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(Fortsetzung folgt.)
Mm ist wohl, und uns ist bester!" sagte Rommel, auf den Stein deutend: „Das tst das Loos des Schönen auf der Erdei" -
„Wie kommen Sie denn hierher?" fragte der Oberst den Handdruck erwidernd. „Sw erscheinen hier lö plötzlich wie ein Dieb in der Nacht!"
„Vor einer halben Stunde bin ich angekommen", erwiderte der Referendar lächelnd. „Im w.ißen Hirsch zeigte man mir den Weg, den Sie kurz vorher eingeschlagen hatten, und da dieser Weg am Friedhof vorbeiführte, so dachte ich mir glerch, daß ich Sie hier finden würde. Hier also stehen wrr vor dem Grabe Salberg's?"
„Wie Sie sehen", nickte der Oberst. „Zweifeln Sie auch jetzt noch?"
„Ich habe nie an dem Tode dreies unglucklrchen Mannes gezweifelt; nur das dunkle Geheimniß möchte ich kennen, da» unter diesem Rasen ruht."
„Genügt e» Ihnen, wenn ich darauf erwidere, daß Hermann von Salberg da» beklagenswerthe Opfer seiner eigenen Ehre wurde?"
„Also ein Duell?"
„Da» habe ich nicht behauptet!"
„Statt das Dunkel zu lichten, machen Sie es immer dichter", sagte der Referendar kopfschüttelnd. „Aber geben Sie Acht, ich erforsche das Geheimniß trotz Alledem. Der Vagabund ist bereits hier ein. getroffen, ich wette Zehn gegen Ein», daß “ jenes Geheimniß verwickelt ist."
Betrogene Betrüger.
Novellette von M. Heim.
(Fortsetzung).
Drittes Capitel.
Glücklicherweise durchbrach am Nachmittag die Sonne die dunklen Wolkenschichten. Glücklicherweise für Frau Merber, die sich mit ihren beiden jüngsten Kindern, 2 Hutschachteln, 4 Regenschirmen und einem halben Dutzend Umschlagetüchern in dem etwa» engen Cabriolet einrichtete. Nicht glücklicherweise für Herrn Merber, der sich schon geschmeichelt hatte, allein eine gemüthliche Spazierfahrt zu machen, und mit seinem Bekannten in B. einen noch ge» müthlicheren Nachmittag am Spieltisch in einem ge- wisten Gasthofe zu verleben. Glücklicherweise aber wiederum für Anton Schulze, den Kutscher, dem da» Vergnügen ward, Fräulein Fanny, die im knappen Regenmantel und braunen Hütchen allerliebst aussah, in den Wagen zu heben, daß sie ihren Dank so ganz flüchtig und herablastend sagte und nicht ein- mal dabei aufblickte, hieß wohl die Verstellung etwa» sehr weit treiben.
Er sah doch so stattlich au» in dem betreßten Rock und der großen Mütze. Er schwang fich so triftig auf seinen Sitz, er hielt vornehm die Zügel!
Fanny'» Tante war weniger blind gegen solche Vorzüge. Sie fühlte tief den Vortheil, mit einem Kutscher aus der Refidenz zu fahren. Sich elegant in den Wagen zurücklehnend, ließ ste sich hierbei, nach mancherlei Umständen der Hauptstadt zu fragen, die meisten» die Toilettengeheimniffe der großen Damen betrafen, und über die ihr ein Kammermädchen jedenfalls befferen Aufschluß hätte geben können als ein Kutscher.
Aber Anton Schulze besaß die Kunst, nut Grazie zu lügen. Er beschrieb die modernen Costüme bis auf die letzte Rockfalbel und sprach über Hutgarnituren wie ein Mirabeau. Er ließ es an verächtlichen Bemerkrmgen über den „Buttermilchteint" der Stadt- damen nicht fehlen und wußte ganz genau, welchen Ursachen jene ihre zierliche Taille zu danken hatten. Frau Merber fand, noch nie sei ihr der Weg zur Stadt so kurz geworden.
Und doch gingen die Räder so tief in dem ver- weichten Wege und die Pferde trotteten fo langsam Schritt für Schritt. Der Kutscher dachte mit Grauen daran, daß sie heute noch denselben Weg zurückmachen sollten.
Da war man am Ziel der Reise. Jauchzend stürzten ein halbes Dutzend junger Mädchen heraus und hoben Fanny im Triumph aus dem Wagen. Mit Mühe wurde auch die Frau Merber sammt ihren Toilettengegenständen herausbesördert, nur daß dabei eine große Flasche mit Sahne, die sie unter dem Mantel vor ihrem Manne versteckt gehalten, (denn sie liebte es, bisweilen die leidende Ehefrau zu spielen) hervorfiel und auf dem Steinpflaster zerschlug. Natürlich bekam Herr Merber als der Urheber dieses Malheurs sogleich eine Strafpredigt, und der Unglückliche vollendete noch fein Sündenregister, indem er Ernst fo ungeschickt vom Wagen hob, daß sein Lackstiefel am Tritt hängen blieb und er mit dem weißen Strumpf in den Schmutz patschte, Eugen aber gar nicht seinen Beistand anbot, weshalb dieser genöthigt war, von der höchsten und unbequemsten Stelle herabzuspringen, am Sitz anzuhaken und mit der Stirn zuerst den Boden zu erreichen.
Der arme Mann hob ganz ungestört sein schuldbewußtes Antlitz zu dem Kutscher empor.
Jetzt fahren Sie nach dem Bahnhofe, um einen Herrn Egbert, den zukünftigen Hauslehrer unserer Kinder abzuholen, der mit dem nächsten Zuge an- kommen muß", sagte er. „Bringen Sie ihn dann sogleich hierher." —
Ich weiß, daß der Scharfsinn der Leser längst errathen hat, welche Überraschung Anton Schulze auf dem Bahnhofe haben sollte! Ich weiß, daß sie gar nicht zweifeln, wer der schmächtige, junge Mann war, der dem Coup« entstieg und seinen Koffer zu dem harrenden Fuhrwerk tragen ließ; daß sie sich die langen Gesichter der beiden Freunde selbst ausmalen, die sich so urplötzlich einanver gegenüber sahen. , , ,
„Felicia, mein Herz", sagte Anton Schulze end-


