Ausgabe 
4.2.1888
 
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Gin struppiger Kostgänger.

Verhältniß zu seinem persönlichen Werth stcht. Auch das ist noch begreiflich, daß z. B. die Italiener den unschuldigen Gecko verfolgen, weil das Thierchen sich durch seine Verwandtschaft mit der im ganzen übel beleumundeten Claffe der Reptilien dem Volk«- glauben als gefährlich darstellt. Wie aber kommen Thiere, deren Harmlosigkeit ganz offen zu Tage liegt, zu der zweifelhaften Ehre, daß die Leute glauben, ihnen einen besondern Haß widmen zu

Weigerung, vermachte er mir nur eine Summe, von deren Revenürn ich kaum anständig leben konnte, während seine Güter und übrigen Kapitalien an seine Geschwister übergingen.

(Fortsetzung folgt.)

Es ist merkwürdig, was für absurde Thierfeind- schäften fich manchmal im Volke ausbilden. Daß man Schlangen, Horrpsten und ähnliches Ungeziefer allgemein und ohne Ansehen der Person todtschlägt, ist sehr erklärlich und berechtigt; man geht da eben von dem Grundsatz aus, daß es beffer ist» zehn Thiere von unerwiesener Schädlichkeit zu vernichten,

als ein» am L den zu lasten, welches bei Gelegen« i . _

heit einen Schaden anrichten kann, der ganz außer und ihm deswegen feinen Fluch für ewige Zeiten

müssen? ,

Beispiele davon sind nicht feiten. In Griechen­land z. B. halten die Menschen sich für verpsu^.et, i jede Eule, die ihnen in die Hände fällt, zu steinigen. - Sie betrachten das als eine Art geselligen Ver­gnügens. Ich selbst fand einmal ein Dutzend großer Lümmel von athenischen Seminaristen damit be­schäftigt, ein armes Käuzchen durch Steinwürfe zu tödten. Ich sprach ihnen meine M.inung, das sei eine Gemeinheit, recht deutlich aus; doch sie hatten aus alle Anreden nur eine Antwort:Aoer da» ist ja eine Eule!" Damit war für sie jedes Argument abgeschnitten. In manchen Theilen der nördlichen Deutschlands gilt die Spitzmaus für ein geradezu dämonisches Geschöpf, dem auf besonders Weiss der Garaus gemacht werden muß. Und zwar besteh-, die orthodoxe Art, sie zu tödten, darin, daß man sie in das Astloch eines Baumes steckt und dieses m.t einem paffenden Holzpfropf verkeilt. Auch der Jge- gehört zu dieser Elast« der grundlos gehaßten Wesen. Ich selbst habe noch als Knabe dis größeren Ge- nosten im sauerländischen Gebirge behaupten hören, den Igelmüsse" man lebendig pfählen, wo man

alt geworden, ich sah mich in die Nothwrndigkeit versetzt, nur um mein Leben zu fristen, eine dienende Stellung als Gesellschasterin oder dergleichen anzu- nehmen, denn meiner Tante, die kaum selbst so viel besaß, um davon leben zu können, durfte ich nicht zur Last fallen, und um diesem entsetzlichen Loose, bei fremden Lmten mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen, 'zu entgehen, nahm ich den Antrag de» Majors an. Aber ich kann Ihnen nicht sagen, welche entsetzlich kummervollen Jahre ich an seiner Seile verlebte. In dm ersten Monaten war es noch erträglich, aber als er sah, daß die jüngeren Oificiere mir ein wenig den Hof machten, viel mit mir tanzten und sich gern mit mir unterhielten, da entbrannte seine Eifersucht, unerquickliche Scrnen folgten und in brutalster Weife verbot er mir, fernerhin weder zu tanzen, noch überhaupt mit den Officieren zu sprechen. Mein Stolz erwachte, i-A erklärte ihm, daß ich mir eine solche Tyrannei nicht gefallen und daß ich mir nicht verbieten lasten würde, an dm erlaubten Freuden Theil zu nehmen. Nach dieser Erklärung qmttirte er urplötzlich seinen Dienst und wir bezogen eines seiner Güter, wo ich ab- geschnitten von allem Verkehr, angewiesen nur aus dm Umgang des alten Geistlichen des Dorfes und besten höchst einfacher Frau, sechs Jahre hindurch ein elendes, geiströdiendes Dasein führte. Mein Gemahl starb an einer Lungenkrankheit, die er sich durch Erkältung während einer Treibjagd zugezogen. Ja, hätte mich der Himmel nicht von ihm erlöst, hätte ich noch länger an seiner Seite ousharren müstm, ich wäre, daß weiß ich bestimmt, zuletzt wahnsinnig geworden! Schon am ersten Tage seiner Krankheit hatte er die Ahnung, daß er sterben würde, und war es Eifersucht, die noch über das Grab hin- ausgtng genug, er stellte an mich die Forderung, ihm das heilige Versprechen zu geben, mich, wenn er sterben sollte, niemals wieder zu vermählen. Ich schlug es ihm ab und noch selbigen Tages machte er sein Testament; von Rache dictirt über meins

ihn finde. , ,

Dis Praxis ist bei uns wohl mcht so schamm wie die abergläubige Theorie, und dieselben Leute, welche heutzutage noch derartige abgeschmackt lieber- lieferunaen erzählen, betrachten sie doch mehr als ein hergebrachteson dit, denn als praktische R gel; sie lasten den wirklichen Igel, der ihnen be­gegnet, meist ruhig laufen. Aber merkwürdig bleibt es immerhin, daß solche Uebsrlieferungen überhaupt auftauchen und bestehen können. Bei dem orste^ wähnten Falls der Eule in Griechenland läßt sich der Haß vielleicht als dis Kehrseite der rrüheren Verehrung erklären. Bekanntlich war die Eule ehe­mals der Vogel der Göttin Athene und als solcher eine Art von heidnischem Heiligthum. Eben des­wegen mag man sie, nachdem da» Christenthum ein- geführt war, dämonistrt haben, grade wie unsere deutschen Götter und Sagenheldm von den Mönchen zu teuflischen Wesen gestempelt wurden. Aber spitz- mause und Igel sind niemals hervorragende Lyrere in der deutschen Mythologie gewefin, sodaß kaum zu ersehen ist, wie sie in den ^besonderer Menschheitsfeinde gekommen finv. sollte derselbe vielleicht noch aus vordeutscher, keltischer Zett in den Hexenglauben des Mittelalters hsrübrrragen? Oder hat sich vor grauen Jahren einmal im Dunkeln etn heiliger Mann auf einen lustwandelnden Igel gefe*£ » itnh iRm fetten RsiilA ffti? eminß