Ausgabe 
29.5.1886
 
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Hießener Jamilienblätter

Dellettistifches JüdLatt zum Gießener Anjüger-

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Are Jaffchmünzer.

Criminal-Roman von Gustav Lössel.

(Schluß.)

Der Kommissar blickte betroffen auf. In Etwold's Antlitz war Etwas, das ihn erschreckte. Dennoch bewahrte er seine ernste Ruhe.

Darf ich um Ihre sämmtlichen Schlüssel bitten", sagte er,wenigstens nm diejenigen, welche zn irgend welchen verschlossenen Räumen gehören, zum Beispiel zu den Kellern zu diesen ganz be- sonders."

Er fügte rasch diese letzten Worte an, als er sah, daß der Kommerzienrath bei dem WorteKeller" lebhaft erschrack.

Ich habe die Schlüssel nicht", erwiderte er. Ich habe sie verloren oder verlegt. Der Keller ist übrigens seit Jahren außer Gebrauch. Niemand konnte da hinein; ich wüßte also nicht, was Sie da suchen wollen, wie überhaupt in meinem Hause."

Lassen Sie uns nur gewähren", sagte der Kommissar,um so schneller werden Sie uns los. Dies war Herrn Duprat's letzter Aufenthalt, und hier müssen wir vor allen Dingen nach möglichen Hinweisen auf sein unzeitiges Ende suchen. Bringen Sie also, bitte, die Schlüssel zur Stelle und, wenn es sein kann, auch die Kellerschlüssel, da ich den Keller sonst erbrechen lassen müßte. Ich gehe hin­unter, um noch ein paar befreundete Herren zu holen, die mir bei der Haussuchung, die ich Ihnen leider nicht ersparen kann, behilflich sein werden."

Der Kommerzienrath nickte verständnißinnig.

Gehen Sie vorne hinunter ich werde Ihnen den Weg zeigen", sagte er.Lassen Sie die Thür nur angelehnt und kommen Sie dann direkt nach meinem Privatkabinet."

Indem sie nun zusammen durch den Wintergarten nach der Haupttreppe gingen, erklärte Etwold seinem ernsten Begleiter, wie er zu gehen habe, um nach seinem Privatkabinet zu kommen.

Gleich daneben liegt Duprat's Zimmer", sagte er, ,und da können wir den Anfang machen."

Der Kommissar ging hinab und Etwold nach seinem Kabinet.

Als Jener noch vor der Thür stand und seinen Freunden winkte, hörte er aus dem Hause einen Schuß fallen.

Von einer bösen Ahnung erfüllt, eilte er mit mehreren Dienern zugleich nach dem Kabinet.

Sie fanden den Kommerzienrath entseelt auf dem

Teppich liegen. Ein Schuß durch die Schläfe hatte seinem Leben ein Ende gemacht.

Hier besteht ein Zusammenhang", raunte der Kommissar seinen Begleitern zu,er wußte offenbar von Duprat's Ende."

Man durchsuchte nun das ganze Haus, fand aber Nichts, das auf eines der beiden Verbrechen, des Mordes und des Selbstmordes, hingewiesen hätte.

Endlich stieg man zu den Kellern hinab und er­brach diese. Hier fand man denn das Fäßchen Dynamit als einziges Beutestück. Die Zelle, welche vordem Forster und Eduard innegehabt hatten, war leer, ohne daß eine Spur ihres Entkommens zu er­spähen gewesen wäre.

Das Geheimniß verdichtete sich. Dieses Dynamit deutete wieder auf den lange gewitterten Anarchisten­bund ; dennoch traute Niemand dem Kommerzienrath, der früher den Anarchisten Matthies verjagt hatte, staatsfeindliche Umtriebe zu.

Einstweilen blieb Alles in der Schwebe und man fürchtete schon, gar keine Erklärung zu erhalten.

Die Nachricht von dem Selbstmord des Kommer- zienraths verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Straßen der Stadt, und der Telegraph meldete denselben bis tief in's Land hinein.

Nicht lange mehr, und man hatte mehr Zeugen, als man sie zu finden gehofft hätte, nämlich Niston, der sich jetzt freiwillig dem Gericht stellte, Klara, Eduard und den alten Forster alle meldeten sich zum Zeugniß.

Was diese sagen konnten, wissen wir bereits, mit Ausnahme, daß Klara von Anfang an wußte, wer der Mörder des jungen Forster gewesen, näm­lich Duprat, und daß sie das gezwungen verschwieg, da Duprat ihr sagte, daß die Anschuldigungen Martin Forster's wahr seien und Letzterer habe sterben müssen, um ihren Vater zu retten; sie hatte das Verbrechen durch ihr Schweigen aber nicht ge­fördert, da sie erst nach vollbrachter That Kenntniß von demselben erlangte.

Riston sagte Alles, was von seinen traurigen Verhältnissen zu sagen war, auch was Duprat ihm noch vertraut hatte, daß er als Viton eine elegante Wohnung in der Promenadenstraße inne­gehabt und wo er dort die Kostüme des Ermordeten und sein eigenes versteckt hatte. Man fand diese, und wurden dieselben von Neubert sofort als aus dem Flußfund imFuchsbau" stammend wieder­erkannt. Es war ein Herrenpolenkostüm, das ! Duprat am Ballabend getragen; da er aber einen sehr zierlichen kleinen Fuß Halle, mit dem er stets