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der Räubkrhouptmann. „Aber Ihr gesollt mir. Ich habe die schwachherzigen Frauenzimmer nie leiden können; mir gefällt nur ein unabhängiges Geschöpf."
Es war ein langes, hohes Gemach, von unrsge!' mäßiger Form, mit schiefen Wänden und einer um gleichen Decke. Es war von einem Dutzend Laternen beleuchtet, die an schweren Ketten von der Felsendecke herabhingen; ein großes Feuer brannte an einer Seitenwand der Zimmers und verbreitete eine wohl« thuende Wärme.
In der Höhle befanden sich etwa fünfzehn Männer, die alle dieselbe malerische Tracht trugen, wie die Räuber, welche Olla gefangen genommen hatten. Eine seltsamere Gesellschaft als diese wäre wohl schwer zu finden gewesen. Auf jedem schwarzbraunen Gesichte der Anwesenden lag der Stempel der Ver» worfenheit. Jedes Augrnpaar hatte den ruhelosen, verwegenen Ausdruck, weicher ihre Stillung verrieth.
Sie lagerten herum, mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt; aber Alle hielten inne und schauten auf, als der Hauptmann, gefolgt von den Gefangenen und seinen Leuten, eintrat.
Im nächsten Augenblicke tönte ein Gesumme von vielen Stimmen durch die große Höhle.
„Wer ist sie — wer ist sie?" war der Schrei, der über alle Fragen hinaus erklang, al« die Räuber die zarte, anmuthsvolle Gestalt der Hauptgefangenen erblickten. „Eine Fürstin? Eine große Dame?"
Olla zog sich vor dem Geräusch und Getümmel zurück, Trefsilian fest bei der Hand haltend, und bc« trachtete die Gruppen mit kalten, furchtlosen Blicken.
Der Räuberhavptmann schien die Aufregung, welche diese wunderbare Schönheit bei seiner Bande heroorrief, nicht zu billigen. Das Mädchen war ein Preis, den er für sich allein besitzen wollte und er war eifersüchtig auf jeden bewundernden Blick, den man ihr spendete.
„Laßt das Mädchen ollein", sagte er. „Sie ist ermüdet. „Gebt mir eine Laterne, ich will die Gefangenen in ihre Zellen führen."
Eine Laterne wurde ihm gebracht und nachdem er Olla befohlen hatte, ihm zu folgen, schritt er durch die ganze Höhle und führte sie durch einen nebenan liegenden Gang.
Die Gefangene folgte, Tressilian's Hand noch immer festhaltend.
Die beiden Popley's, denen man die Tücher von den Augen genommen hatte, als sie in die Höhle eingetreten waren, folgten ebenfalls schweigend.
Dieser zweite, innere Gang war kurz und führte in ein fast kreisrundes Zimmer, wo Koffer und Ballen aufgespeichert waren, welche alle aus Carvelli's jahrelangen Räuberzügen stammten.
die in den Eckm aufgehäuften Stöße von Decken und Kle durgsstücken in Etwas beseitigt. Das Meublement bestand tndeß nur aus einem Tische und zwei Stühlen.
„Mehr kann ich nicht thun für Euch, Signorina", sagte Carvelli, „machen Sie sich mit Ihrem neuen Wohnort bekannt und suchen Sie sich es möglichst bequem zu machen — nach dem Speisen werde ich Sie wieder besuchen."
Carvelli verbeugte sich vor Olla und verschwand, die kleine Eingangrthüre hinter sich in's Schloß werfend und den schweren Riegel vorschiebend.
Frau Popley eilte nun auf ihre kühne junge Herrin zu, kniete vor ihr nieder, umfaßte die zarte Gestalt mit beiden Armen und rief unter heftigem Schluchten:
„Welch ein Schicksal soll Euch noch beschieden werden, meine theure Olla. Einem Bösewicht glaubten wir entflohen zu fein — einem Ungeheuer sind mit in die Hände gefallen."
Olla beugte sich zu ihrer Pflegemutter nieder und die weichen Arme um den Nacken der alten Frau schlingend, erwiderte sie:
„Noch dürfen wir nicht verzweifeln, mein liebes, gutes Mütterchen, noch iü über uns Gott, der Gott der Gerechtigkeit und der Vergeltung, der Vater der Verlaffenen und Waisen, der Behüter der Unschu'« digen und Betrogenen, zu ihm müffen wir aufblicken, auf ihn müffen wir vertrauen, seinem Schutz müffen wir uns empfehlen und er — ohne dessen Willen kein Vogel vom Dache fällt — er wird auch uns nicht verlassen und uns aus diesem Dunkel wieder zum Lichte führen. Wir wollen deshalb nicht verzagen, wir wollen unfern Muth zusammenraffen, wir müssen unserm Gegner mit Stolz und Ruhe ent» gegmtrelen — so entwaffnen wir ihn am leichtesten."
Sie richtete die alte Amme auf, und streichelte ihr liebkosend die Wange.
Guy war dieser ganzen Scene mit Verwirrung gefolgt, seine Augen ruhten mit ängstlichem, scheuen Ausdruck auf dem jungen Mädchen und sein tobten* bleiche« Angesicht trug den Stempel höchster Entrüstung.
„Nimm Dich Jarper's an", wendete Olla sich nun an Jim, der über die Kühnheit und den Muth seiner jungen Herrin erstaunt, sie mit bewundernden Augen betrachtete, „sorge für ihn, soviel Du vermagst. Die Ergebenheit und Treue, welche Du für mich hast, übertrage nun auf Jasper."
Von diesem Zimmer führten mehrere massive Holzthüren in Nebengemächer. Der Räuberhaupt» mann öffnete eine dieser Thüren und winkte Olla einzulreten. E« waren zwei kleine Zimmer, die Olla nun betrat; die Leere und Kahlheit derselben war durch die an dm Wänden befestigten Teppiche und
Achtundzwanzigstes Kapitel.
Palestro auf Lowder's Spur.
Nachdem Lipari die ihm anvertrauten Passagiere der Verabredung gemäß in die Hände des Räubers abgeliefert hatte, schlug er den Rückweg ein, und kam spät Abends mit vollständig erschöpften Pferden vor dem Gasthof „Vesuv" wieder an, woselbst er Palestro und dessen würdige Ehehälfte noch in größter Thätigkeit unter den zechend:», spielenden und lärmenden Gästen vorfand. Der Kutscher machte eine scheinbar zufällige Handbewegung und die Ver-


