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Würde ihr schwacher Lebensfaden zerreißen, mein Anblick sie tödten und uns Alle frei, die beiden Menschen dort glücklich machend Wohlan, was hindert mich daran?"

Er wandte sich bei diesem Gedanken so jäh um, daß Ulrike aus Trllkamp's Armen emporschreckte und das Bild hülflosester Verwirrung darbot.

Verzeiht", sprach er, tiefbewegt zu ihnen tretend, ich fürchtete mich vor einem Gedanken, der wie ein Wirbelwind mich erfaßte und mir momentan die klare Besinnung raubte. Tante! ich wollte mplötz- lich vor die Kranke treten in der Hoffnung, sie zu tödten, um so gewaltsam die Kette zu zerreißen und Euch frei zu machen."

Ulrich!" ries sie entsetzt.

Beruhige Dich, Tante Ulrike, bei Deinem Anblick zerfiieben die bösen Gedanken wie Seifen­blasen, Deine Nähe duldet keine unreinen Geister. Sehen Sie, lieber Major! auch Sie müssen die Kette wetterschlepprn, da weder menschliche Worte noch Thaten hier etwas ändern können. Tante Ulrike ist nun einmal von jenem Holze, aus welchem Heilige geschnitzt werden. Ich bin aus gröberem Stoffe, und auch Hedwiga scheint Dir nach dieser Seite hin nicht zu gleichen, sie wird, das bin ich gewiß, ihr Glück nicht von Tante Irmgard ab. hängig machen."

Ulrike schwieg und wandte sich dann lebhaft der Thür zu, welche sich in diesem Augenblick öffnete, um den Baron rinzulafsrn. Der alte Herr sah sehr feierlich aus und begann seine Mittheilung mit ge­dämpfter Stimme, da er sich noch niemals so wichtig erscheinen mochte.

Ich gloube, meine schwierige Mission flh: diplo­matisch gelöst zu haben", sagte er,indem ich die Gedanken der Gnädigsten in die ferne Vergangenheit zu leiten suchte, was mir auch gelang. Ich sprach von ihrer Schönheit, von der ersten hohen Gemahlin des seligen Freiherrn und deren Vorzügen, kam dann unbemerkt auf den Sohn, der als kleines Kind ein Weltwunder war, hüpfte diplomatisch über die späteren Klippen hinweg, wobei ich das heikle Thema festhielt und dis ganz unschuldige Bemerkung hin­warf, daß der junge Freiherr bei seinen körperlichen und geistigen Vorzüge» unzweifelhaft in der fernen Fremde reussirt und vielleicht als Officier eine große Carriere gemacht habe, was die Gnädigste ganz bei­fällig aufnahm. Sodann »erstieg ich mich zu der kühnen Frage, ob der junge Herr nicht als jetziger Chef der Familie und einziger Stammhalter de» glorreichen Geschlechts nöthigenfall« gezwungen wer­den müffe, hetmzukehren, um den Glanz des Hauses Jmmendorf neu zu beleben?"

Er schwieg einen Augenblick erschöpft, um sich von dieser Kühnheit zu erholen, und fuhr dann noch leiser fort:Ich muß mich beeilen, um die Gnä­digste nicht ungeduldig zu machen. Also, wie ich diese Frage nun gestellt und mit Herzklopfen die Antwort erwarte, sieht sie mich groß an mit einem Blick, der mich ganz verwirrt macht, so huldvoll und

bezaubernd, wie in den Tagen der Jugend.Ler- chenbüm!" ruft sie leise, ja, sie nannte mich sogar Siegfried, Sie wissen mehr von meinem Neffen, o, wenn ich das erleben könnte, wenn Ulrich als vornehmer Herr heimkehrte, um den Rang seines Vaters einzunehmen, wenn verzeihen Sie, Herr von Jmmmdorf, ich will kein Wort unterschlagen wenn, sagte die Gnädigste, mein Neffs den alten Glanz des Hause» durch eine reiche und ebenbürtige Heiraih wieder herstellt, dann will ich befriedigt meine Augen schließen. Ich wurde ganz betrübt durch diesen Schluß, faßte mich aber und sagte ihr behutsam die Wahrheit, worauf sie einen Moment zu meinem Entsetzen wirklich die Augen schloß und mir dann befahl, den Herrn Neffen in 10 Minuten zu ihr zu führen, auch das Freifräulet« Ulrike zu bitten, bei dem Empfange gegenwärtig zu sein."

Der Baron zog seine Uhr und bat erschreckt, sich zu beeilen, da die Gnädigste strenge Pünktlichkeit liebe. Ulrich zuckte leicht die Achseln, wechselte mit dem Major einen vielsagenden Blick und drückte ihm mit dem Versprechen, am Abend jedenfalls zu ihm zu kommen, zum Abschieds die Hand.

Der Major entfernte sich, worauf Ulrike, welche ihm noch etren liebevollen Blick geschenkt, sich mit den beiden Herren zu der Kranken begab, die in der That schon starke Zeichen der Ungeduld zeigte.

Erschrocken b-bte Ulrich zurück, al» er die kleine abgezehrte Gestalt auf dem Ruhebett erblickte, deren Lebenslicht sichtlich dem Erlöschen nahe war. Arme Ulrike, ruhte in diesem gebrechlichen Körper ein Fünk­chen Liebe und Dankbarkeit für Deine übermensch­liche Aufopferung?

Dieser Gedanke durchfuhr ihn, als Irmgard ihre geisterhaften Augen auf ihn richtete, dieselben forschend über seine hohe elegante Gestalt gleiten ließ und dann befriedigt lächelnd ihm die schmale, durchsich­tige Hand entgegenstreckte.

Ulrich", sprach sie hüstelnd,sei mir gegrüßt! Ich heiße Dich nach langer Abwesenheit unter dem Dach Deiner Väter willkommen und sehe mit Ge- nugthuung, daß Du draußen in der Welt den Ver­pflichtungen, welche Name und Stand Dir auferlegt, treu geblieben, daß Du als echter Jmmendorf heim­gekehrt bist. Ja, ich bin froh, daß wir in dem Sohn« ein würdige« Familtenhaupt begrüßen, in Dir fortan den Freiherr«, den rechtmäßigen vrben Deine« Vaters ehren dürfen."

Ulrich konnte es nicht verhindern, daß bei dieser Lobrede die Schamröthe ihm glühend in'« Antlitz stieg und sein Auge scheu zu Ulrike hinüberflog. Letztere nickte ihm freundlich lächelnd zu, ihre klugen Augen schienen ihm Muth und Beruhigung zuzu­sprechen und rasch näher tretend, beugte er sich über Irmgard'» Hand, um einen Kuß darauf zu drücken.

Tante, liebe Tante!" sagte er leise,wie freue ich mich, Dich wisderzafehen, wie beglückt e» mich, so gütig von Dir empfangen, so nachsichtig von Dir benrchM zu werden."

Irmgard strich saft liebevoll über sein dunkle»