Ausgabe 
27.11.1886
 
Einzelbild herunterladen

88S

setzte der Jäger, dichte Rauchwolken aus seiner Pfeife blasend,können keine schlechtere Empfehlung für mich haben."

Ja, ich bin ein Deutscher", rief der Gast, ihn fest anblickend,und stolz darauf, ein solcher zu sein. Hamburg, die schöne Elbestadt, ist meine Heimath, mein Name Felix Nodenburg."

Ein Menschenfeind und stolz auf sein Vater­land auf seine Heimath", murmelte der Jäger; doch was will ich", fuhr er lauter fort,seit acht­zehn Jahren ein verbannter Flüchtling, ein Ausge­stoßener und noch mit jeder Faser meines Herzens ein Pole "

Ah, ein verbannter Pole", rief Felix Roden­burg theilnehmend,nun begreife ich Ihr Geschick."

Wirklich?" Gut, lasten Sie etwas von Ihrem deutschen Geschick hören, damit ich weiß, ob die Rettung der Mühe werth gewesen."

Felix, besten Schicksal wir bis zu seiner Flucht aus der Vaterstadt bereits kennen, erzählte die Ge­schichte seiner Jugend und entrollte dem schweigenden Zuhörer dann sein ferneres Lebensbild, ein dunkles Nachtbild voll Arbeit und Entbehrung.

Der Zufall führte mich endlich, als ich durch sauren Fleiß eine Summe mir erspart, in St. Louis mit einigen Goldgräbern zusammen", setzte er seine Erzählung fort,es waren Deutsche, welche eine reichhaltige Miene in der Sierra Nevada entdeckt hatten und noch einige Gesellschafter mit hinreichenden GeldMitteln suchten, um jene Mine in rationeller Weise aurbeuten zu können. Ich schloß mich ihnen an und es gesellte sich noch ein Fremder hinzu, welcher sich Stephan Olinski nannte."

Wie? Stephan Olinski?" unterbrach der Jäger ihn auffahrend;er gab sich für einen Polen aus?"

Ja", nickte Felix verwundert,doch sprach er ein sehr gutes Deutsch, was uns glauben ließ, daß er aus den preußisch-polnischen Districten stammte, ob­wohl er ein Vollblut-Pole zu sein behauptete. Kennen Sie vielleicht einen Mann dieses Namens?"

Nein, nur weiter, er schloß sich den Goldgräbern an?"

Ja, obwohl er keine Mittel besaß und die schlichten Männer nur durch seine Raisonnements zu gewinnen und sich als technischer Leiter der Gesell­schaft aufzuspielen verstand. Meine Einwände wurden nicht beachtet, meine geheimen Warnungen in den Wind geschlagen. Ich fühlte eine unbesiegbare Ab­neigung gegen Olinski und ließ es ihm unkluger Weise merken. Als er meinen Namen hörte, fuhr er buchstäblich zurück und starrte mich beinahe er­schrocken an. Dann lachte er spöttisch aus und fragte, ob ich vielleicht mit dem Kaufmann Noden­burg in Hamburg, welcher eine junge, hübsche Wittwe hinterlassen habe, verwandt sei? So erfuhr ich seltsamer Weise aus dem Munde dieses Menschen den Tod meines Vaters, sowie die Wiederverhei- rathung seiner Wittwe mit einem reich n, schwedischen Grafen; erfuhr weiter, daß Antonie in Schweden ertrunken und mein väterliches Vermögen in den

Besitz jenes Grafen übergegangen fei. Ich hatie mir geschworen, nur als reicher Mann die Heimath wieder zu sehen, obwohl ich nach jenen Mittheilungen die größte Lust bekam, nach Deutschland zurückzu- kehren. So bezwang ich die Sehnsucht, um mir Gold zu erwerben und ging nach der Sierra Nevada, wo mein Schicksal eine ungeahnte Wendung nehmen ollte."

Gold! Gold!" murmelte der Jäger verächtlich, wie kann ich die Menschen Haffen und doch ihre Götzen lieben? Bah, Mann jenes Frauen­zimmer, das Euch verließ, um den Geldsack Eures Vaters zu heirathen, verdiente weder Liebe noch Haß. Ihr wäret ein unreifer Knabe, der in die Welt hinauslief, anstatt daheim zu bleiben und um sein Erbe zu kämpfen. Ha, ha, wie albern, den Haß zu begraben und nach Gold zu suchen. Ihr seid des Mitleids nicht einmal werth!"

Ihr urtheilt hart und ungerecht", versetzte Felix, sich gewaltsam bezwingend,konnte ich daheim bleiben und sie, an welcher mein Herz mit jeder Faser hing, als meines Vaters Weib sehen, sie Mutter nennen und als solche achten und ehren? Nein, das hätte nur ein Idiot oder ein Schurke fertig bringen können."

(Fortsetzung folgt).

Wer war der Water?

Eine Erzählung aus Amerika.

(Nachdruck verb»ten.)

Es war an einem schönen Frühlingsmorgen, als Dr. Westen, einer der gewiegtesten Aerzte New-Dark'« eben von der ersten Reihe seiner Krankenbesuche zu­rück kam, um sich daheim in seinem Studienzimmer eine Reihe Notizen zu machen, als plötzlich die Thür ohne vorheriges Anklopfen hastig aufgeristen wurde und ein jüngerer College, Mister Blind, athemlo» hinein stürzte. Westen starrte erschrocken in die sicht­lich im höchsten Grade aufgeregten Züge des jungen Mannes, der ihm mit stotternden Worten zurief: Um des Himmels willen lieber Freund, denken Sie sich, mein Onkel Johnson ist heute Morgen tobt in seinem Bette gesunden worden und die ganze Nach­barschaft behauptet mit Entsetzen, er sei ermordet. Dr. Westen, der den Onkel seines Freundes persön­lich kannte, fuhr auch seinerseits erschrocken auf und wollte den Ankömmling, der ihn so jäh überraschte, mit einer Menge Fragen bestürmen, doch dieser, sichtlich in größter Verstörtheit, faßte ihn am Arm und forderte ihn mit hastigen Worten auf schleunigst mit ihm die Unglücksstätte aufzusuchen und keinen Moment zu zögern.Kommen Sie", kommen Sie", drängte er, unterwegs kann ich Ihnen ja das alles mittheilen, soweit ich es eben selbst weiß. Wenige Augenblicke nachher saßen beide College» in Westens