Ausgabe 
29.5.1886
 
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wachsen, mehrere Arten Spiräa, sowie wilder Jasmin eignen sich zn diesen! Zwecke sehr gut. Wer Aus­dauer und Geschicklichkeit besitzt, sich aus der japanischen Dornbeere (Pyrus jäpanica) einen guten Zaun zu bilden, wird sich reichlich belohnt finden. Sie blüht, was bei anderen Pflanzen selten der Fall ist, auch unter dem Wasser, insofern sie vorsichtig und schonend behandelt wird. Und da gewährt sie gerade in jener ersten noch sehr blumenarmen Lenzperiode, in welcher fast noch kein Gesträuch blüht, kurz vor den Frühtulpen einen ganz köstlichen Anblick mit ihren prächtigen, scharlachrothen, goldgeherzten Blumen- Neuerdings ist eine Einfriedigung mehr in Auf­nahme gekommen, die unter geeigneten Umständen den Vorzug vor allen anderen verdient. Es sind dies die leichten Gitterwerke aus galvanisirtem Eisen, entweder aus dünnen Stäben oder geflochtenem starken Draht bestehend. Freilich setzt diese Art der Einfriedigung voraus, daß man mit dem Garten­nachbar auf friedlichem und freundschaftlichem Wege verkehre und ist das Gitter einmal da, und wünscht man seine Erhaltung, nun, so muß man auch das freundnachbarliche Verhältniß aufrecht erhalten und demselben nöthigenfalls etwas zum Opfer bringen. Wenn der Hausgarten auch noch dieses thun könnte, uns zu veranlassen, freundlich mit dem Nächsten zu verkehren, da hätte er neben dem sinnlich-ästhetischen noch einen höheren sittlichen Werth als Factor des Lebensglückes. Nun, warum nicht! Ist er es doch so schon mit oder ohne Gitter!

Erfindungen, Neuerungen, Ver- befierungen.

Siemens' Guß-Glas. Friedrich Siemens in Dresden übt seit einiger Zeit ein Verfahren aus, Glas ebenso zu gießen, wie es mit Metallen geschieht, dem Glase also ohne Dazwischentreten der Bläser gleich die gewünschte Form zu geben. Das Gußglas soll alle Eigenschaften des gleichfalls von Fr. Siemens erfundenen Preßhartglases besitzen, das heißt, etwa so hart und widerstandsfähig sein als Diamant und achtmal mehr aushalten, als gewöhnliches Glas. Das Verfahren weicht insofern von dem Metall, Gießverfahren ab, als die nicht aus Sand, sondern aus pulverisirtem Porzellan bestehende Form erhitzt und gleich darauf abgekühlt wird. Anscheinend handelt es sich hier also in der Hauptsache um eine verbesierte Methode der Herstellung von Preßhart­glas. Dieses wird bekanntlich dadurch gewonnen, daß man glühend gemachte Masse gewöhnlichen Glases in eine aus Metallplatten bestehende Presse bringt und dadurch zugleich plötzlich abkühlt, also in letzterer Beziehung wie beim Härten von Stahl verfährt. Der Grad der dadurch erzielten Härtung hängt von dem Wärmeleitungsvermögen der Metallplatten der Presse ab. Bestehen dieselben aus Kupfer, d. h. "aus einem guten Wärmeleiter, so erfolgt die Abkühlung

rascher und es wird das Glas härter; verwendet man aber z. B. Eisen, so entsteht das sog. halbge­härtete Glas, welche« indessen immerhin dreimal härter ist als gewöhnliches. Preßhartglas und Guß­glas verdienen schon deshalb Beachtung, weil diese Produkte mit der Zeit nicht blos das gewöhnliche Glas verdrängen, sondern auch Eisen und Stahl eine empfind­liche Konkurrenz bereiten können. Es steht Gußglas schon jetzt, obwohl die fabrikmäßige Herstellung kaum begonnen hat, nicht höher im Preise als Gußeisen, und man darf erwarten, daß die Preise noch weiter herab­gehen werden. Daß aber Glas, sobald es eine gleiche Festigkeit besitzt wie Eisen oder Stahl, vor letzterem in vielen Fällen den Vorzug verdient, steht außer Frage. Unschätzbar ist namentlich der Umstand, daß es gegen atmosphärische Einwirkungen unempfindlich ist, also nicht rostet; es erscheint demnach die Annahme nicht ausgeschlossen, daß es dereinst, wenn nicht die Bahn­schienen, so doch wenigstens die hölzernen oder metallenen Vahnschwellen ersetzen werde. Der Erfinder saßt aber daneben Spiegel- und Fensterglas, Bau-Ornamente, Fliesen, Flaschen, selbst Werkzeuge, sowie überhaupt zahl- geiche Gegenstände ins Auge, zu deren Herstellnng man Glas, dessen Zerbrechlichkeit wegen, nicht verwenden durste, obwohl sich dieses Material zu den betreffenden Zwecken vorzüglich eignet.

Literarisches.

Industrie-Blätter". Wochenschrift für gemeinnützige Erfindungen und Fortschritte in Gewerbe, Haushalt und Ge­sundheitspflege. Herausgegeben von Dr. E. Jacobsen (R. Gaertner's Verlag, Berlin SW., Schönebergerstraße 26). Preis vierteljährlich 3 X Inhalt von Nr. 20, 1886: Die Patina der modernen Broncedenkmäler. (Schluß.) Ueber das Vergiften schädlicher Jnsecten. Pergamentpapier. Selbstdichtende HähneSystem Klein". Resorcingriin. Mikrophotographie bei Fälschungen. Platingefäße. Einfache Probe für die Qualität von Leder. Wasserdichtes Papier. Ueber die Löslichkeit von Gummi elasticum in Aether. Die Conservirung der Hefe. Zur Prüfung von Olivenöl. Deutsche Reich-Patente. Färben von Messing. Pasteur-Chamberland'sche Wasserfllter. Bacterioskopische Untersuchung des Wassers.

Sternschnuppen von F. W. Hackländer. Jllustrirt von Emil Klein. (Preis 1 Mk. Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart.) Wie Bergluft und frischer, thauiger Morgenhauch liegt's über der Erzählung, in der uns Hack­länder zu nichts Geringerem als zum Passionsspiel von Ober­ammergau führt und an seinen ihm so lieben Starnbergersee und wo er zwei eigenartige Menschen sich begegnen sich grüßen sich sehen sich lieben läßt, aber ganz anders mit ihnen verfährt, als es der Brauch es war ja nur eine Sternschnuppe! Kaum irgendwo lernt man neben dem kecken, übersprudelnden Humoristen den Dichter und Land­schaftsmaler in Hackländer so kennen wie hier. Und frisch und fröhlich ist auch der Illustrator ein junger, begabter Künstler ans Werk gegangen und hat in reizenden, liebens­würdigen Bildchen die Geschichte nacherzählt mit so viel Lust und Liebe letzteres namentlich in der anmuthigen Gestalt der Heldin daß wir ihm beinahe die Echtheit von Gott Amor's heißen Thränen glauben, die der kleine Schelm auf der Schlußvignette so rührend vergießt weil es eben nur eine Sternschnuppe war!

Redaction; B. Scheyda. Druck und Verlag der Bruhl'schen Druckerei (Fr, Ehr. Pietsch) in Gießen.