Ausgabe 
30.1.1886
 
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Unter Eavalieren ganz recht I" meinte der Dritte.Du hast Dich in der That nicht übel hineingefunden!"

Wieder schoß aus den tiefliegenden, dunklen Augen des Mannes einer jener giftigen Blicke her­vor, die seine inneren Gedanken zu verrathen schienen; aber die Anwesenden kümmerten sich wenig darum, sondern lachten bei der letzten Bemerkung in der ungenirtesten Weise weiter. Der Fuchs aber war klug genug, nicht merken zu lassen, daß er sich darüber ärgere.

Ihr wißt", sagte der Fuchs,wie es steht, und aus welchen Gründen ich gezwungen bin, nunmehr baldigst ans Ziel zu gelangen, das mich von allen Unannehmlichkeiten mit Einem Schlage befreien soll; habe ich erst das nöthige Geld und ein wenig Fürsprache, zu welcher mir der künftige Schwieger­papa verhelfen muß, so hat es keine Noth mehr. Ich muß also um jeden Preis das Rencontre mit dem Legationssekretär von Sohr vermeiden."

Er schaute sich um und bemerkte, daß ein Mann am nächsten Tische dem Gespräche lauschte, obgleich er ein Zeitungsblatt in der Hand hielt und an- scheinend in die Seetüre desselben vertieft war. Aber gerade in dem Momente, als der Fuchs sich umwandle, begegnete er dem Blick des Fremden, der forschend auf ihm ruhte. Jener hatte dieses Gesicht noch nie im Lömenkeller gesehen, es beun­ruhigte ihn daher, daß der Mann sich so nahe herangesetzt hatte, daß er hören mußte, was hier gesprochen war. Besorgt schaute er daher auf den rothen Heinrich, indem er zugleich mit einer kaum bemerkbaren Handbewegung auf den Fremden deutete.

He, Nachbar, unfer Freund hier hat Euch im Verdacht ein Spitzel zu sein", rief der Rothe dem am nächsten Tische Sitzenden zu,und es kann doch keinen ehrlicheren Kerl geben, als Euch! Sei also ohne Sorge, Fuchs, der Mann ist gut eingcsührt und versteht sein Fach in einer Weise, daß wir Alle von ihm lernen könnten."

Der also Gelobte lachte geschmeichelt, nickte dem Sprecher zu und las anscheinend weiter.

Mir ist hier die Luft zu drückend, ich vermag kaum Athem zu schöpfen", sagte der Fuchs; ein heftiger Hustenanfall bestätigte die Wahrheit seiner Worte.Die Nacht ist schön, wer begleitet mich?"

Dann brechen wir Alle auf, Arbeit gießt es doch nicht heute Abend!" entschied der rothe Heinrich, sein Glas leerend;Du aber bist uns noch die näheren Mittheilungen über Deine Absichten mit dem Herrn von Sohr schuldig."

Das läßt sich auch unterwegs besprechen", meinte Fuchs, einen mißtrauischen Blick auf den Lefenden werfend. Dann hängte er den Ueberrock über die Schultern, stülpte den Hut auf den Kopf und schritt den Uebrigen voran nach der Ausgangs- thür; die drei Anderen folgten ihm, hier und da einem Bekannten gute Nacht wünschend, einem

Redaktion; A, Schehva. UM und Verlaß der

Anderen die Hand reichend und den anwesenden Frauenspersonen Kußhändchen zuwerfend, ein Brauch, der hier, im Löwenkeller, Sitte zu sein schien, denn die Weiber gaben diese Aufmerksamkeit sofort in gleicher Weise zurück.

Mir gefällt der Mann nicht, sein Blick hat etwas Lauerndes", sagte der Fuchs, als sie auf der Straße angelangt waren.

Du bist allzu mißtrauisch,^ der Quetscher ist ungefährlich" versetzte der Aeltere,und außerdem von dem alten Stößer eingeführt. Du kennst den Stößer?"

Eine brave Haut, auf den man sich verlassen kann", warf der Rothe für Fuchs ein, diesem mit der Antwort zuvorkommend,hat viel durchgemacht, kennt alle großen Gefängnisse der Monarchie, würde sich aber ohne Besinnen lieber in Stücke reißen lassen, ehe er einen von uns verriethe. Der hätte den Quetscher nicht mitgebracht, wenn er nicht wüßte, daß Häuser auf ihn zu bauen wären."

Ist Quetscher sein wirklicher Name?" fragte Jener.

So wenig wie Fuchs der Deine und rother Heinrich der meine", lachte er.Du weißt, daß cs von großem Werthe für alle Theile ist, wenn die im Löwenkeller Verkehrenden sich nur beim Spitz­namen kennen, das hat schon manchen armen Teufel aus den Händen der Justiz befreit. Stößer brachte den Neuling unter dem Spitznamen Maulwurf mit, da wir aber aus Erfahrung wissen, daß es besser ist, wenn bei einem Kneipenwechsel der bisherige Name nicht beibehalten wird, nannten wir ihn Quetscher, da er regelmäßig der Letzte ist, welcher das Local verläßt."

Die Erklärung schien den Anderen zu befriedigen, denn er brachte seinen Plan zur Sprache, aber so vorsichtig und leise, daß seine Freunde Mühe hatten, seinen Worten zu folgen. (Fortsetzung folgt).

-Letzter Aase.

Nach der Melodie:Die letzte Rose." (Gegen Schluß der Hasenjagd in ausgeschundenen Revieren zu singen).

Letzter Hase, ach wie einsam, In der schneebedeckten Flur. Nur 10 Jäger folgen schweigsam, Deinem Wechsel, Deiner Spur. Machst Du auch oft Wiedergänge, Absprung hin und Absprung her. Täuschest wohl der Hunde Menge, Aber nicht das Jägerheer.

Letzter Hase, Du mußt sterben, Tückisch kesseln sie Dich ein. Ach der Schnee war Dein Verderben Triumphirend zieh'» sie heim. Leer und wüst ist das Gefilde Oed' und traurig die Natur, Und in diesem Jammerbilde Nicht mehr eine Hasenspur!

(D. Jäger-Ztg.) B,

B rnhl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Wcheu,