vetrachten."
„Und so kann ein Vater handeln? Dann hat er seinen Sohn nicht geliebt! O, diese Nachricht ist nicht minder schmerzlich, als daß man mich für ehr- los erklärt."
„Ich wolle Deinen Schmerz nicht vermehren, i ich habe es Dir in guter Absicht gesagt. Du kannst ] in Amerika in Noth gerathen, dann würdest Du t Dich nicht an mich wenden, da Du weißt, daß ich ! Dir von meiner kleinen Einnahme nichts schicken! könnte, aber Du würdest es, so dachte ich, dennoch ' vielleicht thun, nachdem Du erfahren, daß Du noch i einen Vater hast. Ich würde nicht zögern, ihn sofort ’
davon in Kenntnis, zu setzen, und ich bin Überzeugt, daß er Dich nicht im Stiche liehe. Ist er auch selbst nicht v-rmögend, so hat er doch sehr reiche Verwandte, die ihm ihre Hülfe nicht versagen würden."
„Und Du glaubst, ich würde von einem Vater auch nur einen Heller cmnehmm, der seinen Sohn verstoßen, der sich für ewig von ihm lorsagen konnte?"
„Freilich, freilich I Ich kann Deine Gefühle wohl begreifen. Ich hätte mein eigen Fleisch und Blut nicht so verdammen können!"
„Nein, eher will ich in dem fremden Lande verhungern, Onkel, bringe ihm das Geld zurück, gottlob befindet sich in meinem Besitz noch so viel Baar- schäft, daß ich damit die Reise nach Hamburg und die Ueberfahrt nach Amerika bezahlen kann, und dann muß Gott weiter helfen! Und wenn Du es ihm übergicbst, dann sage ihm, — doch nein, ich will ihm schreiben!"
„Schreiben, Franz?"
„Unbesorgt, Onkel, ich will nichts von ihm erbitten, im Gegeniheil! Versprich mir, ihm den Brief einzuhändigen, aber nicht sogleich, nach vierzehn Tagen etwa, wenn Du mit Sicherheit annehmen kannst, daß ich Europa verlassen, damit er nicht glauben soll, der Inhalt könnte darauf ber.chnet sein, ihn zu rühren und an sein väterliches Herz zu appslliren. Du kannst den Brief vorher lesen."
„Ich will die letzte Bitte, die Du an mich richtest, Dir nicht abschlagen, wenngleich, ich weiß es, sein Unwille mich treffen wird, daß ich Dir überhaupt von der Existenz eines Vaters etwas verrathen. Aber mag er zum ersten und einzigen Mal die Stimme seines Sohnes noch hören, und wenn er dann etwas milder über Dich denkt, so will ich, wenn dies erreicht wird, seine Vorwürfe rühm hin- nehmen."
„Kannst Du mir seinen Namen nicht nennen, Onkel?"
„Nein, das würde er mir nie verzeihen."
„Daß er Officier ist, liegt auf der Hand, denn sonst könnt" er nicht wissen, was mir widerfahren
„Das kann ich nicht leugnen."
„Sage mir nur das Eine, ist es der Obrist Tramm?"
„Obrist Tramm?" rief erschrocken der Vormund aus. „Weich' ein Gedanke! Wie kommst Du darauf? Nein, nein, der ist es nicht! Um Gottes willen, glaube das nicht!"
„Es fiel mir nur plötzlich ein, daß der es sein könnte. Doch nein, es ist ja auch nicht möglich, denn sonst hätte er mich heute als Präsident des Ehrengerichts nicht so kalt verurtheilen können. Wer kann es denn sonst sein?"
„Denke nicht weiter darüber nach, Franz, einen Fingerzeig kann ich Dir doch nicht geben."
„Es ist auch vielleicht besser, wenn ich e« gar nicht erst erfahre."


