Ausgabe 
29.5.1886
 
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kokettirte, paßten auch die getragenen Stiefeletten genau in die seinerzeit zu Papier gebrachten Fuß­spuren an der Mordstätte. Damit war denn die Unschuld des rothen Matthies an dem Verbrechen konstatirt, der nun nur noch wegen seiner anarchistischen Umtriebe -verfolgt werden konnte. Der war aber schon längst nach England geflüchtet, wo seine früher erwähnte Schuldgenossin ihn erwartete.

Eduard und Forster waren von Jonas be­freit worden, dessen Schleicherei und Falschheit da­mit endlich einmal etwas Gutes zu Tage gefördert hatte. Er hattS in jener Nacht die ganzen Vor­gänge bei dem Zimmer des »Kommerzienraths be­lauscht, Eduard dann mit den erbeuteten Schlüsseln nach dem Keller schleichen gesehen. Duprat folgte ihm, und er wäre nicht minder gern in den Keller gehuscht, wenn er nicht hätte fürchten müssen, von Duprat gesehen zu werden. Des Letzteren nach­trägliches auffälliges Betragen hatte ihn in der Ver- muthung bestärkt, daß jener den jungen Etwold im Keller ermordete oder einsperrte. Er öffnete in der darauf folgenden Nacht mit einem Nachschlüssel die Kelleithüren und befreite die Gefangenen, die sich dann nach dem Landgut flüchteten, wo sie trotz Klara's Anwesenheit bis zur Stunde verborgen blieben.

Des alten Forsters merkwürdiger Bericht be­stätigte, was Riston von der ihm geraubten Erb­schaft seines Vaters sagte.

Demnach hatte ein alter Diener des Letzteren, der um die Erbschleicherei wußte, Etwold zufällig ge­sehen und wiedererkannt. Er hatte seinen ehemaligen Herrn zur Rede gestellt und Namens des geschädigten jüngeren Bruders Herausgabe von dessen Antheil verlangt. Denn der Diener wußte ebensowohl, daß der jüngere Wellnau damals im Elendsviertel von London hauste. Etwold hatte ihn dann unter dem »Vorwande, ihm das Geld für seinen Bruder geben zu wollen, in den Keller gelockt und ihn erschlagen. Forster aber, der nichts Gutes ahnend jenem gefolgt war, war noch gerade dazu gekommen, wie der Kommerzienrath den Erschlagenen verscharrte. Vor einem zweiten Morde zurückbebend, hatte er den Zeugen seines Verbrechens in die Zelle geschlossen, um ihn mundtodt zu machen/ da kein Versprechen ihn bestimmen konnte zu schweigen.

* * *

Der Nachklang unserer stürmisch bewegten Er­zählung ist ein sehr friedlicher.

Das Testament Etwold's bestimmte Klara zu seiner Universalerbin, und ein Kodizill sprach sogar die Enterbung Eduard's aus. Klara gab ihrem Bruder trotzdem seinen vollen Antheil, und Beide nahmen sich in der liebevollsten Weise ihres Oheims und seiner unglücklichen Gattin an, indem sie für diese sorgten, und es Riston Wellnau freistellten, nach verbüßter Strafhaft für die Falschmünzerei seine ihm nicht verkürzte Erbschaft aus ihren Händen zurückzunchmen oder bei ihnen zu leben, von ihrer

Liebe gehegt und zu einem besseren Dasein zurückge­führt. Riston zog das Letzterr vor, da während seiner Gefangenschaft auch seine Gattin gestorben und er selbst schon ein gebrochener Greis war. Die Wandlung mit Klara -in ihren Gesinnungen gegen Soltmann, welche Ida bemerkt zu haben glaubte, bestätigte sich; denn sie und der arme Assessor wurden über Jahr und Tag ein Paar. Und ebenso heirathete Eduard seine Hedwig, die Nachtwächters- Tochter, wie er denn auch seinem Freunde Ebers zu dem Vermögen verhalf, welches dem strebsamen jungen Schriftsteller ermöglichte, ganz seiner Muse zu leben und nicht nur sich einen geachteten Namen als Romanschriftsteller zu verschaffen, sondern auch die Tochter des Sanitätsraths, Klara's intimste Freundin, zum Altar zu führen.

Jonas, gebessert, verblieb im Dienste Eduard's. Er legte seine schleichenden Manieren ab und be­fleißigte sich in Bezug auf Lauscherei einer zu­nehmenden Taubheit. Auch der arme alte Leucht­mann wurde von Eduard aufgesucht und für seine frühere Verdrängung aus dem Geschäft entschädigt.

Im Uebrigen verkauften die Geschwister Ates und zogen sich nach einer benachbarten kleinen Stadt zurück, wo sie fortan ganz ihrem Glücke lebten, das ihnen erst aus so schweren Kämpfen und Sorgen hatte erblühen sollen.

Der Kausgarten, wie er sein soll.

(Schluß).

Die andere Eigenthümlichkeit der Natur, welche uns in dem Bestreben, immer Reichthum an schönen Blumen zu haben, entgegensteht, ist diese, daß mit Ausnahme einiger wenigen dankbaren, die meisten Blumen, eine kurze Zeit, etwa drei Wochen lang blühen und zwar in Perioden. Vor und nach jeder Periode hat man eine Zeit des Stillstandes, in welcher es oft Mühe genug kostet, ein Körbchen mit Blumen zu füllen selbstverständlich gilt dies nur vom Hausgarten, in welchem man mit beschränkten Räumlichkeiten und kargen Mitteln rechnen muß. Man kann ungefähr vier bis fünf Perioden annehmen: Die erste zu Ende des Winters, wo allein die Schneeglöckchen und etwas später noch die Märzblümchen auftreten. Die zweite Periode charakterisirt sich Mitte des Frühlings durch die Tulpen, einen Monat später ist die Blüthezeit der Syringen und Goldregen, dann stellt sich die vierte Periode ein, Anfangs des Sommers die Rosenzeit und in der letzten Periode endlich, welche sehr lang ist und bis in den Spät­herbst hineindauert, dominiren die Herbstblumen Georginen, Astern u. s. w.

Dieser unserem Zwecke widerstrebenden Eigenheit der Natur muß man nun dadurch begegnen, daß man theils die Aussaat oder Auspflanzung derjenigen Blumen, die sich hierzu eignen, mehrere Male nach einander vornimmt, theils die sogenannten Remon­tanten, d. h. die mehrmals blühenden, wie Nelken