Ausgabe 
30.9.1886
 
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Hießeuer Jamilieubtätter

Belletristischer IBeWlatt MW Gießener Anreiz«.

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M. 115. Donnerstag den 30. September. l8M.

Saat und GrnLe.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Der Referendar nippte an seinem Glase und wiegte mit ernster gedankenvoller Miene das Haupt.

Wohin ich mich nur wenden mag, stoße ich auf ein dunkles Geheimniß", sagte er;und versuche ich ihm nahe zu treten, um es zu lösen, so wird mir stets ein energischesZurück!" zugerufen. Glauben Sie denn wirklich, daß alle diese Geheim­nisse"

Ich bitte Sie, geben Sie sich keine Mühe", unterbrach der Hauptmann ihn;was ich nicht ent­hüllen darf, das werde ich verschweigen, so sehr Sie sich auch bemühen mögen, es zu erfahren. Und so sage ich Ihnen noch einmal, sollte Ackermann Ihnen in den Weg treten, so schicken Sie ihn zu mir; erklären Sie ihm kurz und bündig, Sie hätten mich beauftragt, die Angelegenheit für Sie zu ordnen." *

Ich bin überzeugt, daß er Ihnen morgen einen Cartellträger schicken wirdl"

Ich sende ihm morgen einige Zeilen, nach deren Empfang er nicht wagen wird, weitere Schritte in dieser Angelegenheit zu thun."

Wieder schüttelte der Referendar das Haupt; es ärgerte ihn, daß Herr von Görlitz ihm keine weiteren Erklärungen geben wollte.Ich glaube den Zu­sammenhang zu errathen", sagte er,und da nach meiner Ueberzeugung in den nächsten Tagen das Dunkel sich lichten muß, so kann ich mich die kurze Zeit noch gedulden. Unser Gefangener hat heute ein Geständniß abgelegt. Sind uns dabei auch neue Räthsel aufgegeben worden, so glaube ich doch, die Lösung dieser Räthsel bereits gefunden zu haben." Was hat er gesagt?" fragte der Hauptmann. Emil Rommel zögerte einige Secunden, dann aber berichtete er die Aussagen des rothen Fritz, die Herr von Görlitz mit sichtbar wachsender Spannung vernahm.

In der That, das klingt höchst wunderbar", sagte der Hauptmann, nachdem er eine geraume Weile nachgedacht hatte.Wollen Sie mir nun die Lösung dieser Räthsel geben?"

Sie ist sehr einfach", erwiderte Rommel. Nehmen wir einmal an, daß in jener Woche zwei Personen den verzweifelten Vorsatz hegten, sich im Wiesenthaler Walde zu erschießen, und daß nur Einem dieser Beiden der Selbstmord gelang, während

der Anders sich nur eine schwere Verwundung bei­brachte ; nehmen wir ferner an, daß der Oberförster diesen Letzteren gesunden und gerettet hat, während der Andere vielleicht unter falschem Namen beerdigt wurde "

Weshalb unter falschem Namen?" unterbrach Herr von Görlitz ihn erregt, während er mit großen Schritten auf und nieder wanderte.

Der Verschwundene hielt das Pistol mit dem Namen Salberg's in der Hand."

Und Derjenige, der beerdigt wurde, trug in den Taschen seines Paletots das Portefeuille Sal­berg's."

Das allerdings muß noch aufgeklärt werden, und ich glaube, daß der Oberförster uns diesen Auf. fchluß geben kann. Jedenfalls wird er erklären müssen, wie er in den Besitz der Waffe gekommen ist, und wo der Mann blieb, den der rothe Fritz beraubte. In den Taschen dieses Mannes fand der Vagabund die Uhr Salberg's, Uhr und Ring sind von Madame Schirmer als Eigenthum ihres Neffen anerkannt worden."

Herr von Görlitz schwieg. Er wanderte rastlos auf und nieder; den Vermuthungen des Freundes schien er so bedingungslos nicht beipflichten zu können.

Hier Uhr und Ring dort das Portefuille!" sagte er endlich.Nach meiner Ansicht giebt es da nur eine einzige Lösung."

Welche?"

Daß der Oberförster aus irgend welchen Gründen die Leiche, die der Vagabund vorher beraubt hatte, in das Gestrüpp brachte und sie dort liegen ließ, bis sie nach mehreren Tagen durch, einen Zufall entdeckt wurde."

Und welche Gründe hätten ihn dazu bewegen können?"

Ich kenne sie nicht; immerhin aber ist es mög­lich, daß triftige Gründe für ihn vorlagen."

Und können Sie wirklich glauben, daß ein königlicher Beamter so sehr seine Pflichten vergessen werde? Er hätte sofort von der Entdeckung der Leiche Anzeige machen müssen; er mußte sie liegen lassen, wo er sie fand, und vor allen Dingen durfte er nicht die Waffe an sich nehmen."

Gewiß nicht! Aber, wie gesagt, wir kennen die Gründe nicht, die ihn veranlaßten, das Alles zu vergessen! Hermann von Salberg ist tobt, er muß tobt sein"

Auch jetzt noch, nachdem Sie die Entdeckung gemacht haben, daß der Würfel gefälscht ist?"