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auf der Hälfte; indessen sah ich ihn deutlich mit dem Strsm langsam treiben. Als ich näher h-rankam, bemerkte ich, daß er einen Bekannten traf, mit dem er sprach und einen Augenblick stehen blieb. Ich drängte mich zu ihnen durch. Gerade über ihren Köpfen warf eine Gaslaterne ihr Helles Licht auf beide und ich unterschied das Gesicht meines Reise­gefährten und seines Begleiters. Obgleich ich athem- los in meinem Eifer über Koffsrträgsr und Passagiere stürzte, in der Besorgniß, daß mein Zug ohne mich sbfützren möchte, entging mir dennoch nicht, daß der neue Ankömmling bedeutend jünger und kleiner war, als das Mitglied des Verwaltungsraths; blond, mit einem Schnurrbart, einem schmalen Gesicht und in einem engen Bvxkinanzug. Nur noch wenige Schritte war ich von ihnen entfernt, als ich gegen einen dicken Herrn anrannte, über einen Reisesack stolperte und über einen Packträger fiel da schrillte plötzlich die Signalpfeife.

Was war das? Die beiden waren nicht mehr da! Ich hatte sie vor kaum zwei Sccnnden gesehen und jetzt waren sie fort. Ich stand still und sah nach links und rechts: nirgends! Es war, als ob der Boden sich geöffnet und sie verschlungen hätte.

Neben mir stand der Bahrchofsverwalter.

Vor einem Moment waren hier zwei Herren", sagte ich;wo sind sie geblieben?"

Ich habe keinen Menschen gesehen."

Die Pfeife gellte noch. Hinten hob der Schaffner feinen Arm in die Höhe und rief mich an.

Der Oberbeamte neben mir ermahnte:Sie haben die höchste Eile, wenn sie m't diesem Zug fort wollen."

Und so beeilte ich mich und kletterte in mein Coup6, als dis Locomativs schon arbeitete. Ich fiel aus mei­nen Sitz mit Mr. Dwerrihouse's Cigarrentasche in der Hand, nachdenklich erwägend, wo er wohl hinge- kommen wäre. <&

Das Verschwinden war unbegreiflich, es kam mir vor, wie eine Versenkung im Theater. Vor einer Minute noch standen sie da, so daß man sie mit Händen greisen konnte und schwatzten, hell von der Laterne beschienen; und dann waren sie weg, ohne daß irgend eine Thür, Treppe oder Fenster sie hätte hinauslaffen können. Sie standen auf festem Stein an der gemauerten Wand. Wunderbar!

Ueberlcgen half nicht, und doch ließ mich der Ge- danke nicht les; ich wollte und mußte das Rächsel lösen. Es beschäftigte mich ausschließlich von Bick« water nach Clayborough und von Clayborough nach Dumbleton, während der schweigsamste Kutscher in ganz Ostangeln mit mir über die herrliche Landstraße dahinjagte.

Um halb sieben gelaugten wir au die Einfahrt zum Schloß und kurz darauf schien der warme Schein aus der Hausthür auf den Kiesweg; herzlich ergriff Jemand meine Hand und eine freundliche Stimme erschallte:

Willkommen in Dumbleton!"

Nach der ersten Begrüßung sagte mein Gastfreunb;

Komm, alter Junge, Du mußt Dich so rasch wie möglich umkleiden. Wir essen um acht und Du findest Bekannte; die Biddulphs und Prendergast von den Gardehusaren. Auf Wiedersehen; meine Frau erwartet Dich mit Sehnsucht."

Der Diener führte mich in meine Stube. Nicht in das blaue Zimmer, wo Herr Dwerrihouse so trau­rige Erfahrungen gemacht hatte, sondern in ein hüb­sches wohldurchwärmtes Junggesellenstübchen. Ich schnallte meinen Koffer auf und that mein Bestes, um fertig zu werden; aber ich konnte mein Abenteuer auf der Eisenbahn nicht vergessen. E« stand mir allenthalben im Wege; ich verlegte meine Hemdknöpse, zerknitterte mein Halstuch und zerriß dis Handschuhe. Deshalb war ich denn auch der letzte, der in die Wohnstube trat und hatte kaum Frau Jelf oberfläch­lich begrüßt, als es schon zum Essen girg.

Weder das Essen noch die Gäste will ich beschrei­ben. Alle Gesellschaften in der Provinz sehen sich ähnlich wie ein Ei dem andern und diese war keine Ausnahme von der Regel. Ein Edelmann mit seiner Gnädigen, ein paar Pastoren mit ihren Frauen, der ewige Puterhahn und ein Rehrücken: es giebt nichts Neues unter der Sonne!

Ich saß ungefähr mitten an der Tafel. Eine geistliche Dame" hatte ich zu Dsch geführt und die Frau eines zwetien Predigers faß mir zur Linken. Beide sprachen über mich hinüber . . von Kindern es war grauenhaft langwellig. Schließlich trat eine Pause ein. Die Enträes waren abgenomm-n und der Puter erschien auf der Bildfläche. Wenn die Unter­haltung schon seit Langem gestockt hatte, so hörte sie jetzt gänzlich auf. Jelf legte das Geflügel vor und Sie" schien nachzusinnen, worüber man wohl sprechen könnte. Unglücklicherweise fuhr mir durch den Sinn: Theile Deme Abenteuer mit!" und ich begann:

Da fällt mir ein, Jelf, ich bin heute ein tüchtig Stück mit einem Bekannten von Dir des Weges ge­kommen."

So?" entgegnete der Hausherr und zerlegte mit wissenschaftlicher Sorgfalt vie Brust seines Vogels. Mit wem?"

Mir einem gewissen Jemand, von dem ich Dir sagen soll, daß er Dich noch vor Weihnacht Heimsucht, wenn es seine Geschäfte gestatten."

Wer kann das sein?"

Major Thorpe?" forschte Frau Jelf.

Ich schüttelte den Kopf.

Nicht der. Ein Verwandter von Ihnen, Verehrte."

Das kann ich nicht rathen", behauptete die Frau vom Hause.Bitte, spannen Sie uns.nicht auf die Folter und sagen Sie gerade heraus, wer es war.

Kein geringerer, cls Ihr Vetter, Herr Zehn Dwerrihouse."

iFortsetzung folgt.)

Chr. Pietsch) in Gießen.

Redactisn: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr.