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Ja, wer wiÜ es ihr verbieten?" lachte der Gast,es giebt keinen Winkel auf unserem Planeten, den wir absolut für uns allein behaupten können. Man beschäftigt sich sehr viel mit dem Einsiedler im Urwald und umwebt sein Haupt mit phantastischen Sagen und einem geheimnißvollen Zauber, dem ich nicht zu widerstehen vermochte. Ich miethete mir einen Indianer als Führer, welcher schon am ersten Tage mich heimlich verließ und dem schrecklichsten Schicksal mich preisgab; drei Tags und drei Nächte irrte ich umher, bis das furchtbare Unwetter mich packte und den vollständig erschöpften Körper dar­niederwarf. Mußte ich nicht an eine göttliche Fügung glauben, welche gerade Euch, den ich suchte, mir sandte, um mich zu retten?"

Glaubt, was Ihr wollt", murrte der Jäger finster,meine Meinung ist die, daß Ihr für Eure Neugierde und Euren sträflichen Fürwitz Euer Schick­sal vollauf verdient habet und daß ich es bedaure, Euch gerettet zu haben. Ihr seid ein Mensch mit allen abscheulichen Schwächen des ganzen Geschlechtes behaftet und verdientet, wie ein giftiges Reptil von mir hinausgeschleudert zu werden."

Als ich von Euch hörte", sprach der Gast nach einer Weile, ihm ruhig in'S zornsprühsnde Auge blickend,da sagte ich mir, daß die Welt Euch grausam mitgespielt haben müsse, und weil auch ich eine derartige Melodie zu singen weiß, so zog es mich wie mit unsichtbaren Fäden zu dem Einsiedler, der mit den Thieren des Urwaldes Freundschaft ge­schlossen und eine Scheidewand gezogen hat zwischen sich und der glattzüngigen Menschheit."

, Eine Scheidewand, welche jeder neugierige Ge­selle zu durchbrechen vermag", bemerkte der Jäger, finster vor sich hinstarrend.Pah!" fuhr er dann heftig auf,wer durch eigene Schuld in's Verderben gerathen, oder der Zuchtruthe des Vaters zu früh entlaufen ist und mit seiner Freiheit nichts anzu­fangen weiß, wer sich, von der Roth gepackt, nun als Menschenfeind ausspielt und großprahlerisch in die Einsamkeit des Urwalds sich flüchten will, um die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Welt auf sich zu ziehen, der bleibe mir fern, mir, welcher die Menschheit aus Ueberzeugung haßt."

. Obwohl ich es soweit noch nicht gebracht habe", versetzte der Gast, sich eine Cigarrette drehend,weil mir hin und wieder noch einige gute Menschen be­gegnet sind, ich die Welt im Großen und Ganzen somit noch für kein Sodom und Gomorrha zu halten berechtigt bin"

Weil Sie schwach genug sind, sich immer auf's Neue von jeder menschlichen Maske täuschen zu lassen", fiel der Jäger verächtlich ein.

So erlauben Sie mir doch, Ihnen meine Ge­schichte zu erzählen", fuhr der Andere gleichmüthig fort.Wollen Sie mich anhören?"

Ich bin durchaus nicht neugierig, doch erzählen Sie immerhin. Sie sind ein Deutscher?"

Freilich, woher können Sie das wissen?"

Ich habe meine sicheren Merkmale dafür", ver-

Wie ein Dachs", lachte der Gerettete,befinde mich ganz ausgezeichnet wohl nach der höllischen Wanderung in diesem verbotenen Paradiese."

Na, diesmal habt Ihr ungestraft unter Palmen geruht", versetzte der Jäger mit einem Anflug von Humor.Werdet aber einen Wolfshunger haben, dem wir vor allen Dingen jetzt erst Rechnung tragen müssen. Stille jetzt!" setzte er rauh hinzu, könnet nachher, wenn's Euch so sehr darnach ver­langt,' Euer Herz ausschütten."

Die Unterhaltung war in der spanischen Sprache geführt worden und hatte jetzt ihr vorläufiges Ende gefunden, da der unhöfliche Wirth sich eifrig an dem primitiven Herde zu schaffen machte. Es währte nicht lange, so stand ein Becher mit dampfendem Cacao vor dem Gaste als eine Art Vorspeise oder Suppe, welche ihm köstlich schmeckte und ihn zu einem begeisterten Lob veranlaßte, das dem schweig­samen Wirth sogar ein Lächeln ablockte.

Es sah überhaupt eigenthünflich aus, den Ur­wald-Jäger am Herde mit der Zubereitung der Speisen so eifrig hantiren zu sehen. Ein bereits gerupftes Waldhuhn wurde kunstgerecht in Schmalz und Palmenöl gesotten, Reis an'L Feuer gestellt, ein Maiskuchen gebacken und diese Leckerbissen nach einer halben Stunde auf den mit frischen grünen Pisangblättern gedeckten Tisch placirt, wobei dem Gaste ganz besanders die zierliche Anordnung, welche dem Ganzen etwas Wohlthuendes verlieh, auffallen mußte; eine Flasche Wein, welche einer Lederkrste entnommen wurde, Trinkbecher aus Tomataschalen vollendeten die einladende Tafel und mit einer fast hoheitrvollen Handbewegung forderte der seltsame Wirth seinen Gast auf, sich, gütlich zu thun.

Schweigend wurde das Mahl eingenommen, der ausgehungerte Fremdling griff tapfer zu und er­zeigte der Urwaldtafel alle Ehre, bis er endlich mit einem tiefen Athemzuge erklärte, in seinem Leben nicht vortrefflicher gespeist zu haben.

Der Jäger nickte zufrieden, füllte die Becher bis zum Rande mit dem feurigen californischen Reben­saft und sagte dann in ruhigem Tone:Jetzt sprecht, wenn Ihr nicht anders könnt. Im Ueörigen dränge ich mich nicht in Eure Geheimnisse, weil mir die Welt gleichgiltig ist, die Menschen aber widerwärtig und verhaßt sind. Diese Nacht seid Ihr noch mein Gast, morgen werde ich Euch aus dem Urwald geleiten."

Nun, meinen Dank werdet Ihr doch nicht ver­schmähen", versetzte der Fremde ebenso ruhig,ohne Eure Hilfe wäre ich umgekommcn, was am Ende kein besonderes Unglück gewesen, da um mich keine Seele auf dem weiten Erdenrund geweint haben würde. Ihr werdet mir hoffentlich auch nicht zürnen, wenn ich Euch sage, daß ich Eurethalben in den Urwald gekommen bin."

Der Jäger blickte ihn mißtrauisch an.

Meinetwegen? Das ist mir nicht lieb zu hören, die Welt braucht sich um mich nicht zu kümmern."

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