Johann, der aus der großen Vorhalle b'e Herr- schäften erwartete, hatte Wolter einige Worte rüge» flüstert, worauf dieser sich sogleich durch die Thür entfernte.

Nun, mein Kind", sagte Alexandra, stch neben die Tochter sitzend, die noch immer eifrig an ihrer Sticktrei arbeitete und nur einmal flüchtig die Augen erhoben hatte, als die Zurückkehrenden schon ganz in ihrer Nähe wäre-»,nun, Frieda, bist Du auch ganz folgsam gewesen?"

Ja, Mama, ich habe mich nicht von der Stells gerührt."

Felix hatte seinen alten Platz wieder eingenommen und wandte sich fragend an Frieda:

Haben Sie, gnädiges Fräulein, keine Furcht vor all den G-.spevstern, die in diesem alten Ritter­schloß umgehen sollen?"

Ich glaube nicht daran", erwiderte das junge Mädchen,da fällt die Furcht von selbst fort."

Dächten doch alle Frauen so, aber die meisten neigen mit Vorliebe zum Aberglauben und allen voran meine Cousine. Sie haben keinen Begriff, von welcher fast kindischen Furcht von Geistern und dergleichen Unholden sie erfüllt ist. Müßte sie in einem Hause, von dem es hieße, daß es darin spucke, eine Nacht zubringen, sie würde kein Auge schließen und sich halb zu Tode ängstigen."

Das begreife ich nicht", sagte Frieda.

Der Diener brachte j-tzt auf einem silbernen Tablet Wein und Gläser.

Einen kühlen Trunk, Herr von Stolzenberg", sagte Wolter, dürst» Sie bei dieser Hitze nicht ver­schmähen. Wir haben Keller unter der Burg, so ties und kalt, daß sie mit jedem Eiskeller concurriren können; in einem derselben lagern meine Weine!"

Er gab dem Diener einen Wink, stch zu ent» fernen, und füllte selbst die Gläser.

Ich heiße Sie hier willkommen, Herr v. Stolzen­berg", sagte er und hielt Felix das Glas zum An­stoßen hin.

Laffen Sie uns gemeinschaftlich anstoßen auf eine gute Nachbarschaft, hoffen wir, daß sie für uns Alls recht fruchtbringend werden möge."

Er sah hierbei auf Frieda, die den Arm aus­streckte, um mit ihm anzustoßen, aber der Zufall wollte es, daß es nicht dazu kommen sollte, auf halbem Wege entsank das Glas ihrer Hand, es fiel zu Boden und zersprang.

Wie ungeschickt ich bin!" rief sie aus.

Ich will ein neues Glas besorgen", sagte Wolter.

Ich danke, Papa, bitte, laß es, Du weißt ja, ich trinke nicht ßerne' Wein."

Wenn ich abergläubisch wäre", sagte Felix,so würde ich dieses kleine Malheur als keine gute Vor­bedeutung für unsere nachbarliche Freundschaft an- fehen, aber ich bin nicht abergläubisch."

Ein Zufall", erwiderte Frieda,kann keine Vorbedeutung haben."

Ich danke Ihnen für diese Bemerkung!"

Frieda sah ihn eine Secundr wie fragend an, dann senkte sie wieder die Augen.

Eine Weile faß man noch zusammen, die Con- veisation lenkte sich auf verschiedene Gegenstände, Felx war sehr aufgeräumt, witzig, aber niemals ironisch und bochait, wenn auf Einwohner von Helzendorf die Rede kam, die er bereits kennen ge­lernt, wie es sonst wohl seine Gewohnheit war; er fühlte sogleich heraus, baß es hier nicht angebracht sei, er war liebenswürdig, hinreißend in der Unter­haltung, er konnte merken, daß er, wenigstens auf Wolter und besten Gemahlin, einen günstigen Ein­druck gemacht. Nach einer halben Stunde stand er auf und verabschiedete sich. Er war in einem Gig, ohne Kutscher und Diener, gekommen. Wolter begleitete ihn an den Wagen und nachdem er Johann ein Goldstück in die Hand gedrückt, fuhr er langsam, fast im Schritt den Zickzaüweg, der von der Burg durch hohe Buchen in das Thal führte, in dieses hinab. Eins Fluth von Gedanken zog durch feinen Kspf. Als er die Chaussee erreicht hatte, wandte er sich noch einmal um und sah zu der von der Abendsonne umglänzten Schlangenburg hinauf und laut rief er aus:

Das stolze Schloß muß mein werden und mit ihm das holde, liebliche Mädchen! Ist es denn mög­lich, daß ich nach wilden Stürmen der Leidenschaft zum ersten Male liebe? Bin ich nicht würdig, von ihnen betrachtet zu werden? O, sie sollen sich noch auf mich richten, voll und gavz, glühend und heiß! Denn mir gehören sie und keinem Andern werde ich sie lassen! An wen erinnert mich nur der Vater?" sprach er nach einer Pause weiter.Dieser tiefe dunkle Blick aus seinen Augen, er muß schon auf mir geruht haben! Wo nur, wann nur? Wohl Dir, Gehetmrath Wolter, daß Du eine so hübsche Tochter I hast, sonst würde ich ringen mit Dir um die Liebe Deines schönen Weibes! Da ist verborgens Gluth! Jetzt endlich steige ich den Berg hinan, dessen Gipfel zu erreichen zeitlebens mein unablässiges, stetes Streben war. Verschwunden find alle Schatten der Vergangenheit, was mir den Weg nach aufwärts verlegen könnte, ist fort, verschollen, todt, und den Gipfel will und werde ich erreichen!"

Elftes Kapitel.

Arn Mittwoch darauf war ein reges Leben auf der Schlangenburg. Es hatte sich eins iernlich zahl­reiche Gesellschaft zusammengefunden; die meisten bet Gäste, unter ihnen die Mitglieder des Gesang­vereins, waren aus der entfernter gelegenen größeren Stadt auf der Bahn gekommen, die Uebrigen be­standen aus Honorationen der nahe gelegenen Fabrik­stadt Holzendorf und außerdem hatte man einige Familien von den umliegenden Gütern geladen.

Frau Geheimrath Wolter hatte es erreicht, ihr