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er stch die feinige an den Kleidern abgsrieben halte, dann schaute er erregt in das Geficht des vermeintlichen Erben von Trefsilian-Hof.
Er war ein sehr alter Mann, drssen Arbeitstage wohl längst vorüber waren. Zur Zeit von Sir Arthur's Großvater war er Obergärtner in Tressi- lian-Hof gewesen und hatte auf seinem Platze aus- geharrt, trotzdem die Jahre gekommen waren und ihm das Arbeiten nach und nach zur Unmöglichkeit gemacht hatten. Sir Arthur hatte schon längst einen jungen Mann angestellt, der die eigentliche Garten« aufsicht führte; aber der alte Luke war dem Namen nach Obergärtner. Denn Sir Arthur war zu zart« fühlend, um den alten Mann, für den die Heber« zeugung seiner Entbehrlichkeit der härteste Schlag gewesen wäre, ganz zu penfioniren.
Mit trüben Augen schaute der Alte in das Helle, ruhige Gesicht, das zu ihm herab lächelte.
„Aber Ihr habt Euch verändert, Master Guy", sagte er mit zitternder Stimme. „Ihr habt Euch sehr verändert! Ihr seid also mein schöner, heiterer Guy — mein edler, offenherziger Knabe ? Es scheint säst unmöglich!"
„Ihr vergeßt, daß Jahre, Krankheit und Reisen einen Menschen verändern, Luke, sagte Sir Arthur freundlich. „Mein Sohn ging als Knabe fort, er kommt als Mann zurück. Aber er ist noch derselbe, Guy. Ihr werdet finden, daß er noch dasselbe Herz hat."
„Ich hoffe es — ich hoffe es!" murmelte der alte Luks, während ein Schatten von Traurigkeit sein Gesicht überflog, als er unverwondt zu dem Eindringling emporschaute. „Es ist alles Recht, Sir Arthur. Aber bis zu diesem Augenblicke habe ich ■ es nicht geahnt, daß ich meinen Knaben verloren habe. Statt des Knaben ist ein Mann zurück- gekommen."
„Den Ihr hoffentlich ebenso lieb haben werdet, als den jungen Guy", sagte Lowder. „Ich kann nicht meine ältesten Freunde verlieren und Euch am wenigsten."
Er sprach mit scheinbarer Aufrichtigkeit, welche ihm die Herzen Sir Arthur's und Blanche's noch mehr gewann. Rach einer kürzeren weiteren Unterredung mit dem Gärtner wanderten Sir Arthur, Blanche und Lowder weiter; und der Letztere gra- tulirte sich innerlich über die Geistesgegenwart, mit der er sich aus einer gefährlichen Verlegenheit geholfen hatte.
„Ich muß mehr auf meiner Hut fein", dachte er. „Und muß dieses ungestüme, freie offenherzige Wesen aufgeben. Im Anfangs kann ich nicht vorsichtig genug sein. Es kann Abgründe geben, wo ich sie am wenigsten vermuthe."
Inzwischen hatte der Gärtner seine Hacke aufgehoben und sich darauf stützend, schaute er dem jungen Manne mit verwirrter und sehr bekümmerter Miene nach.
„Und das ist also Master Guy?" murmelte er. „Wo sind seine lachenden, blauen Augen, sein fröhlich
heiteres Lächeln, seine feine, hellklingende Stimme? Wie stolz Sir Arthur auf ihn zu sein scheint! Was für schüchterne, liebliche und einnehmende Blicke Fräulein Blanche ihm zuwirft. Ich glaube, Master Guy und Blanche werden noch ein Paar werden. Und doch! Und doch! Es ist etwas Falsches in seinem Lächeln und sogar in seiner Stimme. Ich bin ein alter Mann und habe es gelernt, Gesichter zu erkennen. Und von allen Gesichtern, in denen ich gelesen habe, ist dies das schönste und falscheste. Armer Sir Arthur. Es steht ihm ein großer Kummer bevor."
Fünfzehntes Kapitel.
In vie Enge getrieben.
Eine Stunde war vergangen — eine lange qualvolle Stunde für das schmerzlich bewegte Mädchen und noch immer war weder Krigger, noch der fiel» Narrische Kutscher nach der Villa zurückgekehrt. Olla hatte ihren Platz an dem Fenster eingenommen» ihre ängstlich blickenden Augen starrten auf jenen Punkt, an dem sie Guy Tressilian verschwinden gesehen, ihre zarte Gestalt durchflog ein leises Beben.
„Was werden diese Unmenschen mit dem Unglücklichen angefangen haben", begann das Mädchen mit vibrirender Stimme. „Vielleicht sind sie hart und grausam mit ihm umgegangen."
„Beruhigt Euch, mein süßes Lieb — sie haben ihm nichts zu Leide gethan", entgegnete die Amme.
„O, ich weiß, daß sie zu Allem im Stande sind", bemerkte Olla ungestüm, öffnete das Fenster und trat auf den Balkon hinaus.
Herr Gower, welcher in Abwesenheit Kriggrr's den Wachtposten eingenommen, erhob stch bei Olla'« Erscheinen und begann, indem er gegen die Dame eine höfliche Verbeugung machte: s„Nun, mein Fräulein, habt Ihr Euch entschlossen, auf meine Pläne einzugehen und wünscht Ihr vielleicht meinen Besuch?" „Wagen Sie nicht bis zu mir zu dringen — Ihrs Handlungsweise hat Sie in Ihrem wahren Lichte gezeigt — ich habe genug von Euch gesehen, Herr Deverevx Gower. Wo ist Popkey?"
Der treue Diener trat aus dem Schatten eine» Baumes hervor — allzeit dem Befehle seiner jungen Herrin gewärtig.
„Geht augenblicklich nach der Hütte der Frau Vicini und seht nach, wie sich der Unglückliche befindet und wie man ihn auf dem Transporte dahin behandelte. Zaudert nicht, geht sofort."
„Ich kann Euch die Beruhigung geben", begann Herr Gower wieder, nachdem der Diener sich entfernt, „daß Euer Schützling wohl geborgen sich wieder in Frau Vicini'« Händen befindet — Krigger wird e« nicht wagen, ihm nur ein Haar zu krümmen. Alle» was ich wünsche, ist nur, daß sich der Irrsinnige nie wieder in meinem Hause zeigt."
„Nachdem er Eure Gastfreundschaft kennen gelernt, wird er kaum wieder kommen" entgegnete Olla.
Sie wandte sich um und ging wieder in’« Zimmer zurück. (Forts, folgt.)


