Ausgabe 
28.10.1886
 
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Preise für die meisten Lebensbedürfnisse durchaus nicht hoch sind. Für diejenigen, welche den land- wirthschaftlichen Beruf ergreifen, respective fortsetzen wollen, ist die beste Ankunftszeit in Canada die erste Hälfte des Mai, weil sie alsdann am leichtesten Be­schäftigung finden, Kartoffeln pflanzen und in jedes beliebige Land, welches sie noch bekommen, Sommer­korn säen können, das sie mit ihrer Familie durch den ersten Winter bringt. Auch können sie sich eine Kuh oder ein Schwein mästen, Hühner anschaffen und dergleichen.

Der Ansiedler wird wohl thun, wenn er schon vor seiner Ankunft einen festen Entschluß in Bezug auf denjenigen Theil des Landes faßt, in welchem er sich niederzulaffen gedenkt. Der von der Regie­rung in jedem Hafen angestellte Einwanderungsagent wird ihm dann sogleich den kürzesten und besten Weg sagen, ohne daß weitere Schwierigkeiten zu überwinden wären, da fast nach allen Häsen am St. Lorenzo, der Bai von Quinte und der vier großen See'n Ontario, Erie, St. Clair und Huron zahlreiche Dampfschiffe gehen. Ist das Reiseziel des Ankömmlings eine im Binnenlande gelegene Graf­schaft, so wird er in dem Hafen ans Land gesetzt, von dem aus er am leichtesten dahin gelangen kann. Sucht er Arbeit bei irgend einem öffentlichen Unter­nehmen, so wird ihm der Agent ebenfalls die ge­wünschte Auskunft geben.

Im ersten Jahre nach seiner Ankunft in Canäda kann der eingewanderte Farmer 10 Acker mit Weizen besäen und wenn er in den ersten Frühlingswochen einrrifft, so wird es ihm noch möglich werden, einige Kartoffeln zu pflanzen, die dann seine ersten Winter- vorräthe mit bilden helfen. Ehe der zweite Winter hereinbricht, wird der Farmer im Stande sein, sich eine geräumige Scheune für sein Getreide aufzu- baum, nachdem er bereits während des ersten Winters Sägekiötze nach der Mühle geschafft und hier die Balken und Bretter für die Scheune ge­schnitten hat. Der Schnee erleichtert ihm, wie schon angedeutet, den Transport des Bauholzes nach der Sägemühle, deren es in ganz Canada eine große Menge giebt. so daß er keinenfalls genöthigt ist, sein Holz 'viele Meilen weit zu schaffen.

Nachdem der Eingewanderte seinen Grund und Boden gewählt, möge er nie versäumen, sich von dem Agenten vorausgesetzt eben, daß es sich um den Ankauf von Kronländereien handel! und die sind stets am ersten zu empfehlen sofort einen Kauf­brief anfertigen zu laffen, was stets kostenlos ge­schieht. Zuvor aber möge er sich wohl überzeugen, ob das von ihm gewählte Land gut ist. Dies kann man schon selbst einigermaßen beurtheilen, wenn man darauf achtet, ob die Bäume groß sind, und zur Gattung der s ogenannten harten Hölzer gehören. Birke, Ahorn. Hirne und große Fichten sind in der Regel sichere Kenntnisse zur Beurtheilung des Bodens. Zu rathen ist, daß sich der neue Farmer von einem erfahrenen Nachbar über die Art und Qualität des Holzes Rath erholt und ihn überhaupt um eine Ge-

fammtbeurthsilung des Terrains bittet, auf dem er sich niederlaffen will.

Bei nur einigermaßen klugem Wirthschaften kommt der Farmer in Canada mindestens ebenso schnell vorwärts, wie in den besten Districten der Vereinigten Staaten, wenn nur erst ein paar Jahre der schwersten Arbeit vorüber sind. Es wächst sein Wohlstand mit den Jahren zusehends und hieraus ergiebt sich ein sehr gerechtfertigtes Verlangen nach den Bequemlichkeiten und Luxusbedürfnissen des Lebens. An die Stelle des ungeschlachten, roh ge­zimmerten Wagens, dessen er sich zuerst bedient hatte, tritt ein elegantes Fuhrwerk, das Hausgeräth ver­feinert sich, die Stuben gewinnen durch Teppiche, Gardinen, Sophas u. s. w. ein behaglicheres und vornehmeres Aussehen, das Tischgeschirr vermehrt sich und weist feinere Sorten auf, die Wände be­kleiden sich mit Tapeten, Musikalien und Bücher er­scheinen in den Wohnräumen kurz, die Häuslich­keit des Farmers nimmt ein total verändertes Aus­sehen an. Hierbei wirken nun eine Menge Hand­werker mit und so kommt es, daß dieselben selbst in den entlegeneren Gegenden ein schönes Stück Geld verdienen, während man dies von den Handwerkern im Westen der Vereinigten Staaten nicht immer sagen kann, da hier die Laudwirthe vielfach die meisten Arbeiten der Handwerker selber mit besorgen.

Schon jetzt nimmt sich Canada im Verhältniß zu seiner Bevölkerung bei einem Vergleiche mit den benachbarten Vereinigten Staaten ganz günstig aus und wenn erst das Eisenbahnnetz des Landes voll­ständig sein wird, so werden die vermehrte Leichtig­keit des Reisens, der immer mehr erweckte Unter­nehmungsgeist, das bessere Klima, die unerschöpfliche Wasserkraft, der großartige Holzrsichthum und die ausgedehnten Fischereien die britisch-nordamerikanischen Besitzungen in den Stand setzen, einen noch besseren Vergleich mit der Union auszuhalren.

Vermischtes.

(Was ist eine Jungfrau?) Auf diese Frage giebt Abraham a Santa Clara folgende Antwort:Eine rechte Jungfrau soll sein und muß sein, wie die Glocken am Charfreitag, sie mutz sich nicht viel hören lassen. Die Männer können Vokales sein, die Weiber Konsonantes, die Jungfrauen ! aber müssen mutae (stumm) sein. Eine rechte Jungfrau soll , sein und muß sein, wie eine Orgel; sobald diese ein wenig angetastet wird, schreiet sie. Eine rechte Jungfrau soll sein ; und muß sein, wie eine Spitalsuppe, die hat nicht viel Augen; i also soll sie auch wenig umgaffen. Eine rechte Jungfrau soll t sein und muß sein, wie ein Spiegel; wenn man diesem ein wenig zu nahe kommt und anyauchet, so macht er ein trübes Gesicht. Eine rechte Jungfrau soll sein und muß sein, wie ein Licht, welches versperret in der Laterne viel sicherer ist, als außer derselben. Insonderheit aber soll fein und muß 5 sein eine rechte Jungfrau, wie eine Schildkröte; diese ist alle- j zeit zu Haus, maßen sie ihre Behausung mit sich trägt, also ! eine rechte Jungfrau sich mehresten soll zu Hause aufhalten, ? zur Meldung aller bösen Gelegenheiten, denn gleich wie jener gute Samen des evangelischen Ackermanns, so auf den Weg gefallen, von den Vögeln ist verzehrt worden, also feinb die ehrsamen Jungfrauen, welche auf Weg und Gassen sich sehen lassen, vor den Erzvögeln gar nicht sicher/

Redaction: 8L Schehda. Druck mtb Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.