Hießener Jamilienblätier.

BsÜMßrfches Keidlatt |b® Gießener Anzeiger-

d'Ex. 127- Donnerstag den 28. OcLober. L8sß.

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Die Branbsiisterm.

Criminal-Novclle von AndrS Hugo.

(Schluß).

Nur kurze Zeit hatte es bedurft, um in ihr das zu finden, was ich suchte: ein Herz voll warmer Liebe. Alice Herming machte mich zwar mit ihrer Vergangenheit bekannt, allein Skrupel machte ich mir deswegen nicht, sondern heirathete das Mädchen trotz der Warnungen meiner Behörde und mir freund­schaftlich näher Stehender. Das erste in meiner Wohnung ausbrechende Feuer gab der Wüthenden, s die sich unlerdeh mit einem Kellner Bester ver­bunden hatte, Gelegenheit, über mich die weit­gehendsten Verdächtigungen auszusprechen, die in ihrem Zusammenhangs meine Stellung in Hallberg unter­gruben. Hierbei hat jedenfalls die Jndircretion des i Amtsrichters Schäfer nicht wenig dazu beigetragen. Er steht bei der Bester im Vertrauen.....

Ich bitte Sie hier an dieser Steile keine Ve- fchuldigungen über einen Beamten unseres Staates auszusprechen, wenn Sie dieselben nicht beweisen i können", unterbrach der Präsident den Redestrom Kirchners.

Fragen Sie den Hausknecht oder den jetzigen Wirth nur und er wird vielleicht noch ganz andere Dings zu Tage fördern."

Präsident und Staatsanwalt sahen sich einige Augenblicke betroffen an.

Und Sie, Herr Helmding haben genau dasselbe gehört, was uns Herr Kirchner über die belauschte Unterredung gesagt hat", fragte der Staatsanwalt.

Der Gefragte bejahte.

Kannten Sie die P rsonen?"

Nein; ich wollte denselben zur Feststellung jtjrcr Personen nachgehen, forderte hierzu den Herrn Kirchner auf, erhielt aber von diesem die Beruhigung, daß er leider die Beiden mehr als zu gut kenne."

Nachdem den Erschienenen das Protocoll verlesen und von ihnen unterzeichnet worden war, entließ sie der Präsident.

* * *

Die Verhaftung des Wirthes zurWeintraube" und der Gastwirthin Bester aus Hallberg gab den in der Residenz erscheinenden Tagesblättern eine Menge Stoff zu Localartikeln verschiedener Art. Aber alle die gestellten Vermuthungen trafen nicht das Ziel.

Der frühere Hausknecht und jetzige Restaurations­

inhaber Ernst Horn wurde zuerst verhört. Im An- fange suchte er sich gegen die ihm zur Last gelegten Verbrechen entschieden zu wahren; als ihm aber der Präsident Wort für Wort die Unterhaltung wieder­holte, die er am Abend zuvor mit der Bester in Gegenwart von unbemerkten Personen gepflogen, da brachen die Säulen seines Lügengebäudes zusammen und er erzählte nun in ungeschminktester Wahrheit» wie ihn die Bester unter Anwendung aller Mittel dazu gebracht, in beiden Brandftistungssällen dir Vorbereitungen für die Brandlegungen zu treffen. Den Brand selbst, erklärte er, habe die Bester jedes­mal selbst gelegt. Er habe zu diesem Zwecke auf den Böden der bktreffenden Seitengebäude die ge­mauerten Fachwerkstückt herausnehmen müffen. Der zweite Brand habe eigentlich schon früher stattfinden sollen, allein die Bester habe erst verschiedene Schachteln und Packete, sowie einen Regenschirm aus der Kammer der Kirchner gestohlen und habe diese nach der Residenz geschafft. Erst zum Vogelschießen sei der Brand dann zur Perfection gelangt. Al« er das zweite Mal habe nach dem Feuer sehen wollen, sei er mit einem Hammer bewaffnet gewesen, um eventuell durch Einschlagen eines anderen Fachwerk­stückes besser zum Feuerherd zu gelangen. Da sei

. ihm ein Mann entgegengetreten und habe ihn daran verhindern wollen. Derselbe sei jedenfalls singe« f schlichen und habe unbeobachtet auf dem Boden des Seitengebäudes übernachten wollen. Der Satan habe ihn geblendet, fuhr Horn in seiner Erzählung fort, denn ohne zu wiff-n, was er thue, habe er den Zeugen der That einfach niedergeschlagen und ihn hinter die Effe geworfen.

Das war die Aussage Horns.

Die Bester leugnete nach ihrer Vorführung alles, i Erst nach der Confrontirung mit dem Horn gestand \ sie ihre aus Rachsucht gegen die Kirchner verübten j Thaten ein.--------

Nach dem Gesetzbuchs mußte zur Freisprechung = der inhaftirten Kirchner ein neues Schwurgericht ge­bildet werden. Trotzdem die Vorbereitungen hierzu mit möglichster Eile betrieben wurden, verging doch s noch eine Woche, während welcher der Gefangenen f alle gesetzlich zulässigen Erleichterungen gewährt l wurden. Horn, geschäftlich heruntergekommen, i moralisch ohne jedweden Halt, sah sein Ende nur zu ; gut voraus und wartete nicht erst den Wahrspruch l der Geschworenen ab, sondern entleibte sich im Ge« \ fängniffe. Natürlich hatte der Fall in allen : juristischen und nichtjuristifcheu Kreisen das größte