150
r
Noch ein Schuß krachte.
Der aber ging in die Luit, und in der nächsten Sekunde war Soitmann die Waffe entwunden.
Jetzt wurden Fenster und Thüren eingeschlagen; die Polizei drang herein. Ein furchtbarer Kampf im Dunkeln entspann sich, bei welchem sich der kleine Neubert eines sogenannten amerikanischen Schlägers, den er einem Angreifer entrissen, bediente, während Soltmann in Ermangelung eines Besseren seinen Hausschlüssel als Schlag- und Stoßwaffe benutzte.
Die Polizisten drängten herein, die Verbrecher hinaus. Jene versuchten, sich den Weg zum Gashahn zu erkämpfen; dmn nur mit Licht konnte man hier bestehen. Aber gerade Das wollten die in der Penne Befindlichen verhindern. Der Kampf im Dunklen war ihnen lieber. Es mußten sich unter den Gästen viele „Gesuchten" befinden, denn trotzdem die Polizei von der blanken Waffe Gebrauch machte, kämpfte man auf der anderen Seite mit Stühlen, Stöcken, eisernen Ringen und Stangen, Seideln, Flaschen und Allem, worauf man die Hand legen konnte, so erbittert und mit solchem Erfolge, daß Jene weichen und sich auf die Verhaftung der Fliehenden beschränken mußten.
Zu Diesen gehörten auch Riston, Dryden und Duprat, welch' letzterer wegen der verwundeten Rechten mit der Linken ein Seidel schwang. Riston war mit einem Stuhlbein, der Baron mit einer Champagnerflasche bewaffnet.
Für sie gab es kein Bleiben hier, sie mußten fort. Die Polizei konnte jeden Augenblick Verstärkung erhalten, und ehe Das geschah, mußten sie in Sicherheit sein-
„Mir nach!" raunte Riston den beiden Freunden zu. „Nur fest geschlossen und auf kein Anrufen gehört. Besser hier sterben als im Zuchthaus."
Die Anderen waren der gleichen Meinung.
„Einer für Alle und Alle für Einen", sagte Dryden. „Denn wenn Einer gefangen wird, sind die Anderen auch ihres Lebens nicht mehr sicher. Man weiß, wie die Herren auf der Polizei zu Geständnissen überreden."
Man war jetzt an eine Fensterhöhl; gekommen, welche unbewacht schien und die auf einen dunklen
Hof mündete.
„Hier hinaus'." flüsterte Riston. Er schwang sich hinaus und die Anderen folgten.
„Ein . Hof, von hohen Mauern umringt", sagte Duprat enttäuscht. „Da sind wir was gebessert."
Aber Riston, der die Führung übernommen hatte, war schon über den Hof nach einer dunklen Nische geeilt. Dort lehnte eine hohe Leiter an der Mauer, die er erklomm.
„Herauf!" rief er; und die Anderen folgten.
Als sie Alle oben waren, zogen sie die Leiter nach sich, um sie auf Riston's Anweisung auf der anderen Seite wieder herabzulaffen.
Es war ein Labyrinth von Höfen, in welches sie hier gelangten. Diese waren aber nur durch niedrige, leicht sibersteigliche Mauern getrennt, und
mantel und Schlapphut, welche an dem ferneren Tisch geseffen, stürzte getroffen zu. Boden.
Es war Duprat!
Er wußte im Augenblick selbst nicht, wie schwer oder wie leicht seine Verwundung war, er hatte nur irgendwo einen stechenden Schmerz empfunden und sich sogleich zu Boden geworfen, um einem zweiten Attentat, das er gegen sich gerichtet glaubte, zu entgehen.
Erst als er sich wieder erheben wollte, fühlte er, daß seine rechte Hand verwundet sei.
Dies versetzte ihn natürlich in einen Zustand wahnsinnigster Verzweiflung. Seine rechte Hand verletzt, und er vielleicht auf lange oder nie mehr im Stande, eine Feder zu führen — cs war genug, um seine Existenz zu vernichten und sogleich seinen Antheil an dem hier stattgehabten Kampf zu ver- rathen.
Der Schuß und Schrei wurden aber das Signal zu einer allgemeinen Erhebung.
Soltmann und Neubert riefen einander zu und ließen ihre kleinen Signalpfeifen ertönen. Die schrillen Pfiffe sanden von der Straße Erwiderung. Die von dem Nachtwächter avisirte Polizei war also sehr rasch nachgerückt. „Polizisten herbei! Haltet die Thüren besetzt!" riefen nun die beiden Beamten.
Ein allgemeiner Wuthschrei erhob sich von nah und fern, und plötzlich waren alle Lichter erloschen.
Vater Christoph hatte den Haupthahn zugedreht, das einzige Mittel, um die draußen befindliche polizeiliche Streitmacht richtig schätzen und in Schach halten zu können.
Nach einer flüchtigen Verabredung besetzten nun die Gäste des „Fuchsbau" alle Ausgänge, und trotzdem sich inzwischen Soltmann und Neubert vereinigt hatten, war doch keine Aussicht vorhanden, daß sie ohne Kampf hinaus gelangen würden. Sie waren zu diesem aber fest entschlossen; waren sie doch hier unten ihres Lebens nicht sicher.
Während nun die Kümmelblättchenspieler noch um ihre Beute kämpften und in einer ferneren Ecke Duprat seinen Freunden sein Leid klagte, führte Neubert seinen jüngeren Kollegen aus dem Zimmer und auf verborgenem Wege nach einem der ihm bekannten geheimen Ausgänge.
Sie wußten noch Nichts von der inzwischen getroffenen Verabredung der Verbrecher.
Plötzlich, als sie sich schon gereitet wähnten, fühlten sich Beide gepackt und in das Innere der Höhle zurückgedrängt.
„Laßt uns hinaus und Euch soll Nichts geschehen!" rief Neubert seinen Bedrängern zu.
Ein höhnisches Gelächter folgte feinen ernst gemeinten Worten.
Soltmann wollte von einer Verständigung Nichts wissen.
„Zurück!" schrie er. „Wer jetzt nicht weicht, der ist ein Mann des Todes."
Aber auch seine Worte fanden keine andere Würdigung,


