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Derselbe^ schreibt: 1. Das Dreirad bedürfe einer gewissen Anstrengung, dasselbe zu fahren, namentlich bei schlechten Wegen; 2. das Dreirad ist nur auf breiten Straßen, nicht aber auf Feld- oder Fußwe­gen zu gebrauchen; 3. bereiten selbst geringe Boden­erhebungen dem Fahrer die größten Schwierigkeiten; 4. ist die Fahrgeschwindigkeit eine sehr geringe und kommt kaum dem Trabe eines mittelmäßigen Pferdes gleich; 5. hat das Dreirad den großen Nachtheil, daß es namentlich beim Kurvenfahren leichter nach der Seite umkippt als das Zweirad; 6. fällt das Dreirad, so wird gewöhnlich ein Rad derartig unbrauchbar, daß es einer großen Reparatur bedarf. Der Vortheil des raschen Erlernens wird zum Theil dadurch auf­gehoben, daß beim Fahren ein falsches Sicherheitsgefühl hervorgerusen wird, der Fahrer aufhört, vorsichtig zu sein und dadurch zu Fall kommt. Jeder, der ein Drei­rad sieht, meint daraus fahren zu können. So lange die Straße eben und glatt ist, geht es auch, bei der geringsten Unebenheit aber fängt es zu hapern an und beim ersten Rinnstein fällt der Neuling ohne vorherige Warnung, sicher um.

Gegen die Nachtheile des Dreirades kommen die Vortheile des Zweirades in Betracht: 1. Kann man der größeren Leichtigkeit und Schnelligkeit halber weitere Strecken zurücklegen. 2. Ist das Zweirad auf allen Wegen und bei jedem Wetter zu gebrauchen. 3. Fällt man schließlich mit dem Zweirad, so sind gewöhnlich keine oder doch nur geringe Schäden daran. 4. Zeigt die Statistik der Unfälle beim Eilradfahren, daß mit dem Zweirad verhältnißmäßig weniger Unfälle vorkommen als mit dem Dreirad. Zur Einführung in das Heer würde sich meiner Ansicht nach das Safety-Zweirad mit Kastor-Körnersteuerung am besten eignen. Das Safety ist eine neue Erfindung und wurde Anfang vorigen Jahres sehr beliebt. In der letzten Zeit hat es vielfache Verbesserungen erhalten. Die Vortheile vor den übrigen Zweirädern sind die, daß ein Sturz vornüber, infolge des weit hinten sitzenden Sattels, fast unmöglich wird. Man kann mit ihm Absätze von 2030 Ctm. herunterfahren. 5. Kann durch eine einfache Vorrichtung der Sattel höher oder tiefer gestellt werden, mithin dasselbe Rad von zwei ganz verschieden großen Personen benutzt werden.

Was die Verwendbarkeit des Zweirades in der Armee betrifft, so halte ich es geeignet für folgende militärische Dienstzweige.

a) Im Festungsdienst könnten die Meldereiter auf den Forts durch Radfahrer mit Vortheil ersetzt werden. Nach der Felddienstordnung legt der Reiter bei abwechselnd Trab und Schritt den Kilometer in 6, bei Trab in 4 Minuten zurück. Der Radfahrer braucht auf nicht zu weite Entfernung (1015 Kilo­meter) für den Kilometer 2J/2 Minuten, würde also in den meisten Fälleu schneller am Bestimmungsort sein; dazu kommt, daß der Reiter bei Nacht kaum scharfen Trab oder Galopp reiten kann; der Rad­fahrer aber bei Nacht, da er nicht viel auszuweichen

braucht, eher schneller fährt. Glatteis oder scharfer Frost, die das Reiten unmöglich machen, hindern den Radfahrer nicht, da ihn der Gummireif vor dem Ausgleiten schützt. Tiefer Sand oder Schnee allein hindern das Radfahren.

b) Bei dem Vorpostendienst können durch richtige Verwendung der Radfahrer die Abkommandierungen der Kavallerie auf ein Minimum beschränkt uud letztere hierdurch wesentlich entlastet werden. Bei Ueber- mittelung von Befehlen wird auf Strecken, auf denen der Feldtelegraph noch nicht eingerichtet, nach der Felddienst-Ordnung Relais derartig aufgestellt , daß bei kurzen Strecken von 10 zu 10 Kilometer einzelne Reiter, bei größeren Entfernungen aber schon Abthei- lungen von 1 Unteroffizier mit 610 Mann in größeren Abständen den- Dienst versehen müssen. Nach meiner Ansicht würde das Relais, durch Rad­fahrer gestellt, ebenso sicher, schneller und mit weniger Kosten verbunden sein. Der Kavallerist kann die Strecke von 10 Kilometer bei Galopp und Trab in etwa 30 Minuten zurücklegen. Dieselbe Schnelligkeit kann der Radfahrer auf einer Strecke von 3040 Kilometer ohne Unterbrechung aushalten. Betragen bei Relaisposten auf weitere Entfernungen die Ab­stände 1520 Kilometer, so wird ein Radfahrer bei derselben Schnelligkeit so viel leisten wie zwei Relaisposten, wobei noch zu bemerken ist, daß ein kräftiger Radfahrer dieselbe Leistung dreimal an einem Tage ohne Anstrengung bewirken kann. Es ist dies nicht etwa Theorie, denn ich habe selbst, ohne gerade körperlich stark zu sein, Pfingsten vor zwei Jahren von Mittags 123 Uhr die Strecke von über 56 Kilometer, um ein Versprechen halten zu können, zu dem Wohnort eines beurlaubten Kameraden in der Mittagshitze zurückgelegt. Zu dem Rückweg am Abend brauchten wir, da unsere Laternen infolge eines Unfalls (wie früher bei hohen Rädern) zerbro­chen waren, in der Dunkelheit vier Stunden. Als Sohn eines Artillerie-Offiziers habe ich früher viel geritten, kenne daher auch die Kunst aus Erfahrung und behaupte, mit bedeutend weniger Anstrengung und in kürzerer Zeit 150 Kilometer auf dem Rade, als 100 auf ein und demselben Pferde zurücklegen zu können. Wir hatten bei einer Fahrt einen starken Hund bei uns, den wir nach etwa 30 Kilometer bei einem Bauer zurücklassen mußten, weil der Hund nicht mehr weiter konnte, und doch hält ein Hund mehr aus als ein Pferd. Wenn der Kavallerist auch auf 5 Kilometer einen Vorsprung von 1 Kilo­meter gewinnt, bei 20 Kilometer ist er um 4 Kilo­meter geschlagen. Zum Rekognoszieren wird sich das Rad nur in sehr seltenen Fällen, vielleicht da, wo Glatteis das Reiten unmöglich macht, verwenden lasten.

c) Bei der Feldpost würden Radfahrer ebenfalls mit Nutzen zu erwerten sein. Kann doch ein Rad­fahrer bis zu 20 kg, also etwa 3000 gewöhnliche Briefe, ohne viel davon beschwert zu sein, mit aufs Rad nehmen.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.