Ausgabe 
29.5.1886
 
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und Rosen, mit berücksichtigt, dann aber auch die Kultur derjenigen nicht verschmäht, welche die Zwischenräume aussüllen, d. h. also, welche zu jenen Zeiten blühen, in denen die eigentlichen Pracht­gattungen schon geblüht haben oder in welchen die letzteren noch nicht blühen.

Hat man Raum für eine ziemliche Verschieden­heit von blühenden Gesträuchen wie von Stauden, so helfen auch diese sehr gut aus; namentlich folgen sich die ersteren, wenn man deren viele hat, in un­unterbrochener Reihe, von dem frühesten Ribetz (blühende Johannisbeeren) bis in die Rosenzeit hin­ein. Rach Johannis haben wir nur noch wenig Blumen, im Spätherbst aber erscheinen sie wieder und bleiben bei uns bis in den Winter hinein, wenn alle anderen schon den Platz geräumt haben.

Der echte Blumenliebhaber schenkt bei seiner Auswahl den wohlriechenden Blumen einen be­sonderen Vorzug. Sie sind im Hausgarten noch wichtiger und gewähren in demselben mehr Ver­gnügen, al» in dem landwirthschaftlichen Garten, weil man sie dort immer in unmittelbarer Nähe hat. Und wie viel süßer duftet das Blumenkörbchen auf dem Tische, wenn man es nur mit solchen wohl­riechenden Kindern Floras gefüllt hat. Man muß also auch hinsichtlich der Wohlgerüche sich darauf legen, immer die betreffenden Blumen zu haben. Mannigfaltigkeit ist hier indeffen weniger nothwendig, es genügt, wenn das Bouquet auch nur eine Art enthält, nur daß man möglichst selten ganz ohne diese Pflanzen ist.

Noch über die Auswahl der Blumen ein paar Winke. Der erste ist dieser, daß man auf den Ge­brauch Acht gebe, den man von seinen Blumen zu machen pflegt. Hält man nämlich darauf, nur sein Wohn- oder Arbeitszimmer beständig mit einem Körbchen oder einer Vase voll Blumen geschmückt zu haben, oder auch darauf, diesen und jenen Freund, der selbst kein Gärtchen besitzt, öfter mit Blumen zu beschenken, so kann dieses nicht ohne Einfluß auf die Wahl der zu pflegenden Blumengattungen sein. Denn mehrere eignen sich vorzüglich zu diesem Ge­brauche, worunter glücklicher Weise einige allgemein beliebte Blumen, andere wiederum gar nicht, obwobl sie sich sonst im Garten sehr schön ausnehmen. Wo der Raum knapp, muß man auch dieser Richtung Opfer bringen.

Der andere Wink ist: Man wechsele jährlich mit einigen Blumen ab, was schon an und für sich den Genuß vermehrt, um desto mehr noch bei dem in den neuesten Zeiten so sehr zugenommenen und noch immer anwachsenden Reichthume der Kunstflora. Neben den Lieblingrblumen, denen man das Bürger­recht verliehen hat, halte man sich einige Wander, bursche, denen man sozusagen nur auf eine Nacht, will sitzen, auf eine Saison, Herberge giebt. Man verschreibe sich zu diesem Zweck alljährlich solche aufs Neue aus einer Samenhandlung. Ob viele oder wenige, immer behandele man sie solitair als Stauden und bei den Stauden, es sei denn, daß

man vorher mit Gewißheit weiß, daß sie sich für Gruppen vorzüglich eignen und als solche des Platzes werth sind. Durch diese Abwechslung bleibt man einigermaßen auf der Höhe der Gärtnerei und wird nach und nach bekannt mit dem unendlich reichen Schatze der Natur. Kennt und liebt man doch eine Pflanze nicht recht, bevor man sie nicht wenigstens ein Mal selbst gezogen hat. Und wünscht man von diesem Genüsse noch einen Nachgeschmack zu haben, so lege man sich von dieser kurzen Bekanntschaft ein Album an, trockene ein paar Exemplare, oder auch nur einige wohlgewachsene Blüthen und Blätter auf die bekannte Weise ein und mache sich davon ein kleines Herbarium eigener Pflege.

Noch ein paar Worte über die zu wählenden Sträucher' für den Hausgarten. Es giebt deren sehr viele und sehr schöne, aber an dieser Stelle seien nur zwei Sträucher namhaft gemacht, die im bürgerlichen Hausgarten viel weniger verbreitet sind, als sie es ihrer Schönheit und Vortresflichkeit wegen verdienten. Der eine davon ist eine Art Hagedorn, mit dem Beinamen: alleinduftende oder morgen­ländische (Crataegus orientalis s. odoratissima), übrigens nicht südlicher als aus der Krim her- stammend und unseren Winter sehr wohl vertragend. Der Strauch besitzt den angenehmen süßen Geruch, der mehreren Arten dieses Geschlechts eigen ist, in sehr hohem Grade und mit einer eigenen Lieblichkeit, und ist ebenso, wie der andere Strauch, al» Korb­oder Vasenblume zu benutzen. Der Wuchs vom Crataegus orientalis ist niedriger als derjenige anderer Sträucher. Der zweite Strauch ist der längst bekannte aus Nord-Carolina stammende Ge­würzstrauch (Calycanthus floridus). Der eigen» thümliche, säuerliche, von den anderen Blumengerüchen abweichende Duft der mehr den Früchten ähnelt, namentlich demjenigen der feinsten Reinetten welchen die unansehnlichen, braunen und sich zum Bouquetbinden nicht besonders eignenden Blumen von Calycanthus floridus aushauchen, ist außerordentlich stark. Er reicht besonder» wenn der Strauch von der Sonne beschienen wird hin, um einen ganzen kleineren Garten zu parfürniren. Der Wuchs des Strauches läßt den letzteren überall anwendbar er­scheinen und sollte derselbe in keinem Garten fehlen.

Es kommt schließlich noch die Einfriedigung des Hausgartens in Betracht. Sie besteht meist aus Plankwerk oder lebendigen Zäunen. Beide sind un­schön wegen des starken Hervortretens der steifen, gartenwidrigen geraden Linie in der Richtung so­wohl wie in der Begrenzung. Die Plankenzäune sind kostspielig in Anlage sowohl als in Unterhaltung und häßlich, wenn sie alt und verfallen sind. Wo man gezwungen ist, zu ihnen seine Zuflucht zu nehmen, haben sie blos diesen praktischen Vortheil vor anderen Einfriedigungen, daß man sie mit Spalierobst besetzen kann. Was die lebenden Hecken anbelangt, so läßt man am besten die Scheere ganz weg und pflanzt solche blühende Sträucher, die gs« rade empor und nur zu einer mittelmäßigen Höhe