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unverschlossen war, die Leute im Hotel sagten mir, daß er daheim sei; ich wollte warten auf ihn, — sah, daß er beim Packen war, erblickte dieses Bild und den Brief auf dem Tische gerieth ganz von Sinnen darüber, nahm beides zu mir und sah ihn plötzlich ans dem Nebenzimmer treten ohne Brille. Da lief ich wie wahnsinnig hinaus und wollte mich von der Klippe stürzen, als Herr Henning mich fand und nach Haufe brachte. — O, mein Gott! — läge ich doch im Meere, wo es am tiefsten ist."
„Es soll Ihnen nichts geschehen, nur ruhig, meine Liede! — Legen Sie sich zu Bett, sollen nicht weiter belästigt werden."
Er warf einen Blick auf seine Uhr und schritt rasch ins Wohnzimmer, nachdem er das Bild und den Brief mit dem Bedeuten zu sich gesteckt hatte, daß beides bester bei ihm als bei ihr aufgehoben sei.
„Sehen Sie ein wenig nach der Borner", sagte er zu Natalie, „die Aermste ist krank, — sie muß sich niederlegen und schlafen. Adieu, ich spreche später wieder vor."
Ohne Baier und Tochter eine weitere Erklärung Zu geben, war er wie ein Pfeil hinausgeschoffen.
„Der scheint hier im criminalistischen Fahrwafler zu sein", brummte der Banquier verwundert, „dann ist mit ihm nichts anzusangen."
„Er ist ja deshalb auch herübergekommen, Papa! — Gott weiß, was sich noch Alles hier auf diesem Eiland entpuppen wird."
„Das glaube ich selber, Kind!" lächelte Gotthard, vergnügt an Felix denkend, „werden am Ende noch manche Ueberraschung hier erleben."
„Ich möchte am liebsten mit Vera heimkehren, Papa!" meinte Natalie nachdenklich, „gegen freche Verleumdung und Unverschämtheit kämpft man, wenn man sich nicht auf das gleiche Niveau stellt, vergebens."
„Unsinn, Kind! — mein Schutz reicht vollkommen aus, die frechen Bengel im Zaum zu halten. Uebrigens", setzte er leiser hinzu, „mußt Du jetzt die Folgen Deiner Menschenliebe tragen; ich habe genug gewarnt vor der Intimität mit dem Findel« tinde und den immerhin auf einer gesellschaftlich niedrigen Stufe stehenden Pflegeeltern desselben. Nun hast Du es, obwohl ich dem Hartung es nicht vergeben kann, einen solchen Scandal gegen seine eigenen Landsleute zu provociren. Der Mensch muß betrunken gewesen sein."
„Gewiß, die Hauptsache aber gipfelt in der Rache, weil Vera ihn abgewiesen und Frau Hartung aus Furcht vor einer solchen Mesalliance dem Sohn dis Geschichte mit der nöthigen Ausschmückung aufgetischt hat. So erzählte mir Reimann, der sich sehr, ritterlich gegen uns benommen hat."
„Vera sollte sich nur hier mit ihm verloben", bemerkte der Banquier, „das würde der häßlichen Geschichte auf einmal einen anderen Anstrich geben und sie selber in den Augen der Fremden rehabili- tiren."
„Als ob dieses schöne, sittenreine Wesen solches
nöthig hätte", ries Natalie erregt, „wie kannst Da nur so herzlos reden, Papa! — Vera liebt ihn nicht und soll nicht geopfert werden, so lange ich es hindern kann. Sie ist dem Kar! Reimann freundschaftlich zugethan, das ist Alles, es wäre unedel von ihm, feine Ritterdienste sich jetzt fo hoch bezahlen zu lasten und von der augenblicklichen Situation dm höchsten Vortheil zu ziehen."
,Könnt's ihm nicht verdenken, wenn er's thäte", brummte der Banquier, „wäre fürwahr ein schlechter Kaufmann, die günstigste Conjunctur unbenutzt zu lasten. Worauf wartet Deine Prinzessin denn eigentlich? Im Umsehen sind Jugend und Schönheit fort und sie muß wie der wählerische Storch mit Fröschen vorlieb nehmen."
„Oder mit mir vereint ein freies Leben führen", fiel Natalie sarkastisch ein, „und den Storch mit seinen Fröschen im Sumpfe lasten."
„Da haben wir'S — deshalb also! — Na, mir soll's gleich sein, Kind! — Ich möchte nur recht bald etwas Gutes essen, und Dich bitten —"
„In's Hotel zu gehen, Papachen! — dort essen und dann den Reimann aufsuchen. — Mein Himmel!" setzte sie erschreckt hinzu, „ich schwatze hier in's Blaue hinein und vergesse meine Kranken. Auf Wiedersehen, Papa!"
Sie küßte ihn und schlüpfte in die Kammer.
„Scheinen hier alle den Spleen zu haben", brummte der Banquier, kopfschüttelnd vor den Spiegel tretend, um ein wenig Toilette zu machen.
„Will nur den Felix lieber aufsuchen", suhr er fort, nahm Hut und Stock und verließ würdevoll das Haus.
11. Capitel.
Lange vor der bestimmten Duellstunde befanden sich die Herren v. Wülfing und Reimann auf dem Leuchtthurm, um von hier aus die ganze Insel zu observiren und in sicherer und bequemer Weise den muthmaßlichen Anschlag der Gegner vorher kennen zu lernen.
Kein Gebäude konnte hierzu dienlicher sein, da die Gallerte des Leuchtthurmes eine unbefchrä-kts und vollständige Aussicht bietet und die ganze Insel mit ihrer ebenen Fläche nach allen Richtungen hin vor dem Auge des Beschauers liegt.
Die beiden Herren machten es sich hier oben so bequem als möglich, da um diese Zeit keine weiteren Besucher des Thurmes zu befürchten waren. Sie rauchten ihre Cigarren und plauderten • von gleichgültigen Dingen, wobei ihre Blicke ruhelos umherschweiften und ziemlich häufig von den Taschen-Fern- gläsern Gebrauch gemacht wurde; auch hatten sie einen dem jungen Reimann befreundeten Arzt aus Hamburg, welcher sich hier zur Cur aufhielt, in's Geheimniß gezogen und von diesem das Versprechen erhalten, sich zur bestimmten Zeit am Nordhorn ein» zufinden.
„Sehen Sie dort, Herr Baron!" rief Reimann plötzlich hastig aus, mit der Rechten nach den letzten
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